Zweiter Kampf, erster Gürtel. Abass Baraou errang in Hannover den Deutschen Meistertitel im Superweltergewicht. Gegen den vorherigen Titelträger Denis Krieger zeigte er über die vollen zehn Runden einen blitzsauberen Kampf, avanciert nun auch bei den Profis zum Publikumsliebling und beendete – mit großer Mithilfe seines Kontrahenten – Kriegers Karriere.

„Ich hätte selbst nicht gedacht, dass die zehn Runden so gut laufen würden“, lacht Baraou. Nachdem Baraous erster Profi-Kampf in der vierten Runde durch technischen K.o. beendet wurde, war die volle Distanz jetzt Neuland für den Herausforderer. „Ich hatte wirklich viel Spaß im Kampf und es kam mir auch gar nicht so lange vor.“ Hatte Krieger zu Beginn noch etwas entgegenzusetzen, („getroffen hat der mich im ganzen Kampf nicht richtig“), war früh klar, dass Baraou den Kampf bestimmen würde. Er war fitter und schneller, hatte den besseren Plan und insbesondere auch die kühlere Vorgehensweise. Ein verschmitztes Lächeln hier, eine kleine Geste dort – Baraou kam in Kriegers Kopf. Der Titelverteidiger ließ sich vom Oberhausener Express so einfach provozieren, dass sich Baraou weniger Gedanken um seinen Gegner machen musste, als einfach seinen Plan durchzusetzen. „Ich sollte meine Reichweite gut ausnutzen und ihn auspowern. Der Trainer war zufrieden. Er meinte: Sowas habe er lange nicht gesehen.“

Baraou belehrt Kritiker eines Besseren

Das begeisterte dann nicht nur den aus Oberhausen mitgereisten Fanclub, sondern auch das neutrale Publikum. Baraou wurde gefeiert und angefeuert, Krieger sah langsam seine Felle davon schwimmen. „Viele Kritiker meinten, das sei zu früh“, freut sich Baraou, die eines Besseren belehrt zu haben.

Baraou setzte weitere Treffer und spätestens mit seiner schönen Kombination in Runde acht bestand am Ausgang des Kampfes kein Zweifel mehr. Das sah wohl auch Krieger ein, verweigerte erst das Abklatschen und sorgte nach einem kurzen Rempler mit der Schulter nach dem Gong für den ersten Eklat. Krieger spuckte dem bereits zum Jubeln abgedrehten Baraou hinterher. „Ich habe das nicht mitbekommen und das ist auch besser so“, kann Baraou nur den Kopf schütteln.

Heimaturlaub in Oberhausen

Er wurde bei der Siegerehrung bejubelt, sein Gegenüber hatte da immer noch nicht genug. Im Interview beleidigte er Baraou mehrfach, wollte sich vor der Halle prügeln und legte sich auch mit den Zuschauern an, die seinen Ausbruch mit einem gellenden Pfeifkonzert quittierten. „Er hat zehn Runden von mir auf den Kopf bekommen“, kann sich der neue Champion einen letzten Seitenhieb nicht verkneifen.

Während Krieger zukünftig den Ring wohl nur noch von außen betrachten wird, lässt Baraou es zumindest den Juli über entspannt angehen. Jetzt sind erst einmal zwei Monate Heimaturlaub in Oberhausen angesagt, dann ein paar private Angelegenheiten in Berlin. Im Juli soll es in den Urlaub gehen. „Ich möchte was von der Welt sehen. Vielleicht fliegen Albon [Pervizaj] und ich in die USA.“ Ein bisschen die Füße hochlegen, die Eindrücke erst einmal sacken lassen, denn einen Titel im zweiten Profikampf haben sie selbst im renommierten Sauerland-Stall noch nicht gesehen.