Maximal ein Scherpenberger Landesliga-Fußballer konnte sich am Freitagabend noch ein leichtes Lächeln abringen. Ömer Akbel feierte zehn Monate nach seinem Kreuzbandriss ein 24-minütiges Comeback. Damit hatten sich die positiven Aspekte des Moerser Derbys aus Sicht des SV Scherpenberg aber schon erledigt. „Wir haben eine Backpfeife kassiert, da gibt es keine zwei Meinungen. Vielleicht war es aber auch zur rechten Zeit“, resümierte Cheftrainer Christian Mikolajczak das verdiente 0:4 (0:2) gegen den GSV Moers hörbar enttäuscht. Dies vor allem darüber, dass seine Mannen nicht in der Lage waren, das Derbyfeuer zu entzünden.

Eigentor lenkt das Spiel früh in die Richtung des GSV Moers

Ein frühes Tor lenkte die Partie umgehend in die gelb-schwarze Richtung. Scherpenbergs Torhüter Julian Geitz musste eine verunglückte Kopfballrückgabe von Innenverteidiger Maximilian Abel zum 0:1 passieren lassen. Das baute den im 3-4-3 gestaffelten GSV sichtbar auf und machte die Gastgeber sichtlich nervös. Grafschafter spielte im System mit drei Anläufern konsequent und effektiv, bremste den Gegner immer wieder aus und ließ bis zur Halbzeit folgerichtig keine brauchbare Torchance für die Scherpenberger zu.

Kurz vor der Halbzeitpause durften die Kicker des GSV Moers auch noch das 2:0 bejubeln.
Kurz vor der Halbzeitpause durften die Kicker des GSV Moers auch noch das 2:0 bejubeln. © FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Auf der Gegenseite hatte die SVS-Defensive arge Probleme mit den schnellen und oft auch präzise vorgetragenen GSV-Vorstößen. Vor allem über den quirligen Sergen Dogan, der über die linke Seite mit einigen Soli nur schwer zu stoppen schien. Der 20-Jährige leitete auch das verdiente 2:0 für die Gäste fünf Minuten vor der Pause ein. Der schon 36 Jahre alte Mittelstürmer Danny Rankl köpfte den Flankenball beherzt vom Elfmeterpunkt und nicht wirklich gestört in die Maschen. Gegen den Aufsetzer in die linke untere Ecke war Keeper Geitz machtlos. Der Torsteher musste nach einem Zusammenprall mit Rankl kurz zuvor mit einer Rippenprellung bei Halbzeit in der Kabine bleiben und wurde durch den 20-jährigen Sommerzugang Miguel Nefian ersetzt.

SV Scherpenberg: Defizite in allen Mannschaftsteilen

Die bislang noch ungeschlagenen Scherpenberger wiesen bis dahin Defizite in allen Mannschaftsteilen auf. Nick Noah Redam kam im offensiven Mittelfeld nicht recht ins Match, die Terzi-Brüder leisteten sich einige schmerzhafte Aufbaufehler, in Tevfik Kücükarslan und Marcel Kretschmer lieferten beide Außen kaum Brauchbares für Torjäger Vedad Music.

SV Scherpenbergs Innenverteidiger Maximilian Abel (3) hatte gegen den GSV Moers nicht gerade seinen besten Fußballabend erwischt.
SV Scherpenbergs Innenverteidiger Maximilian Abel (3) hatte gegen den GSV Moers nicht gerade seinen besten Fußballabend erwischt.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Coach Mikolajczak probierte es nach dem Wechsel mit mehr Offensivdrang, nahm den gelb-belasteten Arda Terzi im defensiven Mittelfeld raus und brachte dafür Baha Arslanboga. Das sorgte für etwas frischen Wind. Gut 25 Minuten hatte Scherpenberg die Ballkontrolle, baute auch einen gewissen Druck auf, ohne allerdings gefährlich zu werden. Einzig Kapitän Stefan Kapuscinski war einem Treffer nahe. Doch der Schussversuch aus halbrechter Strafraumposition wurde vom GSV auf der Torlinie entschärft (57.).

SV Scherpenberg: Abwehr und Torwart patzen zweimal

Die Gäste wirkten bei ihren Kontern stets gefährlicher. Danny Rankls zweites Tor in der 78. Minute per Flachschuss in die lange linke Ecke war clever erzielt, weil die SVS-Abwehr nicht zupackte und dazu Keeper Nefian viel zu früh aus dem Tor gelaufen war. Der eingewechselte Lukas Koch steuerte noch das 4:0 bei (87.). Ob der zögerliche Abel oder der etwas spät tauchende Nefian die Hauptschuld trug? War am Ende dann auch nicht mehr entscheidend.

Bodenarbeit: der ehemalige Scherpenberger Conner Wastian (rechts) gegen Jasin Saiti (4) und Tevfik Kücükarslan (Mitte).
Bodenarbeit: der ehemalige Scherpenberger Conner Wastian (rechts) gegen Jasin Saiti (4) und Tevfik Kücükarslan (Mitte).© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

„Uns darf ein so schnelles Tor wie beim 0:1 einfach nicht aus der Bahn werfen. In der zweiten Halbzeit haben wir es zwar lange gar nicht schlecht gemacht. Doch viele Chancen haben ich da für uns auch nicht gesehen“, befand Scherpenbergs Trainer Mikolajczak. Auf der Gegenseite war GSV-Sportleiter Patrick Iwersen natürlich bestens drauf: „Die Jungs haben das von Anfang bis zum Ende wirklich gut gemacht. Alle hatten Bock.“

Beim GSV Moers gibt Konstantin Möllering seinen Pflichtspieleinstand

Dazu zählte auch Thorsten Kogel, der im defensiven Mittelfeld trotz grippalen Infekts gute 67 Spielminuten durchhielt. Seinen Pflichtspieleinstand auf Grafschafter-Seite gab der Ex-Scherpenberger Konstantin Möllering. Nach überwundenem Muskelfaserriss kam der ehemalige Regionalliga-Kicker immerhin gut 14 Minuten inklusive Nachspielzeit zum Zug.

SV Scherpenberg: Geitz (46. Nefian) - Bu. Arslanboga, Abel, Saiti, Ogansuyi - K. Terzi, A. Terzi (46. Ba. Arslanboga) - Kücükarslan, Redam (81. Karaca), Kretschmer (86. Grillemeier) - Music (71. Akbel).

GSV Moers: Roolfs - K. El Moumen, Werner, Nowitzki - S. Ghrayeb, I. El Moumen (88. Engeln), Kogel (67. Kefeli), Wastian - Kader (80. Möllering), Rankl (86. Koch), Dogan (71. Okamura).