In der Halbzeit lief über die Lautsprecher der Krefelder Grotenburg der musikalische Fußball-Superklassiker. „You‘ll Never Walk Alone“ begleitete die Oberliga-Kicker des SV Scherpenberg in die Umkleide. Der Neuling hatte da bereits einen 1:3-Rückstand beim ehemaligen Bundesligisten KFC Uerdingen zu verdauen. Die tröstende Pophymne von Gerry & The Pacemakers aus dem Jahre 1963 konnte den Schützlingen von Trainer Sven Schützek bei einem offensiv schlicht zu starken Gastgeber letztlich keine Flügel mehr verleihen. Scherpenberg quittierte mit einem saftigen 1:6 (1:3) die erste Saisonniederlage im vierten Spiel. Offiziell sahen 1539 Zuschauer zu.
Ex-Uerdinger Marcel Kretschmer trifft für den SV Scherpenberg
„Bloß nicht von den Umständen nervös machen lassen! Es ist nur Oberliga-Fußball. Auch auf der Gegenseite.“ So hatte es Coach Schützek eine halbe Stunde vor dem Anpfiff hoffnungsfroh noch propagiert. Und seine Mannen kamen auch blendend ins Match. Der Ex-Uerdinger Marcel Kretschmer nutzte schon in der fünften Minute eine Unpässlichkeit in der wahrlich nicht sattelfesten Abwehrkette des KFC aus kurzer Distanz zum 1:0 aus.

Doch Scherpenberg sollte nur zwölf Minuten an der großen Überraschung schnuppern. Uerdingen entfachte mächtig Druck. Dem war die Moerser Defensive nicht lange gewachsen. Zweimal wusste Keeper Kenan Mehmedovic zu retten, dann war der Ausgleich fällig. Jan Bachmann nutzte seinen Freiraum und zielte aus 18 Metern ungehindert in den rechten Torwinkel (17.). Drei Minuten später köpfte Dave Fotso einen Freistoß von Luca Thissen in die rechte Ecke. Haltbar? Mehmedovic kam mindestens mal etwas zu spät mit der Faust zur Kugel.
Für den SV Scherpenberg hat Gabriel Derikx das 2:2 auf dem Schuh
Danach schien sich das Geschehen etwas zu beruhigen. Scherpenberg bekam die Ballhoheit und hatte sogar durch Gabriel Derikx im KFC-Strafraum eine exzellente Ausgleichschance. Doch der Linksaußen traf den Ball nicht richtig. Ein Uerdinger Konter wurde dann vier Minuten vor der Pause zum Stimmungskiller. Die Scherpenberger wirkten beim Schnellangriff zu langsam, Daiki Kamo nutzte einen Flachpass souverän zum 3:1. Glück: Wladimir Wagners vermeintliches 4:1 (45.) zählte wegen Abseits nicht.

Das vierte Gegentor ließ in der zweiten Halbzeit aber nicht lange auf sich warten. Nur sieben Minuten, um genau zu sein. KFC-Kapitän Ole Päffgen köpfte die fünfte Uerdinger Ecke des Ex-Hombergers Luca Thissen ziemlich unbedrängt zur Entscheidung in die Maschen. Dann jubelten die Zuschauer über ein Hackentor von Wladimir Wagner zum 5:1 (56.), nachdem Scherpenbergs Linksverteidiger Frederik Moers fahrlässig im Zweikampf auf Abstoß spekuliert. Das 1:6 (62.), wieder durch Wagner, war von Keeper Mehmedovic verschuldet, der den ansprintenden Torschützen bei einem Abschlag am Bein traf.
Beim SV Scherpenberg überzeugen Marcel Kretschmer und Robin Fuhrmann
Weitere Chancen ließ Uerdingen hiernach liefen und ließ das in der zweiten Halbzeit ungleiche Kräftemessen austrudeln. Beim SV Scherpenberg wussten vor allem die einsatzfreudigen Marcel Kretschmer und Robin Fuhrmann in der Offensive zu überzeugen. Gegen den Ball und einige schnell vorgetragene Angriffe der Gastgeber hatte das Schützek-Team allerdings arge Probleme. Eine Baustelle, die sich auch in den ersten drei Oberligaspielen schon phasenweise aufgetan, aber im Ergebnis keine negativen Auswirkungen nach sich gezogen hatte.
„In der ersten Halbzeit haben wir ein wirklich ordentliches Spiel gemacht. Aber mit drei individuellen Fehlern kann man in der Grotenburg am Ende nicht bestehen. Das 1:6 geht in Ordnung, wird uns aber auch nicht umwerfen. Dazu hat der eine oder andere Spieler sicher auch etwas gelernt“, resümierte Trainer Sven Schützek den Fußball-Freitag.
SV Scherpenberg: Mehmedovic - Meurs (57. Kanaan), Saiti, Becker, Kapuscinski - Karaca (61. Redam), Werner - Derikx (57. Molango), Fuhrmann (70. Jemaiel), Kretschmer - Ba. Arslanboga (79. Gatner).


