Und täglich grüßt der Insolvenzverwalter. Mittlerweile ließe sich fast darüber lachen, was in der West-Staffel der Fußball-Regionalliga abgeht, wenn es denn nicht so traurig wäre. Erst Türkspor Dortmund, jetzt womöglich der KFC Uerdingen und der 1. FC Düren: Ein Verein nach dem nächsten ist den Anforderungen in der vierthöchsten Spielklasse nicht gewachsen. Aus rein sportlicher Sicht kann der MSV Duisburg den Vorgängen halbwegs entspannt zuschauen, weil sich die tabellarischen Konsequenzen durch das imposante Punktepolster der Zebras in engen Grenzen halten. Unberührt zur Kenntnis nehmen lässt sich das Schicksal der Konkurrenten aber nicht.

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Zur Erinnerung: Mitte November machten in Duisburg auch auf einmal ungern gehörte Begriffe wie „Liquiditätslücke“ und „Zahlungsunfähigkeit“ die Runde. MSV-Geschäftsführer Michael Preetz erklärte, die Liquidität sei „bis Jahresende sichergestellt“, was in diesem Fall eben keine sehr lange Perspektive war. Erst nach einer Geberrunde mit Stadt und Sponsoren konnte aufgeatmet werden. Klar ist aber auch: In der Regionalliga hätte der MSV nicht einmal kurzfristig eine Zukunft. Kaum attraktive Gegner, keine Fernsehgelder – und auf Dauer machen auch die treuesten Fans nicht mehr mit.

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Wie muss es dann erst Vereinen gehen, die nicht über so eine breite Basis verfügen? Da ist die Möglichkeit einer drohenden Zahlungsunfähigkeit fast schon gleichbedeutend mit deren Verkündung. Die Regionalliga West ist in den vergangenen Jahren von einer Vorzeigespielklasse zu Massenware verkommen, was auch eine Art von „Fluch der guten Tat“ darstellt. Seit das stark kritisierte „Nadelöhr“ in Richtung 3. Liga so geweitet wurde, dass der West-Meister stets einen sicheren Aufstiegsplatz einnimmt, haben sich mit Rot-Weiss Essen, Preußen Münster und Alemannia Aachen drei unbestreitbare Zugpferde nach oben verabschiedet. Ohne den MSV-Abstieg gäbe es überhaupt keinen Zuschauermagneten mehr, der den anderen Klubs einmal im Jahr zuverlässig die Kasse füllt. Das schafft Rot-Weiß Oberhausen nicht, der Wuppertaler SV nicht, der 1. FC Bocholt nicht und der Rest sowieso nicht.

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Für diese immer weniger werdenden Highlights müssen die Klubs aber trotzdem hohe Standards einhalten, wie es der Westdeutsche Fußballverband von ihnen verlangt. In Düren beispielsweise wurde vor allem der Bereich für die Gästefans in der Westkampfbahn einem Umbau unterzogen. Sollte es dort in der kommenden Saison noch viertklassigen Sport geben, könnte der 1. FC nach aktueller Entwicklung bis zu sieben zweite Mannschaften von Profiklubs begrüßen, deren Anhang meist im unteren zweistelligen Bereich zu beziffern ist. (Oder mal gleich Null beträgt, wie es beim Gastspiel der Paderborner U23 in Duisburg der Fall war.)

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Vor diesem Hintergrund ist es mehr als nur nachvollziehbar, dass Vereine, die rein sportlich für die Regionalliga in Betracht kämen, sich dreimal überlegen, ob sie dieses Wagnis eingehen. Der VfB Homberg hat dort schon drei Jahre hinter sich gebracht, die der Klub nur durch sein seriöses Wirtschaften heil überstanden hat. Angesichts des momentanen Aufschwungs beim Oberligisten sollen die Unterlagen für die Zulassung zwar auf jeden Fall eingereicht werden, doch ob bei sportlicher Qualifikation wirklich davon Gebrauch gemacht würde, steht auf einem anderen Blatt. Da beginnt sich dann wirklich die Sinnfrage dieser Spielklasse zu stellen, wenn ein Verein auf den sportlichen Erfolg zu Gunsten des reinen Überlebens verzichten muss.

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Traurig genug: So viel besser stellt sich die Situation in der 3. Liga auch nicht dar. Mehr Fernsehgeld gibt‘s schon, aber große Sprünge lassen sich damit auch nicht bewerkstelligen. Kein Wunder also, dass das Konzept, das MSV-Geschäftsführer Michael Preetz bei der Geberrunde im Dezember präsentierte, den mittelfristigen Aufstieg in die 2. Bundesliga vorsieht. Sollte das erste Etappenziel, sprich die Regionalliga-Meisterschaft, erreicht werden, darf man gespannt sein, mit welchem Selbstverständnis die Zebras dann an den Start gehen. Der Spagat zwischen der Rolle eines prinzipiell demütigen Aufsteigers und der zwangsläufig vorhandenen Zweitliga-Ambition könnte nicht einfach werden.