Die 0:5 (0:1)-Niederlage beim Landesliga-Aufsteiger Viktoria Goch war aus Sicht der Fußballgemeinde des SV Scherpenberg nichts anderes als Hardcore. Weite Teile der indiskutablen zweiten Halbzeit saß Trainer Christian Mikolajczak auf der Holzbank am Naturrasen des Hubert-Houben-Stadions und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Nicht nur 14 Gegentreffer in den jüngsten drei Spielen, auch die Art und Weise der Auftritte ließen jenen Schluss zu, der dann am Samstagmorgen gezogen wurde: Der SV Scherpenberg braucht und sucht einen neuen Cheftrainer.

SV Scherpenberg verkündet Trainer-Trennung am Samstagmorgen

Der Sportliche Leiter Sven Schützek und der ehemalige Schalker Bundesliga-Profi Mikolajczak verständigten sich auf eine sofortige Trennung. „Habe ich die Muße, hier weiterzumachen?“, hatte Mikolajczak schon am Freitagabend wenige Minuten nach der Pleite unmissverständlich gefragt: „Das war hier eine Blamage für jeden Einzelnen und auch für den Verein. Manch einem fehlt offenbar die richtige Einstellung für ernsthaften Amateurfußball.“ Scherpenbergs Vereinschef Kay Bartkowiak, der unter den knapp 300 Zuschauern auf der Tribüne saß, dürfte vermutlich ähnlich empfunden haben.

Der bisherige Co-Trainer Gregor Grillemeier übernimmt gemeinsam mit Sportleiter Sven Schützek die sportliche Verantwortung beim SV Scherpenberg an der Seitenlinie.
Der bisherige Co-Trainer Gregor Grillemeier übernimmt gemeinsam mit Sportleiter Sven Schützek die sportliche Verantwortung beim SV Scherpenberg an der Seitenlinie.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Die Reißleine in der sportlichen Verantwortung war dann am Samstag früh gezogen. „Ich bin stinksauer auf die Mannschaft wegen der Nicht-Leistung. Das ist so nicht zu akzeptieren. Der Trainer hat alles versucht, das Team eigentlich gut eingestellt und auch in der Halbzeit noch eine gute Ansprache gehalten. Wir mussten jetzt allerdings ein Zeichen setzen“, betonte Sportleiter Sven Schützek.

SV Scherpenberg: Neuer Cheftrainer soll die Landesliga möglichst kennen

Sein Ziel ist es, einen neuen Cheftrainer zu finden, der möglichst die Landesliga kennt und das auf dem Papier ja ziemlich gut besetzte Team wieder in die Spur bekommt. Und dies defensiv wie offensiv. Keine leichte Aufgabe Ende September, wo fähige und freie Coaches von Format ja eher rar gesät sind.

Letzte Gesprächsrunde nach einem Landesligaspiel mit Christian Mikolajczak als Cheftrainer des SV Scherpenberg.
Letzte Gesprächsrunde nach einem Landesligaspiel mit Christian Mikolajczak als Cheftrainer des SV Scherpenberg.

„Ich bin ,Miki‘ trotz der Trennung sehr dankbar dafür, dass er die Aufgabe vor mehr als einem Jahr aus dem Stand heraus angenommen, viel Engagement und auch viel Fachwissen eingebracht hat. Das gab es so in Scherpenberg noch nie. Wir gehen sicher nicht im Streit auseinander“, erklärte Sven Schützek. Kurzfristig wird der ehemalige Lintforter Cheftrainer gemeinsam mit Co-Trainer Gregor Grillemeier das Team übernehmen. Kommenden Mittwoch (19.30 Uhr) im Kreispokalspiel beim A-Ligisten VfL Rheinhausen steht Ex-MSV- und -RWE-Profistürmer Grillemeier verantwortlich an der Linie.

SV Scherpenberg muss die Defensive wieder stabilisieren

Ziel ist es nun, erst einmal die Defensive wieder zu stabilisieren. Dazu scheint auch zu gehören, sich noch einmal auf der Torhüterposition umzusehen. Beim 0:5 in Goch hatten die Scherpenberger Schlussmänner bei allen fünf Gegentoren ihre Aktien im Spiel. Stammtorhüter Julian Geitz bei den ersten drei Treffern, der eingewechselte Klever Youngster Miguel Nefian bei den Toren vier und fünf. Für Goch trafen die Ex-Lintforter Florian Ortstadt (35.) aus der Distanz und Luca Plum (48.) per Abstauber, danach der frühere Scherpenberger Luca Palla.

Musste in der 65. Minute verletzt ausgewechselt werden: SV Scherpenbergs Torhüter Julian Geitz.
Musste in der 65. Minute verletzt ausgewechselt werden: SV Scherpenbergs Torhüter Julian Geitz.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Bei Pallas klar haltbarem Freistoß verletzte sich Keeper Geitz, der offenbar im Rasen hängen geblieben war, und musste ausgewechselt werden. Ben Pauls 20-Meter-Freistoß (80.) und ein Kopfballtor von Jonathan Brilski (90.+4) machten die Scherpenberger Blamage perfekt. Dazwischen gesellte sich noch Gelb/Rot gegen den als Rechtsverteidiger aufgebotenen Tevfik Kücükarslan wegen wiederholtem Foulspiel.

„Fußball ist Leidenschaft und nicht nur zocken“

Letzter Kommentar von Christian Mikolajczak in seiner Funktion als Scherpenberger Cheftrainer und vermutlich auch ein sehr ernsthafter Wink an die Mannschaft: „Fußball ist Leidenschaft, Laufbereitschaft und Zweikampfverhalten – und nicht nur zocken. Wer das nicht begreift, wird ab einer gewissen Liga auch keinen Erfolg haben. Der Verein tut für die Jungs alles. Daher stehen sie in der Pflicht, etwas zurückzugeben. Auch aus diesem Grund ist ein solches Spiel wie in Goch nicht entschuldbar.“

SV Scherpenberg: Geitz (65. Nefian) - Kücükarslan, Abel (52. Tietz), Saiti, Kapuscinski - Karaca (52. A. Terzi), K. Terzi - Ba. Arslanboga, Gülcan (86. Bu. Arslanboga), Kretschmer - Music (60. Akbel).