Viel besser hätte der Saisonstart für den MSV Moers kaum ausfallen können. Der sportlich vor einigen Jahren arg abgestürzte Traditionsverein, der sich in den 70er- und 80er-Jahren bekanntlich in der dritthöchsten deutschen Fußball-Spielklasse tummelte, hat auf dem langen Weg zurück mit sechs Siegen in sechs Partien bei 32:6 Treffern die Tabellenspitze der Kreisliga B erklommen. Am Ende steigen zwei Teams direkt auf. Die Meerbecker wollen dabei sein. Bis dahin gilt es allerdings, auch außersportliche Hürden aus dem Weg zu schaffen.

Publikumsverkehr setzt komplett renovierter Anlage an der Römerstraße zu

Letzteres könnte sich als schwieriger erweisen, wie MSV-Vorstandschef Helmut Sandrock, immerhin einstiger Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes und Turnierdirektor der WM 2006, sowie auch Fußball-Abteilungsleiter Tolga Günes befürchten. Die komplett renovierte, aber auch öffentlich zugängliche Anlage an der Römerstraße hat gewichtige Nachteile. „Durch den Publikumsverkehr sieht alles schon 15 Jahre älter aus als es ist. Dazu können wir bei unseren Heimspielen kein Eintrittsgeld nehmen, weil ja alle Türen der Anlage offen stehen wie in einem Stadtpark und die Anlage der Stadt Moers gehört. Da gehen uns jedes Mal ein paar hundert Euro verloren“, zählt Tolga Günes auf.

Emotional an der Seitenlinie beim MSV Moers unterwegs: Meerbecks Trainer Tahsin Engin.
Emotional an der Seitenlinie beim MSV Moers unterwegs: Meerbecks Trainer Tahsin Engin.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Beim jüngsten 3:2 im Heimspiel gegen A-Liga-Absteiger OSC Rheinhausen waren fast 200 Interessierte vor Ort. Mehr, als gewöhnlich der GSV Moers in der Landesliga zu ziehen vermag. Die Gespräche mit der Stadt bezüglich der Nachteile des Sportparks dauern an. „Uns sind da die Hände gebunden. Wir weisen auf die Probleme hin, es tut sich aber nichts“, sagt Tolga Günes.

MSV Moers peilt langfristig die Fußball-Bezirksliga an

Sportlich sieht es da wesentlich besser aus. Der Personalstamm aus der Vorsaison ist geblieben, der MSV hat sich dazu mit einigen bekannten Moerser Fußballern verstärkt. „Der Aufstieg muss zu hundert Prozent unser Ziel sein. Das Projekt Fußball in Meerbeck soll möglichst bis in die Bezirksliga gehen“, hebt Tolga Günes selbstbewusst hervor, schiebt aber auch nach: „Man muss auch mutige Träume haben.“

Im Vorwärtsdrang für den MSV Moers am Ball: Ozan Sengül (rechts), hier gegen Murat Ugur vom OSC Rheinhausen.
Im Vorwärtsdrang für den MSV Moers am Ball: Ozan Sengül (rechts), hier gegen Murat Ugur vom OSC Rheinhausen.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Aktuell ist Kreisliga B die Realität. Dies aber mit einer Mannschaft, die personell eigentlich nicht in die Liga gehört. Der 47-jährige Cheftrainer Tahsin Engin beispielsweise stand in der Spielzeit 1997/98 im Zweitliga-Kader des KFC Uerdingen, spielte dann in der Türkei in Göztepe, Antalya und Adana unter Profibedingungen. Der Coach aus Asberg ist überaus engagiert, kann aber auch auf seine Co-Trainer zählen: Engin Aydemir und Muhammet Uslu etwa oder auch auf Burak Erdogan, der aus beruflichen Gründe gerade etwas kürzer tritt.

MSV Moers geht mit Landesliga erfahrenen Routiniers aufs Spielfeld

Auf dem Spielfeld ist derzeit der Ex-Asberger Gökhan Öztürk mit elf Toren in sechs Partien der auffälligste Meerbecker. Einige Zugänge geben dem Kader die vermutlich nötige Qualität für eine A-Liga-Rückkehr. Die Oldtimer Ozan Sengül (35) und Oguzhan Alemdar (36) etwa, die beide schon in der Landesliga unterwegs waren. Mittelfeldspieler Yasin Duman (35) feierte mit dem SV Scherpenberg in der Spielzeit 2016/17 den Aufstieg in die Landesliga.

Aktuell bester Torschütze im Dress des B-Kreisligisten MSV Moers: Gökhan Öztürk (in Grau), hier beim 3:2 gegen OSC Rheinhausen am Ball.
Aktuell bester Torschütze im Dress des B-Kreisligisten MSV Moers: Gökhan Öztürk (in Grau), hier beim 3:2 gegen OSC Rheinhausen am Ball.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Eine ähnliche Vita weist auch der ehemalige Scherpenberger und Repelener Enes Balci auf, der nach einem Kreuzbandriss sowie einjähriger Zwangspause nun wieder im Training mitmacht und zuletzt bei Bezirksligist Duisburger FV 08 im Aufgebot stand. Drei Oberliga-Einsätze für den VfB Homberg sind auch noch vermerkt. Bruder Yusuf Balci war ein gewichtiger Faktor, um im Sommer von Hochfeld nach Meerbeck zu wechseln.

MSV Moers: Qualität hat kein Alter im Fußball, wenn man noch fit ist

Auch Abteilungsleiter Tolga Günes war für Repelen und Scherpenberg in der Landesliga und Bezirksliga aktiv. „Wir sind nicht mehr die Jüngsten, aber Qualität hat kein Alter im Fußball, wenn man noch fit ist“, bekräftigt der 34-Jährige. Ein Selbstläufer wird die B-Ligarunde trotz allem nicht. Gegen einen jungen, dynamischen und ehrgeizigen OSC Rheinhausen zuletzt hatte der MSV in der zweiten Halbzeit mächtig zu knabbern, um ein 3:2 ins Ziel zu bringen.

Routinier im Meerbecker Mittelfeld: Yasin Duman (rechts), hier gegen Augur Erdogan vom OSC Rheinhausen.
Routinier im Meerbecker Mittelfeld: Yasin Duman (rechts), hier gegen Augur Erdogan vom OSC Rheinhausen.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Wer dem MSV gefährlich werden könnte? Der ebenfalls noch mit weißer Weste laufende TV Kapellen hat im Sommertest gegen Meerbeck mit 1:5 verloren. „Die zweiten Mannschaften von Asberg und Lintfort sind zu beachten, dazu vielleicht auch der OSC“, sagt Tolga Günes. Wie gut A-Liga-Absteiger FC Rumeln-Kaldenhausen unterwegs ist, scheint noch offen.

MSV Moers spielt am Mittwochabend im Kreispokal gegen A-Ligist Viktoria Alpen

Vor der Meisterschaft steht das Kreispokalspiel am Mittwoch (19.30 Uhr) gegen den A-Kreisligisten Viktoria Alpen auf dem Programm. Durchaus ein kleiner Test um zu sehen, wie weit die Meerbecker Ansprüche auch gegen einen stärkeren Gegner auf den Kunstrasen entfaltet werden können.