Bernard Dietz kämpfte auf dem Podium mit den Tränen. „Ich hatte mir vorgenommen, noch etwas zu sagen. Aber es ging nicht mehr“, sagte der 77-Jährige am Freitag-Mittag gegenüber der Redaktion. „Ennatz“ ist jetzt Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Endlich! Der Deutsche Fußball-Bund zeichnete den 77-Jährigen am Freitag im Rahmen seines Bundestages in Frankfurt/Main aus. Die Legende des heutigen Drittligisten MSV Duisburg führte die DFB-Elf beim Titelgewinn bei der Europameisterschaft 1980 im Endspiel gegen Belgien in Rom (2:1) als Kapitän aufs Feld. Bislang war Dietz der einzige Spielführer gewesen, der mit Deutschland einen Titel gewann und diese Auszeichnung nicht erhielt. Das hat sich nun geändert. Jürgen Klinsmann, ebenfalls Ehrenspielführer des DFB, nahm die Ehrung vor. „Das ist längst, längst überfällig“, sagte der frühere Stürmer. Die Delegierten würdigten die MSV-Ikone mit stehenden Ovationen.

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Bernard Dietz ist der siebte Ehrenspielführer des DFB. Die ersten sechs geehrten Spieler waren bislang Fritz Walter (Weltmeister 1954), Franz Beckenbauer (Europameister 1972 und Weltmeister 1974), Lothar Matthäus (Weltmeister 1990), Jürgen Klinsmann (Europameister 1996) und Philipp Lahm (Weltmeister 2014) sowie der titellos gebliebene Uwe Seeler. Jürgen Klinsmann hielt in Frankfurt die Laudatio für Dietz. „Das hast du sowas von verdient“, richtete der 61-Jährige emotionale Worte an die MSV-Legende. Klinsmann würdigte die Tatsache, dass Dietz Kapitän einer Mannschaft mit klangvollen Namen war. Immerhin waren Strategen wie Karl-Heinz Rummenigge, Hansi Müller, Toni Schumacher oder Bernd Schuster mit von der Partie. Klinsmann: „Man dachte sich, wie kann es da sein, dass der Ennatz da Kapitän wird? Der spielt doch beim MSV Duisburg.“

Vor dem Eröffnungsspiel der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in München hielt Bernard Dietz noch einmal den EM-Pokal in den Händen.
Vor dem Eröffnungsspiel der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in München hielt Bernard Dietz noch einmal den EM-Pokal in den Händen.© AFP | Tobias Schwarz

Klinsmann sprach von einer verdienten Auszeichnung für Dietz, „die unfassbar ist.“ Niemand habe damals honoriert, was Dietz geleistet habe. Er würdigte den Duisburger, der in Bockum-Hövel aufgewachsen war und dort heute noch lebt, als einen „exzellenten Techniker“, der eben nicht der Verteidiger war, der seine Gegenspieler einfach abräumte. Klinsmann erwähnte natürlich „die vier Dinger gegen Bayern München.“ Am 5. November 1977 hatte Dietz beim 6:3-Sieg über die Bayern viermal getroffen. Dabei sollte der MSV-Kapitän ursprünglich in diesem Spiel Karl-Heinz Rummenigge bewachen.

Ich hatte mir vorgenommen, noch etwas zu sagen. Aber es ging nicht mehr.

Bernard Dietz, DFB-Ehrenspielführer

Bernard Dietz war bereits am Donnerstag mit Ehefrau Petra, MSV-Präsident Christian Stiefelhagen und Vorstandsmitglied Dennis Baaten nach Frankfurt gereist. Auch Volker Baumann, Chef des MSV-Museums, war in Hessen vor Ort. Bereits am Donnerstag hatte das Deutsche Fußballmuseum bekannt gegeben, Dietz in die Hall of Fame aufgenommen zu haben. Für „Ennatz“ ging es in den letzten zwei Tagen „Schlag auf Schlag.“ „Ich bin sehr stolz“, rang Dietz auch auf der Rückfahrt nach Duisburg nach Worten. Die Zeit als Kapitän der DFB-Elf liege so weit zurück. „Ich hatte damit gar nicht mehr gerechnet“, ist Dietz von der Ehrung überwältigt.

„Dietzburg“: So würdigt die Stadt Duisburg DFB-Ehrenspielführer Bernard Dietz.
„Dietzburg“: So würdigt die Stadt Duisburg DFB-Ehrenspielführer Bernard Dietz.© MSV Duisburg

Schon am Vortag, als auch dieses Medium die Ehrung angekündigt hatte, gab es bereits viele Glückwünsche für die bevorstehende Auszeichnung. Viele Fans würdigten den Duisburger Ausnahmespieler in den sozialen Medien. „Endlich. Er hat es so sehr verdient“, lautete der Tenor. Am Freitag schrieb MSV-Legende Michael Bella, langjähriger Weggefährte von Dietz beim MSV, als Kommentar zum Beitrag des MSV im Netzwerk Facebook: „Schon lange überfällig, aber als Meidericher hatte man es früher beim DFB nie leicht.“ Auch Vizemeisterkapitän Günter Preuß gratulierte gemeinsam mit seiner Ehefrau Ursel, die auf Facebook schrieb: „Du hast es so etwas von verdient. Wir sind sehr dankbar, dass du unser Freund bist und wir bei jedem Heimspiel mit dir am Tisch sitzen können.“ Heiner Baltes, einst Abwehrspieler bei Fortuna Düsseldorf, erinnerte sich: „Ich habe noch gegen ihn gespielt. Da war er noch Linksaußen.“

Die Stadt Duisburg gratulierte auf spektakuläre und liebevolle Weise. In den 70ern war bundesweit vom „MSV Dietzburg“ die Rede. Die Stadt setzte das am Freitag nun um. Im Stadtgebiet stehen mehrere Ortsschilder mit der Aufschrift „Dietzburg“ auf gelbem Grund. Oberbürgermeister Sören Link hatte bei der Nominierung der MSV-Legende im Mai versprochen, Duisburg für einen Tag zu „Dietzburg“ zu machen, falls Dietz die Ehrung erhält. Eines dieser Schilder steht natürlich vor der Schauinslandreisen-Arena.

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Bernard Dietz bestritt zwischen 1970 und 1982 394 Bundesliga-Spiele für den MSV Duisburg. Es folgten fünf Jahre beim FC Schalke 04, für den Ennatz 135 Ligaspiele bestritt. Für die deutsche Nationalmannschaft bestritt Dietz zwischen 1974 und 1981 53 Länderspiele. Er debütierte am 22. Dezember 1974 beim 1:0-Sieg im Auswärtsspiel gegen Malta. Am 19. Mai 1981 trug er bei einer 1:2-Niederlage gegen Brasilien letztmalig das DFB-Trikot.