Ein Lokalderby versprüht immer seinen eigenen Charme. Nur die Sichtweisen sind bekanntermaßen in der Regel von unterschiedlicher Natur. Dies war auch beim Aufeinandertreffen der beiden Handball-Verbandsliga-Kellerkinder mit dem gastgebenden TuS Lintfort und seinem Kontrahenten TV Kapellen nicht anders. Während das Tabellenschlusslicht aus der Klosterstadt sich als ein aufopferungsvoll kämpfendes Kollektiv präsentierte und sich deshalb verdientermaßen mit einem 34:30 (20:15) belohnte, zeigte die Konkurrenz aus Kapellen – wie schon zuletzt gegen den TV Schwafheim – abermals Auflösungserscheinungen.
Lintfort überzeugt mit Kampfkraft – Kapellen zeigt Auflösungserscheinungen
Die Hausherren mussten dabei erst einmal einen Schock verkraften. Rückraum-Ass Jannik Nederkorn, der bekanntlich ab dem kommenden Sommer das Trikot des TV Kapellen tragen wird, musste ausgerechnet dieses besondere Spiel kurzfristig wegen eines grippalen Infektes absagen. Eine Schwächung? Keineswegs. Lintfort stellte sich der Situation, holte sich Verstärkung mit Patrick Grobelney, Tim Wolf und Yannis Buschmann aus der eigenen „Zweiten“, krempelte gemeinsam als Kollektiv die Ärmel auf. „Wir hatten uns vorgenommen, ruhig und mit Geduld zu spielen“, berichtete TuS-Kapitän Sebastian Küpper: „Dieser Plan ist aufgegangen.“ Seine Jungs haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Defensive „geschlossen“, vom Teamgeist und der Kampfkraft profitiert und somit den harm- und wirkungslosen TVK-Rückraum um Steffen Hericks und Luca Kohn – mit Ausnahme von Daniel Peters – neutralisiert. Hannes Hellwig organisierte die Verteidigung prima, und Torwart Mika Schnerr überzeugte zwischen den Pfosten.

In der Offensive hatten sich der fehlerfrei agierende Rückraumspieler Niklas König sowie Linksaußen Tom Richardt ein Sonderlob verdient. Aber die TuS-Mannschaft konnte auch nur so erfolgreich in Erscheinung treten, weil ein erneut indisponierter Gegner praktisch alles zuließ. „Unsere Einstellung in der Defensive war eine Katastrophe“, so ein enttäuschter TVK-Trainer Martin Gräfen: „Die Spieler haben weder als Verbund, noch in den Zweikämpfen nötiges Engagement gezeigt. Absprachen wurden nicht eingehalten.“ Die Partie verlief dennoch ausgeglichen, ehe Lintfort in der Schlussphase des ersten Durchgangs die Geschicke an sich zog.
TVK-Trainer Martin Gräfen: „Unsere Einstellung in der Defensive war eine Katastrophe“.
Der TuS Lintfort ließ sich nach dem Seitenwechsel nicht mehr vom Erfolgspfad abbringen. Der Wille und die Entschlossenheit waren riesengroß, wichtige Punkte gegen die drohende Relegation einzufahren. Lintfort brachte das Lokalderby sicher über die Bühne, wackelte nicht einmal, als Luis Hellwig nach einem Schlag gegen TVK-Spieler Simon Kentrat die Rote Karte sah. Der TV Kapellen hingegen ergab sich emotionslos in sein Schicksal, hatte am Samstagabend nicht die Mittel, anscheinend aber auch nicht die Lust, etwas an diesem Dilemma zu ändern.

Zu allem Überfluss verletzte sich noch Daniel Feltgen schwer. Der Rechtsaußen knickte in der 50. Minute ohne Fremdeinwirkung bei einem Gegenstoß mit seinem eh schon lädiertem Knie weg. „Ich bin schon stolz auf meine Mannschaft“, lobte Sebastian Küpper nach Spielschluss, während Martin Gräfen den Auftritt seiner Mannschaft knallhart mit diesen Worten zusammenfasste: „Wir haben uns wie ein Absteiger präsentiert.“
TuS: König 11/5, Richardt 8, Hannes Hellwig 4, te Morsche 4, Lasnig 3, Klanten 2, Wolf 1, Grobelny 1.
TVK: Peters 10, Tischer 7, Lenz 4, Feltgen 4, Kohn 2/1, Bullermann 1, Kentrat 1, Hericks 1.
SV Neukirchen verliert mit 19 Toren Differenz
Der SV Neukirchen hatte beim HC TV Rhede beim 20:39 (10:19) nicht den Hauch einer Chance. Zu allem Übel verletzte sich „Shooter“ Luca Böckel (bei 7:9/13. Min.) am Ellenbogen des Wurfarms und konnte nicht mehr weiterspielen. „Wir haben gegen die offensive 3:2:1-Deckung nicht die Tiefe gefunden und haben uns einfach nicht genug bewegt. Die Niederlage ist heftig, wird uns aber nicht aus der Bahn werfen“, betonte SVN-Trainer Björn Baar.
SVN: Kaplanek 5/3, Böckel 5, Bartnik 3, Höschen 2, Casper 2, Andrzejczak 2, Feltgen 1.
Zwei weitere Spiele in der Verbandsliga
TV Schwafheim - TSG Kirchhellen 31:29 (15:15). „Heute hat nicht alles geglänzt“, betonte TVS-Trainer Peter Wiedemann. „Wir haben uns lange Zeit schwer getan, die Partie aber zumindest nach Hause gebracht.“ Jannik Eppert aus der A-Jugend warf zwei Tore.
TVS: Linden 7, Mehlich 6, Wiedemann 5, Hofmeister 4, Weigt 3, Krause 2, Eppert 2, Segerath 1, Geidel 1.
TV Issum – HSG Wesel 23:39 (9:16). „Wesel war heute einfach eine Liga besser als wir“, redet TVI-Trainer Christian Ginters nicht lange um den heißen Brei herum. „Wir hatten weder im Angriff, noch in der Deckung die Mittel, diesen Gegner zu stoppen. Wesel hat sein Tempospiel gnadenlos durchgezogen.“
TVI: Scheffers 4, Leenings 3/1, Schmetter 3, Teuwsen 3, Ernst 2, Höhner 2, Basmer 2, van Stephaudt 1, Cocco 1, Kurzmann 1, Hagmans 1.


