An seinen ersten Besuch auf der großen Reitanlage in der Aachener Sörs erinnert sich Bela Lehnen noch ganz genau: „Das war 2015 mit der Europameisterschaft. Und ich war echt beeindruckt.“ Der damals zehnjährige Moerser sah bei der EM dem späteren Sieger Jannis Drewell im Voltigieren zu. Der heute 35-Jährige war erstes Vorbild für die Akrobatik auf dem Pferderücken, setzte sich später auch für die Förderung von Jungs im von Mädchen und Frauen dominierten Voltigiersport ein und ist heute bei der Bundeswehr in Warendorf der Vorgesetzte von Sportsoldat Bela Lehnen.

Bela Lehnen startet bei der WM im Einzel und mit seiner Mannschaft

Lehnen wiederum arbeitet derzeit intensiv auf seinen nächsten Besuch in Aachen hin. Sechs Tage pro Woche jeweils mit drei bis sechs Stunden Training. Mitte August steigt in der Sörs die Weltmeisterschaft der Reitsportler. Voltigieren ist neben Springen, Dressur, Vielseitigkeit, Para-Dressur und Fahren ein Bestandteil des großen WM-Programms. Wie schon im Vorjahr wird Bela Lehnen diesmal nicht als Zuschauer vor Ort sein, sondern aktiv ins Geschehen eingreifen. Bundestrainer Kai Vorberg hatte sich nach einem Sichtungsturnier in Warendorf unter anderem für den Moerser und sein Team NORKA Automation des Voltigiervereins Köln-Dünnwald entschieden.

Bela Lehnen
Der Moerser Voltigierer Bela Lehnen geht für Deutschland bei der Weltmeisterschaft in Aachen an den Start.© Jürgen Rengel | Jürgen Rengel.

Die Favoritenrolle mag der 21-Jährige, der erstmals in der Seniorenklasse starten wird, allerdings nicht annehmen. Trotz seines umjubelten Vorjahressieges beim CHIO. „Das Feld wird mit rund zwanzig Voltigierern besetzt sein. Zehn davon sind Weltklasse. Ein kleiner Fehler, und schon wird es nichts mit einer Medaille“, hebt Bela Lehnen hervor. Der kann eine ganze Reihe an Erfolgen aus dem Juniorenbereich vorweisen: einmal Weltmeister mit dem Team 2019, zweimal Vizeweltmeister, fünfmal Europameister. Dazwischen lag das Verletzungsjahr 2024, als ein Kreuzbandriss den Moerser komplett ausgebremst hatte.

WM mit der Mannschaft: Hauptkonkurrent scheint Frankreich zu werden

Gestartet wird für die WM-Voltigierer vom 13. bis 16. August im Stadion 3 des Allianz Parks in Aachen. Rund 7000 Zuschauer finden hier Platz. Die Pflichtübungen, ein Technik-Durchgang und die Kür gilt es an drei verschiedenen Tagen zu bewältigen. Auf Bela Lehnen wartet dazu die gewohnte Doppelbelastung. Für die Mannschaft muss er auch ran. „Mit dem Team haben wir gute Medaillenchancen. Frankreich wird der Hauptkonkurrent sein. Österreich, die Schweiz oder auch Italien sind ebenfalls stark einzuschätzen“, so Lehnen.

Bela Lehnen bei der Arbeit
Für den Moerser Voltigierer Bela Lehnen ist natürlich auch die Balance auf dem Pferderücken eine wichtige Komponente.© Martin Lehnen | Martin Lehnen

Die erwartbar große Kulisse mit möglicherweise ausverkauften Tribünen wird der Moerser im Wettkampf ausblenden: „Das schaffe ich in der Regel gut und bleibe in der Übung stets bei mir. Ich will schließlich immer eine Leistung bringen, die mich zufrieden stellt. Die Atmosphäre kann ich hinterher immer noch genießen.“

Der Vorlauf zur WM verlief übrigens nicht optimal. Zweimal wechselte Bela Lehnen das Pferd. Erst vom Familienvierbeiner Formel 1 zu Ecuador. Dann ging es verletzungsbedingt zu Max mit Sarah Krauss an der Lounge. Das Zusammenspiel wird hier nach diversen Trainingseinheiten immer besser. Das Kölner Team wird sich bei der Weltmeisterschaft auf Ecuador mit der etablierten Longenführerin Alexandra Knauf präsentieren.

Das Feld wird mit rund zwanzig Voltigierern besetzt sein. Zehn davon sind Weltklasse. Ein kleiner Fehler, und schon wird es nichts mit einer Medaille.

Bela Lehnen, CHIO-Sieger aus dem vergangenen Jahr im Voltigieren

Drei Tage vor dem WM-Auftakt geht es für die Aktiven nach Aachen. „Die Pferde brauchen immer ein wenig Zeit, um am Ort auch angekommen zu sein und sich mit den Gegebenheiten zurechtzufinden“, berichtet Bela Lehnen. Nach einem obligatorischen Pferdecheck gibt es mittwochs vor dem ersten Wettkampftag noch ein Training in der Arena. Das Einzelprogramm der Herren ist für mittags und nachmittags angesetzt. „Das ist für mich besser als morgens. Da müsste ich dann doch sehr zeitig aufstehen, um in den Wettkampfmodus zu kommen“, betont Bela Lehnen.

Als Glücksbringer kommt auch die Familie mit zur Weltmeisterschaft

Als Glücksbringer für die Weltreiterspieler wird er in Aachen seine Familie dabei haben. „Auch meine Großeltern werden wieder zuschauen. Mein Opa hat mich früher in ganz jungen Jahren zum Training nach Neuss gefahren und dann vor Ort stundenlang zugeschaut“, hebt Bela Lehnen hervor. Ein Start bei einer Weltmeisterschaft ist für den immer noch beträchtlichen Aufwand ein schöner Erfolg. Das weiß Bela Lehnen, der Sportsoldat: „Es ist ein großes Privileg, dass ich mich nun bei der Bundeswehr vorwiegend mit meinem Sport intensiv beschäftigen kann.“

Übrigens: Mit der WM ist die Saison noch nicht zu Ende. Am ersten September-Wochenende steigen in Münster die Deutschen Meisterschaften. Auch da will Bela Lehnen sein Können auf dem Pferderücken wieder zeigen.