Klar, das windige Wetter hätte ein wenig freundlicher sein können. Und sicher wird sich der eine oder andere Starter am zu kurzen Teppich nach dem Ausstieg aus dem 17 Grad Celsius kalten Bettenkamper Meer gestört haben. Die Premiere des Moerser Enni-Triathlons war trotzdem vollends geglückt. Emotionaler Höhepunkt des athletischen Sonntags in den Filder Benden war das Comeback von WM-Starter Sven Wies auf der Kurzdistanz. Im Zieleinlauf vor dem MTV-/GSV-Klubheim flossen, unweit von Bürgermeisterin und Schirmherrin Julia Zupancic und der schwarzen Fahne der Duisburger Laufgruppe „The Anchor Running Crew“ entfernt, die Tränen. Wies (1:41,53 Stunde) wurde noch von Fabian Schubert (Eintracht Frankfurt/1:41,11) knapp geschlagen.
Sven Wies musste vier Monate mit dem Laufen aussetzen
Das Erfolgscomeback des Papas hatte Tim und Ben sichtbar übermannt. Die Söhne des 39-jährigen Profitriathleten, erste innige Gratulanten im königsblauen Zielbogen auf der Tartanbahnkurve, hatten schließlich die Leidenszeit des Duisburgers hautnah miterlebt. Von November bis März hatte ein Bruch des Kreuzbeins im Becken für eine erhebliche Strecke ohne Laufen gesorgt. „Ich war zwei Monate bettlägerig und verlor den inneren Antrieb. Das ist mir noch nie so passiert und hat mir auch Angst gemacht“, erklärte der für den Duisburger SV 98 startende Profi im Ziel. Die Verletzung war vermutlich eine Ermüdungserscheinung. Mit bisweilen fataler Wirkung.

Der „Trainingslauf“ in Moers ließ Wies jedenfalls bis über beide Backen strahlen. Der Mut scheint zurück. Wind, kaltes Wasser, steinige Abschnitte barfuß bis zur Wechselzone? „Das war mir heute alles egal. Und Old School bin ich ja ohnehin, da machen mir ein paar Steinchen unter den Füßen ohnehin nichts aus. Bei meinen ersten Rennen gab es nie einen Teppich“, erklärte der ehemalige Bundesliga-Wasserballer hinterher verschmitzt. Moers war der erste echte Wettbewerb des Jahres. Abgesehen vom Schwimm-Wettkampf Oceanman in Italien vor zwei Wochen.
Theresa Müller schafft WM-Qualifikation
Beim Ironman 70.3 im Kraichgau ist Theresa Müller, frisch gekürte Moerser Sportlerin des Jahres vom MTV, auf Platz drei ihrer Altersklasse (F18-24) gelandet und hat sich somit einen Slots für die Triathlon-Weltmeisterschaft im 70.3 im September in Nizza gesichert. Nach einem starken Schwimmen (29:24 Minuten) kam die Moerserin im Kraichgau als dritte Frau ihrer Altersklasse aus dem Wasser. Auf dem Rad arbeitete sie sich auf Platz zwei vor. Im Halbmarathon lief Theresa Müller zwischenzeitlich sogar auf Rang eins. Temperaturen von bis zu 30 Grad Celsius, eine hohe Luftfeuchtigkeit und die Tatsache, dass die Verpflegung ihr Probleme bereitete, machten es Müller schwer. Die 21,1 Kilometer lief sie in 1:37:11 Stunde, das Rennen schloss sie nach 4:51:37 Stunden als Dritte ab.
Die große Herausforderung wartet auf Sven Wies am 7. November: Dann ist der Hawaii-Starter beim Iron Man von Panama City in Florida gemeldet. „Vielleicht kann ich da ja meine Bestmarke knacken“, so Wies. Die steht aktuell bei 8:12 Stunden für 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und den Marathonlauf

Eine gute Stunde langsamer auf der Königsdistanz des Ausdauersports ist Bastian Siemes. Der Triathlet von Rot-Weiß Oberhausen und Viertplatzierte von Moers am Sonntag hat sich den Iron Man erst für 2027 auf die Fahne geschrieben. „Da will ich unter neun Stunden bleiben und die Qualifikation für Hawaii schaffen“, so der 39-Jährige. Mit RWO will er in diesem Jahr im Team in die 2. Bundesliga aufsteigen. Und bei der Deutschen Duathlon-Meisterschaft in Würselen ein gutes Ergebnis erzielen.
RWO-Triathlet wird in Moers Zweiter: Ich bin eine Frostbeule
Die Moers-Premiere? Bleibt ihm in guter Erinnerung. „Die Radstrecke und vier Laufrunden mit Publikum waren richtig cool. Ich mag auch Wind, bin aber eine Frostbeule. Deshalb war das Wasser für mich etwas frisch. Eigentlich wollte ich Sven Wies im Laufen noch einholen. Am Ende haben nur 28 Sekunden gefehlt“, zählte Bastian Siemes auf. Bei den Frauen siegte die Essenerin Kristin Kollenberg in 1:57,43 Stunde.

Dass vom emsigen Moerser TV niemand auf die Strecke ging, lag natürlich an der Helfer-Problematik. Alle mussten ran. Ludger Kölven etwa, 70.3-Starter bei der Triathlon-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Marbella/Spanien, half am Zugang zur Wechselzone, die auf dem Parkplatz direkt am Klubhaus eingezäunt und wohlgeordnet platziert war. Mehr als hundert Helferinnen und Helfer vor allem aus den Reihen der MTV-Triathleten sorgten im Zielbereich und auf der Strecke für einen reibungslosen Ablauf.
Moerser TV: Teppich bis zur Wechselzone ist hundert Meter zu kurz
Das konnte auch Renndirektor Markus Drymalla für seine Crew verbuchen. Es waren recht viele Zuschauer am Bettenkamper Meer und auf der MTV-/GSV-Anlage dabei. „Gut, dass es nur windig war und es nicht geregnet hat“, so Drymalla mit Blick auf eine Unmenge an Organisationsstunden, die dann wohl ohne sichtbaren Lohn geblieben wären. Die eingangs erwähnte Teppichpanne war ärgerlich. „Leider war der Teppich rund hundert Meter zu kurz geliefert worden“, erklärte Drymalla. Einige Starter hatte am Schwimmausstieg entsprechend Badeschuhe platziert. Die meisten bissen auf dem letzten Stück bis zum bereitstehenden Rad auf die Zähne. Oder nutzten ein kleines Wiesenstück.

Lob bekam der MTV aus berufenem Munde. Bürgmeisterin Julia Zupancic, die mit dem Fahrrad zum Bettenkamper Meer und auf die Platzanlage gekommen war, lobte den MTV: „Hut ab vor dem Organisationsteam. Das ist hier eine tolle Veranstaltung.“ Klubchef Andreas Bögner hielt gemeinsam mit seinem Stellvertreter Kato Kambartel das Geschehen im Bild fest. „Die Lorbeeren für den Sonntag holen sich heute andere ab. Ich habe im Vorfeld nur ein paar nötige Unterschriften geleistet“, erklärte der Vorsitzende des Stadtsportverbandes bescheiden.


