Nachruf

Der Oberhausener Fußball trauert um Lothar Kobluhn

Lothar Kobluhn (3. v. l.) freut sich am 3. März 1974 über sein 1:0 gegen die SG Wattenscheid.

Lothar Kobluhn (3. v. l.) freut sich am 3. März 1974 über sein 1:0 gegen die SG Wattenscheid.

Foto: imago

Oberhausen.   Der ehemalige RWO-Spieler und Bundesliga-Torschützenkönig Lothar Kobluhn ist im Alter von 75 Jahren verstorben. Ein Nachruf.

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Wie die Familie am Wochenende mitteilte, ist bereits am 21. Januar Lothar Kobluhn im Alter von 75 Jahren verstorben. Der frühere Spieler des SC Rot-Weiß litt seit dem letzten Sommer unter Herzbeschwerden, die unter anderem zu zwei Bypässen geführt hatten. Alte Weggefährten waren schockiert von der Todesnachricht, zumal er sich noch in den ersten Januar-Wochen besser gefühlt haben soll.

Werner Ohm, der in den Jahren vor dem Bundesliga-Aufstieg 1969 und die vier Oberhausener Bundesligajahre neben „Lo“ spielte, erinnert sich im Gespräch mit dieser Zeitung: „Der Lothar war ein toller Typ, er hat uns mitgerissen, war ein unwahrscheinlicher Kämpfer und der eigentliche Kapitän. Gut, er war nicht besonders schnell, aber seine Vorstöße waren brandgefährlich, und wir haben dann gerne für ihn nach hinten abgesichert. Schließlich hat er für uns so viele Tore geschossen.“

94 Tore als Außenläufer

Es waren 94 Tore, die der „Außenläufer“, wie defensive Mittelfeldspieler früher hießen, für RWO in 317 Spielen markierte – viele davon per Kopf, denn gerade in der Luft entwickelte der jüngere der beiden Kobluhn-Brüder (Bruder Friedhelm hatte am gleichen Tag, 12. April, Geburtstag, war aber sieben Jahre älter) große Qualität als Abwehr- und Angriffsspieler.

Anders als „Baba“ Kobluhn, der ein „treuer Schluffen“ war, hatte Lothar ein mitunter aufbrausendes Naturell. „Ja, der konnte die Klappe aufmachen und ein Bollerkopp sein“, meint Werner Ohm, sagt aber sofort auch: „Er war als Mannschaftskamerad ein Pfundstyp, nicht egoistisch oder arrogant.“

Im Zorn zum BV Osterfeld

Als zorniger junger Mann hatte „Lo“ zur Saison 1962/63 die Kleeblätter verlassen, weil man ihm nicht gleich nach der Jugend einen Stammplatz in der „Ersten“ geben wollte. Beim Niederrheinligisten BV Osterfeld machte er als Mittelläufer so überragende Spiele, dass RWO-Präsident Peter Maaßen ihn zurückholte – danach war „Kobluhn II“ nicht mehr aus der Stammformation wegzudenken.

In der Bundesligasaison 1970/71 erzielte Lothar Kobluhn 24 Tore, war damit Torschützenkönig und unterbrach sensationell die Serie von „Bomber“ Gerd Müller, die in den Spielzeiten davor und danach fünf „Kanonen“ kassierte, die das Fußball-Fachball „Kicker“ traditionell verleiht. Übrigens ist er bis heute der einzige Defensivspieler, der Torschützenkönig wurde.

Die Kanone kommt erst viele Jahre später

Dem Oberhausener wollte das Magazin die Trophäe nicht geben, denn die Saison 70/71 war die „Skandalsaison“, und erst zu seinem 65. Geburtstag, am 12. April 2008, erschien der Leiter der Kicker-Regionalredaktion West, Frank Lußem, in Oberhausen und überreichte „Lo“ in den Räumen der NRZ-Sportredaktion die Torjägerkanone.

Diese hatte einen Ehrenplatz in Kobluhns Wohnung an der Beethovenstraße in Sterkrade. Gern zeigte er sie und erzählte er von seinen Toren und gern auch von seinen letzten aktiven Jahren, die er von 1974 bis 1976 bei der SG Wattenscheid 09 verbrachte.

Auf das Jubiläum gefreut

Mit Wattenscheids Boss Klaus Steilmann verband ihn eine gute Freundschaft, und mit Steilmann und den Alten Herren der SG 09 ging er auch noch auf Südamerika-Tournee, die in einem Spiel im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro gipfelte. „Bedingung war nur“, lachte Lothar herzlich, „dass der Boss mit auf dem Platz war und ein Tor schießen musste. Aber das haben wir hingekriegt.“

Nicht mehr hingekriegt hat der „Lo“ nun seinen letzten Kampf, den aber alle verlieren. Der SC Rot-Weiß sagt, er wolle ihn „in stolzer Erinnerung behalten“. In den letzten Jahren hatte Kobluhn seinen Frieden mit RWO gemacht, kam auch manchmal wieder ins Stadion Niederrhein. Gefreut hatte er sich schon auf die geplante Feier zum 50-Jahr-Jubiläum des Aufstiegs. Man wird ihn dabei vermissen. Wer ihn je als Spieler gesehen hat, wird ihn nicht vergessen.

Die Sportredaktion dieser Zeitung hatte Lothar Kobluhn kurz vor seinem 75. Geburtstag am 11. April 2018 zu Hause besucht.

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