Die zentnerschweren Lasten fallen schlagartig von den Schultern. Die Anspannung sowie der sich über Wochen aufgestaute Druck sind mit einem Mal wie weggeblasen: Tabellenschlusslicht TuS Lintfort wird auch in der Saison 2026/27 in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen antreten. Seitens der HBF (Handball-Bundesliga Frauen) wurde mittlerweile offiziell von der spielleitenden Stelle in Person von Tim Fehring mitgeteilt, dass es nach Beendigung der laufenden Saison keinen Absteiger geben wird. Somit ist es Fakt: Der TuS Lintfort hat das Ticket für ein weiteres Jahr in der 2. Bundesliga sicher. Zur Erinnerung. Die einzigen beiden möglichen Drittligisten – Bad Wildungen und die TSG Leihgestern – sind seit dem vergangenen Wochenende im Aufstiegsrennen zur 2. Bundesliga raus.
Die Drittligisten Bad Wildungen und Leihgestern sind im Aufstiegsrennen raus
„Wir bekommen eine zweite, ja, unverdiente Chance, die wir aber wahrnehmen werden“, sagt Ulrich Klein, der 1. Vorsitzender des TuS Lintfort: „Der Weg, den die HBF einschlägt, ist nicht gut. Was ich aber schon seit längerem anprangere. Viele Drittligisten wollen oder können die hohen Anforderungen für die 2. Bundesliga einfach nicht stemmen. Und nun profitieren ausgerechnet wir von diesem System.“

So bekommt das anstehende Meisterschaftsspiel am Ostersonntag (16 Uhr, Eyller Sporthalle) gegen den SV Werder Bremen eine völlig andere Bedeutung, irgendwie einen freundschaftlichen Charakter. Aber TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein nimmt ihre Mannschaft trotz der neuen Umstände in die Pflicht. „Wir können uns eine gleichgültige Einstellung einfach nicht erlauben. Das geht gar nicht, auch wegen unserer Fans. Unser Ziel ist es, an dem jetzigen Tabellenstand etwas zu ändern. Leverkusen und Kirchhof sind bekanntlich ganz nahe. Und ich weiß, dass meine Mannschaft sich unbedingt besser und erfolgreicher präsentieren möchte.“ Torhüterin Senanur Gün kehrt wieder ins Aufgebot zurück. Ob die am Ellenbogen verletzte Femke Kleijkers wieder dabei ist, wird kurzfristig entschieden.
Bettina Grenz-Klein: „Wir können uns eine gleichgültige Einstellung einfach nicht erlauben.“
Jetzt, da der Klassenerhalt in trockenen Tüchern ist, kann der TuS Lintfort auch Neuigkeiten vermelden: Für die kommende Saison gibt es gleich zwei Neuzugänge und zwei Abgänge. So herrscht große Freude über die Rückkehr von Jana Schwedler. Von den Minis bis zur A-Jugend spielte Schwedler für den TuS, spielte zusammen mit Jana Willing und Naina Klein und wurde schon damals von Bettina Grenz-Klein trainiert. Die mittlerweile 26-jährige Linkshänderin wurde später lange Zeit durch eine hartnäckige Schienbeinentzündung außer Gefecht gesetzt.
Der Weg, den die HBF einschlägt, ist nicht gut. Viele Drittligisten wollen oder können die hohen Anforderungen für die 2. Bundesliga nicht stemmen. Und nun profitieren ausgerechnet wir von diesem System.
Ulrich Klein, 1. Vorsitzender des Handball-Zweitligisten TuS Lintfort
Rückkehrerin Jana Schwedler: Kaltschnäuzig und effizient
Bei ihrem Neustart spielte die Diplomverwaltungswirtin zunächst in der „Zweiten“ des TuS Lintfort, ehe 2021 der Wechsel zum heutigen Regionalligisten TV Biefang zustande kam. „Mit Jana Schwedler gewinnen wir eine Spielerin, die schon immer durch ihre Zuverlässigkeit und ihren Einsatz punkten konnte“, blickt Bettina Grenz-Klein positiv auf ihren Zugang. „Mit ihrer eher ruhigen, unaufgeregten Art ist Jana beim Abschluss kaltschnäuzig und effizient. Ich freue mich natürlich wieder eine Spielerin aus der eigenen Jugend im Team zu haben.“

Aber der TuS Lintfort hat eine weitere Linkshänderin verpflichtet. Vom Ligakonkurrenten HL Buchholz Rosengarten wechselt Tine Hinz an den linken Niederrhein. Für Hinz ist die hiesige Region aber keine unbekannte Umgebung. Die 22-jährige Studentin stammt ursprünglich aus Grefrath, spielte noch vor einem Jahr beim Drittligisten TV Aldekerk, ehe der Wechsel in den Norden der Republik zustande kam. Die Linkshänderin feierte mit dem TV Aldekerk sogar zwei Westdeutsche Meisterschaften. „Ich freue mich riesig über die Zusage von Tine“, erklärt Bettina Grenz-Klein: „Sie kennt sich in der 2. Bundesliga aus und wird uns im rechten Rückraum deutlich verstärken. Ich finde es toll, eine weitere Spielerin aus der Region zu verpflichten.“ Tine Hinz studiert übrigens im niederländischen Venlo. Der TuS Lintfort steht mit weiteren, potenziellen Neuzugängen in Kontakt – Entscheidungen sind aber noch nicht gefallen.

TuS-Talent Leonie Udaw sucht hingegen eine neue Herausforderung: Die 19-Jährige Rückraumspielerin, die jüngst in Rostock mit neun Tore brillierte, zieht es wohl wie auch ihre Mannschaftskollegin Alea Mattig zum Ligakonkurrenten 1. FSV Mainz 05. Auch Vakare Damuleviciute wird gehen. Die litauische Nationalspielerin sucht einen Neustart im Ausland, aller Voraussicht nach geht es nach Portugal.


