Aulona Nuhajs fünfminütige Kür auf dem Kunstrad besaß den Hauch einer Zäsur. Die 17-jährige Moerserin gab am Sonntagmittag im Enni-Sportpark bei der Deutschen Meisterschaft ihre U19-Abschiedsvorstellung. Dies vor eigenem Publikum. Und mit Klub-Maskottchen Theo, einem großen Plüschlöwen auf dem Stuhl direkt an der Wettkampffläche. „Es war ein wenig mehr Aufregung und Stress als gewöhnlich mit dabei, das muss ich schon zugeben“, erklärte die Moerser Sportlerin des Jahres 2023. Ein unsanfter Abstieg vom Rad fast genau zur Kür-Mitte schmerzte, war aber verkraftbar. In der Endabrechnung war der angestrebte Platz unter den Top 10 mit Rang acht trotzdem geschafft.

GRMSV Moers: Für Aulona Nuhaj geht es in der Eliteklasse weiter

Ob die Bühne in absehbarer Zeit ähnlich groß und stimmungsvoll werden wird für die Gymnasiastin, die an fünf DM-Turnieren für den GRMSV Moers teilgenommen hat? „Ich mache in der Eliteklasse auf jeden Fall weiter“, gibt sich Aulona Nuhaj selbstbewusst. Doch so langsam steigen in der 17-Jährigen die Gedanken hoch, wie es nach der Zeit am Gymnasium Filder Benden weitergehen wird. Vom Kunstradfahren leben, das schaffen tatsächlich nur jene Ausnahmekönner, die auch zahlreiche Show-Events mit Gage einzubinden vermögen.

Deutsche Meisterschaft im Kunstradfahren in Moers
Abschied von der Juniorinnen-DM mit ein bisschen Wehmut: Aulona Nuhaj (rechts) mit ihren Trainerinnen Annika und Alina van Zütphen kurz nach ihrem fünfminütigen Vortrag.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

„Alle Älteren, die ich in meinem Sport kenne, gehen auch einem regulären Job nach. Da muss sich dann natürlich zeigen, wie Sport und Beruf zusammenpassen“, versichert Aulona Nuhaj. Die fasst in zwei Jahren nach Schulende ein mögliches Duales Studium ins Auge. Mit dem Schwerpunkt Finanzen. Die Frage, wo die Kunstradsportlerin sich in fünf Jahren so sieht, ist deshalb nicht leicht zu beantworten. „Ob ich dann noch in Moers bin?“ fragt sie sich durchaus zweifelnd. Und schiebt nach: „Ich könnte mir schon vorstellen, mal für ein paar Monate woanders hinzugehen.“

Aulonas Schwestern Zymrie und Fiona entfachen Leidenschaft für Kunstradsport

Die Leidenschaft fürs Kunstradfahren, vor zwölf Jahren entflammt, wird bleiben. Aulonas Schwestern Zymrie (21) und Fiona (20), die beide nicht mehr aktiv sind, entfachten die Neugier auf anspruchsvolle Körperbeherrschung. Vom Tanzen ging‘s aufs Kunstrad. „Das ist schwieriger und spannender als das Einrad“, versichert Aulona Nuhaj. Die hatte sportlich mit Tanzen angefangen und war bis zur vierten Schulklasse auch begeisterte Schwimmerin.

Deutsche Meisterschaft im Kunstradfahren in Moers
Kurz vor dem DM-Start: Aulona Nuhaj (Mitte) vom GRMSV Moers mit den Trainerinnen Alina van Zütphen (rechts) und Anika van Zütphen sowie Maskottchen Theo.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Viele Übungseinheiten auf dem Parkett der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, eine gute Portion Talent und Ehrgeiz sind Grundvoraussetzung. „Die Lust am Training muss da sein, auch wenn eine Übung fünfzig Mal nicht klappt“, betont Aulona Nuhaj. Die Trainerinnen Anika und Alina van Zütphen sind wichtigen Stützen, brachten ihren Schützling bis zur Deutschen Meisterschaft und zu Trainingseinheiten im Bundeskader.

Aulona Nuhajs großes Vorbild ist Ex-Weltmeister Lukas Kohl

Die Latte für ein Vorbild könnte im Übrigen nicht höher sein. „Lukas Kohl mit seiner Ruhe beim Fahren“, benennt Aulona Nuhaj den siebenmaligen Weltmeister, der im November 2024 seinen Rücktritt erklärt hatte, als Idol. Für einen WM-Titel wird es sicher nicht mehr langen. Doch in ihrem Sport hat Aulona Nuhaj für sich selbst und den GRMSV eine Menge erreicht. Als Moerser Sportlerin des Jahres 2025 ist die 17-Jährige erneut nominiert. 2023 hat Aulona gewonnen, konnte aber wegen eines Wettkampfs nicht zur Ehrung erscheinen. Das soll diesmal anders sein.