Zweimal war Simon Polotzek bei einer Weltmeisterschaft schon für Deutschland aktiv. Damals um U17-Bereich. Doch der dritte Start für den Moerser Florettfechter dürfte der vorläufige sportliche Höhepunkt auf der Planche werden. Am Mittwoch fliegt der 20-Jährige nach Rio de Janeiro. In der weltberühmten Stadt am Januar-Fluss und mit Zuckerhut steigt über die Ostertage die U20-WM. Kommenden Samstag startet das Einzelturnier, am Ostermontag der Mannschaftswettbewerb.
Sommerbekleidung für die WM: In Rio de Janeiro ist es 32 Grad Celsius warm
„Ich fühle mich gut, habe keinen Druck und bin schon stolz, nach einer guten Saison so weit gekommen zu sein“, bekräftigt Simon Polotzek gegenüber der Redaktion. Mit viel Arbeit, Disziplin, Herzblut und Trainer Matthias Block als wertvollen Ratgeber sowie seinen Eltern Josephine und Rainer als Rückendeckung hat sich der Moerser zurück in den Kreis der besten deutschen U20-Fechter gekämpft. Im Koffer für die Südamerika-Reise wird neben dem Fechterdress vor allem Sommerbekleidung dominieren. Über die Ostertage werden in Rio um die 32 Grad Celsius erwartet.

„Wir sind natürlich vor Ort, um im Fechten erfolgreich zu sein. Es wird aber sicher auch Zeit bleiben, sich das eine oder andere anzuschauen“, versichert Simon Polotzek. Die beiden Strände Copacabana und Ipanema genießen ebenso mondänen Weltruf wie das Maracana-Stadion. Hier wurde bekanntlich die Fußball-Nationalmannschaft im Juli 2014 letztmals Weltmeister.
Bei der EM in Tiflis wird Deutschland mit Simon Polotzek Sechster
Von solch einer sportlichen Krönung dürfte das deutsche Florett-Quartett in Brasilien auch träumen. Die Konkurrenz ist allerdings groß und stark. Bei der Europameisterschaft zuletzt in Tiflis/Georgien reichte es nach einer Niederlage gegen Favorit Frankreich zu Platz sechs. „Bei der WM kommen gute asiatische Teams und auch die USA dazu“, gibt Simon Polotzek zu bedenken. Im Einzel würde der Moerser gern unter die besten 16 der Welt kommen. Was ambitioniert ist. Bei der EM klappte es knapp nicht nach einer hauchdünnen 14:15-Niederlage in der Runde der letzten 32 Starter gegen den Ungarn Roland Grosz.

Trotzdem: Hohe Ziel sind wichtig für die Motivation. Das gilt auch mit Blick auf die Nationalmannschaft, die sich in den vergangenen Tagen im Trainingslager in Bonn auf die WM vorbereitet hat. Simon Polotzek: „An einem guten Tag können wir gegen alle Nationen bestehen und gewinnen.“
Heimattrainer Matthias Block kann Simon Polotzek in Rio nicht unterstützen
In der Sommer-Olympiastadt von 2016 muss der Moerser allerdings auf seinen Heimattrainer Matthias Block verzichten, der mit Polotzek seit knapp zehn Jahren schon vertrauensvoll und erfolgreich zusammen arbeitet. Finanzielle Gründe sprachen gegen den Trip nach Brasilien. „Das ist natürlich sehr schade, ich hätte Matthias Block die Reise gegönnt. Aber bei Bundestrainer André Sanita bin ich auch in guten Händen“, versichert Simon Polotzek. Der 34-jährige Solinger startete 2021 bei den Olympischen Spielen in Tokio.
Erfolge bei der Landesmeisterschaft
Bei den Fechten-Landesmeisterschaften in Düren holte Linn Marie Völker vom FC Moers in der Altersklasse U20 den Landesmeistertitel. Im Finale bezwang sie Vereinskollegin Alva Reindl. Linn Marie Völker holte sich auch den Titel bei den Seniorinnen. Simon Polotzek blieb bei den Senioren und der U20 ungeschlagen. Im Moerser U13-Finale besiegte Leevi Quandt seinen Kollegen Oskar Debski. Auch Katharina Mühleisen stand bei der U13 oben auf dem Treppchen. Bei der U11 triumphierte Enno Matyschick für den FC Moers.
Simon Polotzek steckt übrigens seit Anfang September in einer neuen Lebenssituation. Seine Ausbildung bei der Sparkasse Niederrhein zum Bankkaufmann hat begonnen. „Ich musste nach zwei weniger guten Saisons im vergangenen Jahr eine richtungsweisende Entscheidung treffen. Sport ist leider selten eine sichere Sache für die Zukunft. Deshalb habe mich für einen beruflichen Weg entschieden. Auch wenn es für den Kopf durchaus schwieriger wird, Ausbildung und intensives Training sowie hochwertige Wettkämpfe unter einen Hut zu bringen“, erklärt Simon Polotzek. Dass die Sparkasse, bekanntlich ja Hauptsponsor des Fechtclubs Moers, ihren neuen Schützling bei seinen sportlichen Ambitionen bestens unterstützt, ist ein großer Vorteil.
Privatsponsor unterstützt Fechter Simon Polotzek
Dazu hat Polotzek seit Anfang August einen Privatsponsor gefunden, der ihn vor allem mit Material und Fechterbekleidung versorgt. Das ist im Fechten wahrlich nicht selbstverständlich. „Leon Paul aus London war ohnehin schon lange die Marke, die ich am liebsten trage. Da ist die Kooperation besonders schön“, sagt Simon Polotzek. Der Moerser Geschäfteinhaber Jan Grothoff ist seit kurzem von Düsseldorf nach Duisburg umgezogen und unterstützt den Fechter, so gut er kann.
Nach der Sommer-DM geht es für Simon Polotzek im Seniorenbereich weiter
Im Sommer stehen für Simon Polotzek noch die Deutschen Meisterschaften der U20 auf dem Programm. Dann wird der Moerser zu den Senioren überwechseln. „Mein Vorhaben ist es, weiter zu machen“, betont der zweimalige deutsche U17-Meister. Vermutlich wird er für den FC Moers, der ja für seine exzellente Nachwuchsarbeit bekannt ist, weiter die Stadtfarben auf der Planche vertreten. Auch weltweit, wie sich am Osterwochenende zeigen wird.


