Der TuS Lintfort war ganz nah dran. So nah, wie schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr. Einsatz, Kampf und Laufbereitschaft erwiesen sich als stark ausgeprägte Trumpfkarten, weshalb dann die vermeidbare jüngste 26:27-Heimniederlage gegen die SG Kirchhof auch in hohem Maße schmerzt. Die Zweitliga-Handballerinnen um Trainerin Bettina Grenz-Klein bekämpften sich mit der Konkurrenz aus Hessen über die komplette Spielzeit auf Augenhöhe, waren letztendlich nur einen Wimpernschlag vom ersten Punktgewinn der Saison 2026/27 entfernt.
TuS Lintfort war nur einen Wimpernschlag vom ersten Punktgewinn entfernt
Der TuS Lintfort kommt hoffentlich gestärkt aus der kurzen handballfreien Zeit zurück – der Ligabetrieb ruhte vergangenes Wochenende bekanntlich wegen zweier Spiele der Nationalmannschaft –, hat den Stachel der Enttäuschung gezogen, die Fehler analysiert und die Konzentration wieder hochgefahren. Denn, die Aufgaben werden nicht einfacher. Auf den TuS Lintfort wartet bereits das nächste richtungweisende Kellerduell.

Es geht zum SV Todesfelde. Der Aufsteiger aus dem Norden Deutschlands ist das einzige „neue Gesicht“ in der 2. Frauen-Bundesliga. Für den TuS Lintfort ist diese Partie daher in vielerlei Hinsicht – Anreise, Halle, Gegner – auch ein Trip ins Ungewisse. Die Gäste vom linken Niederrhein müssen am kommenden Samstag zur späten Anwurfzeit von 20 Uhr von Begin an hellwach und fokussiert agieren, um nicht eine böse „Halloween-Überraschung“ zu erleben. Diese Begegnung wird übrigens nicht in Todesfelde ausgetragen, sondern in der Ludwig-Jahn-Halle im gut 50 Kilometer entfernten in Bad Schwartau – ein Katzensprung entfernt von der Ostsee. Mia Hinz, die erst kürzlich bei der U16-Weltmeisterschaft in Marokko den Titel feierte, ist in Todesfelde nicht mit dabei. Die Linksaußen ist in der B-Jugend Bundesliga mit der Turnerschaft St. Tönis gefordert.
Wir haben eine realistische Chance in Todesfelde zu punkten, müssen es aber unbedingt vermeiden, frühzeitig in Rückstand zu geraten. Eine Aufholjagd kostet einfach zu viele Körner.
Bettina Grenz-Klein, Cheftrainerin des Handball-Zweitligisten TuS Lintfort
Weltmeisterin Mia Hinz spielt am Wochenende in der B-Jugend-Bundesliga
Die Gastgeberinnen (1:11 Punkte) haben in sämtlichen Spielen den rauen und für sie ungewohnten Bundesliga-Gegenwind zu spüren bekommen. Die Euphorie nach dem Aufstieg ist sicherlich ein absolutes Trumpf-Ass, aber noch lange kein Punktegarant. Gleichwohl: Todesfelde kann sich insbesondere auf die Unterstützung seiner Fans gewiss sein. Das letzte Heimspiel gegen Solingen-Gräfrath war mit knapp 600 Zuschauern restlos ausverkauft. Der Aufsteiger hat seine Stärken überwiegend in der Offensive. Franziska Haupt ist mit 50 Toren die aktuell beste Torjägerin der 2. Bundesliga.

Bettina Grenz-Klein weiß die immense Bedeutung dieses Spiels gut einzuordnen. „Auf uns wartet nicht nur wegen der langen Anfahrt eine ganz harte Nuss. Aber wir sind dennoch zuversichtlich, müssen die Geschicke allerdings selbst in die Hand nehmen. Und damit meine ich, dass meine Mannschaft von Beginn ihre Gegenspielerinnen anpackt, somit eine gewisse Präsenz aufbaut und Druck ausübt. Fakt ist: Wir haben eine realistische Chance in Todesfelde zu punkten, müssen es aber unbedingt vermeiden, frühzeitig in Rückstand zu geraten. Eine Aufholjagd kostet einfach zu viele Körner.“
Bettina Grenz-Klein: „Wir haben eine realistische Chance in Todesfelde zu punkten“
Auch wenn gegen Kirchhof nichts Zählbares heraussprang. Es war bei weitem nicht alles schlecht. Im Gegenteil. Die Abwehrarbeit wurde über weite Phasen des Spiels ordentlich organisiert, mit einer überragenden Torhüterin Senanur Gün in der Hinterhand. Im Angriff war die Verantwortung auf viele Schultern verteilt. Insa Weisz, Luisa Bauder, Jule Bachen und nicht zuletzt Eva Manthei präsentierten sich top-motiviert und torhungrig. Lintfort muss am Samstag aber weiter am Tempo „schrauben“. Das gilt für die Laufbereitschaft, aber besonders auch für die Passgeschwindigkeit.
Neben der fehlenden Mia Hinz ist einzig der Einsatz von Tine Hinz fraglich. Die wurfgewaltige Linkshänderin aus dem rechten Rückraum ist momentan stark „grippal“ angeschlagen.


