Es hätte ein dramatischer Samstagnachmittag werden können. Hätte es. Wenn denn der MSV Duisburg nicht schon souverän vor Wochen die Meisterschaft in der Fußball-Regionalliga West eingetütet hätte. Stattdessen wurde das letzte Saisonspiel der Zebras beim ehemaligen Verfolger Sportfreunde Lotte zu einem finalen Feier-Event mit angemessenem Rahmen. Vor dann doch zahlreichen mitgereisten Fans setzten sich die Zebras im Stadion am Autobahnkreuz mit 4:0 (3:0) durch.

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Die Sache mit dem angemessenen Rahmen ging dabei auch auf das Konto der Gastgeber. Der starke Aufsteiger des Vorjahres begrüßte Anhänger, Spieler und Verantwortliche des MSV mit dem Zebra-Twist, der vor Spielbeginn aus den Lautsprechern dröhnte. Noch mehr Respekt zeigte das Lotter Team, das die MSV-Kicker durch ein Spalier auf den Platz laufen ließ. Man kann sich auch unter Konkurrenten also immer noch sehr anständig verhalten.

Durchs Spalier auf dem Platz: Die Meisterkicker des MSV wurden vom Gastgeber geehrt.
Durchs Spalier auf dem Platz: Die Meisterkicker des MSV wurden vom Gastgeber geehrt.© IMAGO | Nico Herbertz

„Keine Experimente“, hatte MSV-Trainer Dietmar Hirsch im Vorfeld der Partie angekündigt. Das heißt also: Alles, was sich an Änderungen in der Startelf am Samstag abspielte, muss laut dieser Aussage als taktische Notwendigkeit durchgehen. Dass Max Braune und Joshua Bitter wieder von Beginn mitwirken würden, war dabei klar; dass aber trotzdem Can Coskun und Mert Göckan in der Formation auftauchten, verwunderte. Das überraschende Ergebnis bei Anpfiff: Göckan, zuletzt Bitter-Vertreter hinten rechts, rückte erstmals auf die Doppel-Sechs neben Florian Egerer, wo zuletzt Steffen Meuer agiert hatte. Der nahm aber nicht neben dem eigentlichen Ersatzkandidaten Jonas Michelbrink auf die Bank, sondern in die Sturmspitze. Kein Thilo Töpken, kein Malek Fakhro und schon gar kein Gerrit Wegkamp, der wieder gar nicht im Kader stand. Die ausgebildeten Mittelstürmer haben beim MSV aktuell ganz schlechte Karten.

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Die doch etwas umgewürfelte Formation, von der man schon ein bisschen davon ausgehen darf, dass sie so auch am kommenden Samstag im Finale des Niederrheinpokals gegen Rot-Weiss Essen anfangen wird, brauchte ein bisschen Zeit, um sich aneinander zu gewöhnen; und mit Lotte stand ja zudem ein Gegner auf dem Platz, der zwar vor dem Anpfiff angemessenen Respekt erwies, mit Spielbeginn aber vollen Einsatz zeigte und auch einige Male dem Gast auf die sprichwörtlichen Socken ging.

Schiedsrichter Lars Bramkamp sanktionierte das allerdings bis zur Pause nicht mit Verwarnungen; stattdessen zeigte er sich als Disziplinfan und zeigte zwei Duisburgern wegen vermeintlicher Verfehlungen den gelben Karton. Bei einem tut das weh: Jakob Bookjans, der bei einem wohl absichtlich fix ausgeführten Freistoß von Fatlum Elezi nicht mehr schnell genug aus dem Weg kam, sah nämlich seinen fünften in dieser Saison und wird damit beim Drittliga-Comeback nicht mitwirken dürfen. Sperren aus der Meisterschaft werden nämlich in die neue Saison mitgenommen. Patrick Sussek, der bei einem Abseitspfiff zu laut reklamierte, musste derartiges nicht befürchten.

Bookjans sorgt für die Führung des MSV Duisburg

Nach einer höhepunktlosen halben Stunde, in der nur ein lässiger Ballverlust von Ali Hahn am eigenen Strafraum verwunderte, den der MSV-Kapitän aber sofort wieder per Tackling reparierte, legte der Meister mal den Turbo ein. Eine starke Kombination über die rechte Seite resultierte in einer Hereingabe von Max Dittgen, die Jakob Bookjans am langen Pfosten mit dem Führungstreffer vollendete (32.). Zehn Minuten später war es einmal mehr Top-Torschütze Patrick Sussek, der sein Konto unbedingt noch einmal aufstocken wollte und nach Vorarbeit von Can Coskun seinen zwölften Treffer erzielte. Mit dem Pausenpfiff folgte auf spektakuläre Weise Nummer 13: Sussek legte sich die Kugel an der Torauslinie mal eben selber vor und knallte sie dann mit Wucht aus spitzem Winkel ins rechte Eck.

Die Marke bleibt bestehen, denn zur Pause war für ihn genauso Schluss wie für Ali Hahn. Dietmar Hirsch würfelte mal eben durch und schickte dafür Simon Symalla und Thilo Töpken auf den Platz. Damit rückte nun Mert Göckan zurück in die Innenverteidigung, Jakob Bookjans und Steffen Meuer machten in der vorderen Reihe Platz für Töpken. Der zuletzt so oft glücklose Stürmer hätte dann auch gleich mal wieder positive Schlagzeilen schreiben können, doch nach einem von SFL-Keeper Steffen Westphal zu kurz abgewehrten Coskun-Schuss vergab er aus kurzer Distanz die Riesenchance zum 4:0 (56.).

MSV-Fans sorgen für Spielunterbrechung

Wenig später war dann auch für Jakob Bookjans und Steffen Meuer Feierabend, die durch Dustin Willms und Jesse Tugbenyo ersetzt wurden. Sonst passierte nicht viel – bis zur 70. Minute. Auf einmal öffnete sich am MSV-Block an der Gegentribüne ein Tor, durch das einige Duisburger Anhänger auf den Rasen strömten. Sofort unterbrach Schiedsrichter Bramkamp die Partie; zudem marschierten rund 20 Polizisten auf und riegelten den Block ab. Dietmar Hirsch eilte sofort herbei und versuchte den Anhang zu beschwichtigen. Erst nach knapp zehnminütiger Unterbrechung und dem Abzug der Polizei konnte es weitergehen.

Dann aber gab es doch noch Sportliches zu berichten. Thilo Töpken konnte endlich seine Pechsträhne beenden. Der Winter-Neuzugang umkurvte Keeper Westphal und schob diesmal dann auch tatsächlich ins leere Tor ein. Kurz vor Schluss hätte es dann fast noch einen Schönheitsfleck auf der weißen Weste des Tages gegeben, als Samuel Owusu Addai allein auf Max Braune zulaufen konnte. Doch der MSV-Keeper drängte den früheren Homberger so weit nach außen ab, dass dessen Schussversuch nur noch am Außennetz landen konnte.