Eine prächtige Derbystimmung, zwei stets hart kämpfende Rivalen und ein emotionales Ende: Das Handball-Verbandsliga-Lokalduell zwischen dem gastgebenden TuS Lintfort und seinem Kontrahenten TV Issum wollten sich am späten Freitagabend über 250 Fans an der Eyller Straße nicht entgehen lassen. Die stark abstiegsgefährdeten Hausherren wendeten dabei mit einer exzellenten Energieleistung eine drohende Pleite noch ab, legten in den letzten drei Minuten einen beeindruckenden 4:0-Torelauf hin und freuten sich nach dem Schlusspfiff überschwänglich über ein 29:29 (17:14)-Remis. Das Tabellenschlusslicht TuS Lintfort feierte diesen Punktgewinn wie einen Sieg – die Spieler des TV Issum hingegen verließen das Parkett mit leeren Blicken.
Lokalderby: 250 Zuschauer kamen am Freitagabend in die Eyller Sporthalle
Die Partie der beiden Ortsnachbarn nahm unmittelbar Fahrt auf. Insbesondere die Spieler des TuS Lintfort hatten sich sichtbar einiges vorgenommen. Es mangelte weder an Einsatz und Motivation. Die offensiv ausgerichtete 3:2:1-Deckung überzeugte mit einer übergeordneten Laufarbeit. Es gelang immer wieder, die Lücken zu schließen oder den Issumer Spielfluss zu stören. Es wurden etliche Ballgewinne generiert. Und auch in der Offensive lief es rund. Gerade die hohe Toreffizienz gilt es positiv hervorzuheben.

Der Favorit aus Issum hingegen kam nicht so richtig auf Betriebstemperatur. Die Spieler fanden einfach nicht die nötige Einstellung und somit ihre Normalform. „Ich bin sehr unzufrieden mit unserem Deckungsauftritt in Hälfte eins“, betonte TVI-Trainer Christian Ginters: „Zu viele unserer Aktionen waren zu schläfrig und zu lasch – Lintfort konnte deswegen nach Belieben schalten und walten, kam immer wieder zu freien Würfen.“
TVI-Coach Ginters: „Zu viele unserer Aktionen waren zu schläfrig und lasch“
Das Derby legte nach dem Seitenwechsel aber nochmals an Intensität zu. Zum einen konnte der TuS Lintfort sein hohes Niveau nicht halten, musste ganz besonders Abstriche in der Offensive machen. Die Fehlerquote stieg, der gesamte Auftritt wurde nervöser. Zum anderen aber steigerte der TV Issum nun endlich seine Bereitschaft. Der Gast schaltete in den Kampfmodus um, bekam vor allem Struktur in die Defensive. Der TV Issum agierte fortan effizienter, drehte den Drei-Tore-Pausenrückstand bis zur 50. Minute erstmals in eine Drei-Tore-Führung um (25:22). Alles deutete auf einen ungefährdeten Derbysieg hin, sogar noch bis zur 29:25-Führung (57.).

Der TuS Lintfort griff in den letzten 180 Spielsekunden aber nach dem absolut letzten Strohhalm, schaltete auf eine komplette Manndeckung und sorgte somit für einen totalen Blackout beim TV Issum. Den TVI-Spielern flatterten die Nerven, der TuS Lintfort schlug eiskalt zu. „Meine Mannschaft hat Charakter gezeigt, sich in der hitzigen Endphase nicht verrückt machen lassen und kühlen Kopf behalten“, freute sich TuS-Kapitän Sebastian Küpper: „Für uns ist es ein absoluter Punktgewinn.“ Christian Ginters hingegen war nach Spielschluss so richtig angefressen und schimpfte: „Ich bin insgesamt gesehen überhaupt nicht zufrieden mit unserem Auftritt. Eine nur 70- oder 80-prozentige Einsatzbereitschaft in einem Derby reicht einfach nicht aus. Am vergangenen Wochenende haben wir gegen den TV Schwafheim alles gegeben und voll überzeugt – und nun so eine Leistung.“
TuS: König 7/5, Nederkorn 6, Lasnig 6, Hannes Hellwig 4, Richardt 2, te Morsche 2, Klanten 1, Schlieper 1.
TVI: Leenings 5/4, Ernst 4, Teuwsen 4, Hagmans 4, Zell 3, Scheffers 3, Sakulenski 3, Höhner 2, Schmetter 1.
TV Schwafheim - RW Oberhausen 27:36 (15:20). Schwafheim bot der Top-Mannschaft aus Oberhausen in Abschnitt eins einen mutigen Kampf. Die TVS-Spieler agierten von der ersten Minute selbstbewusst und entschlossen. Die Hausherren fanden in der Offensive gute Lösungen trotz einer Manndeckung gegen Kevin Wiedemann ab der zehnten Minute. Beide Kontrahenten bekämpften sich auf einem ähnlichen Niveau. Oberhausen profitierte nach dem Seitenwechsel massiv von seinen beiden „Unterschiedsspielern“ Merten Krings und Torwart Mats Grzesinski. „Meine Mannschaft hat gut gekämpft, alles gegeben. Aber über die volle Spielzeit haben wir nicht die Mittel, um so einen Hochkaräter zu schlagen“, so das Fazit von TVS-Trainer Peter Wiedemann.
TVS: Steinkuhl 8/4, Hofmeister 4, Mehlich 4, K. Wiedemann 3, Geidel 3, Schmidt 2, Köhler 1, Francois 1, Wanner 1.

TV Kapellen - Alstadener TuS 29:32 (14:17). Kapellen musste eine ärgerliche, aber auch schmerzliche Niederlage einstecken. Die Mannschaft konnte zum einen nicht an ihre gewohnte Normalform anknüpfen – die Anzahl der technischen Fehler und der insgesamt vielen, schwachen Würfe war zu hoch. Zum anderen konnten die Hausherren zwei Ausfälle während des Spiels nicht kompensieren. Steffen Hericks sah in der 22. Minute die Rote Karte wegen eines groben Foulspiels. Rechtsaußen Daniel Feltgen erlitt kurz nach dem Wiederanpfiff eine Knieverletzung, konnte nicht weiterspielen. „Unser Spiel war zu fehlerbehaftet“, so TVK-Trainer Martin Gräfen kurz und knapp.
TVK: Peters 8, Lenz 6, Kohn 4/3, Hericks 3, Deinert 3, Blondin 2, Feltgen 1, Brettschneider 1, Kirschbaum 1.


