Derbysieg und rote Asche: Viel passender und würdiger hätte das 300-Spiele-Jubiläum für Tim Laakmann kaum laufen können. Der Langzeit-Cheftrainer des Fußball-B-Kreisligisten TV Kapellen landete am Jostenhof bei Schlusslicht Rot-Weiß Moers mit dem satten 9:0 (3:0) seinen 152. Sieg bei 104 Niederlagen. Die sportliche Statistik ist allerdings eng verknüpft mit Tugenden, die im Amateursport nicht alltäglich sind.
Schon seit der Saison 2012/13 als Trainer in Kapellen aktiv
In der Saison 2012/13 übernahm Laakmann als damaliger Spieler und Kapitän des einstigen FSV Kapellen, der im Juli 2013 in die neue Fußballabteilung des TVK überwechselte, den Trainerjob. „Das war der Lauf der Dinge. Mein Vater war ja auch schon als Trainer aktiv. Und der FSV litt damals unter akutem Personalmangel. Der Schritt hin zum TV Kapellen war alternativlos“, erinnert sich Tim Laakmann, der in der Jugend für den ebenfalls nicht mehr existenten TuS Preußen Vluyn kickte. Der heute 41-Jährige steht nach so vielen Jahren als Coach der Blau-Weißen wahrlich für Kontinuität, Zusammenhalt und eine tiefe Verbundenheit mit seinem Verein. „Das ist bei uns im Dorf etwas wert“, sagt Laakmann mit Blick auf den Moerser Ortsteil zufrieden.

Die runde Spielezahl 300 mache ihn durchaus stolz. Doch ein Ziel hat er bislang mit seinem Team nicht erreichen können: den erstmaligen Aufstieg in die Kreisliga A. 2019 war der TVK ganz nah dran. Beim VfB Homberg III führten die Kapellener am finalen Spieltag schon mit 3:0. Ein Sieg hätte zum A-Liga-Sprung gereicht, ein Unentschieden zur Relegation. Am Ende verloren die Gäste auf dem Kunstrasen am Rheindeich nach einer kopflosen Schlussphase noch mit 3:4. „Das eigen verschuldete Trauma verfolgt uns bis heute noch ein wenig“, gesteht Tim Laakmann.
TV Kapellen: Wechsel von roter Asche auf grünen Kunstrasen
Seine kurze Auszeit von 2022 bis zum Januar 2024 war vor allem familien- und umzugsbedingt, ehe der Coach doch wieder an die Linie zurückkehrte. Nach vielen Jahren auf der Asche spielen die Kapellener seit wenigen Wochen auch auf künstlichem Grün. Wovon die neue zweite Mannschaft, aber auch der Nachwuchs profitiert. Der angenehmere Untergrund hat aber auch seine Tücken. „Es passieren schnell Verletzungen“, weiß Coach Laakmann aus schmerzlicher Erfahrung. Torjäger Baris Dügencioglu zog sich vor drei Wochen auf dem stumpfen Geläuf einen Kreuzbandriss zu und fällt für den Rest der Saison aus.

Ob dies die Kapellener Aufstiegschancen in einer sehr ausgeglichenen und spannenden Kreisliga B dadurch schmälern, wird sich zeigen. Die junge Truppe, die respektable 100 Zuschauer im Schnitt zieht, ist auf Tuchfühlung zur Spitzengruppe. Maximal vier Teams steigen auf. „Acht bis neun Mannschaften haben Ambitionen“, glaubt Tim Laakmann, der in den beiden Rumelner Teams FCR und RTV und auch im Aufsteiger TV Kaldenhausen die Nachbarduelle mit leichter Brisanz sieht. In Kaldenhausen hatten seine Mannen trainiert während des Umbaus der Platzanlage.
Trainer ist Anhänger von Borussia Dortmund
Als Anhänger von Borussia Dortmund hat Tim Laakmann übrigens BVB-Legende und Bundestrainer Jürgen Klopp zum Vorbild: „Seine Lockerheit bei allem Fußballwissen und auch Druck hat mir immer imponiert.“ Großer Respekt geht zudem an die Arbeit von Christian Streich, der den einstigen Zweitliga-Dauerbrenner SC Freiburg in der Bundesliga von 2012 bis 2024 mehr als etabliert hat. Rechnet man Laakmanns TVK-Pause heraus, dann hat er mit Streich zumindest die Cheftrainerdauer für einen Verein gemeinsam: zwölf Jahre.


