Sie haben ihr Ziel erreicht. Der Umweg von 30 Zusatzminuten in der Verlängerung war vorher im Navi nicht vorgesehen. Aber: Ende gut – alles gut. Durch zwei Tore von Niklas Jessen in der 104. Minute und in der Nachspielzeit der Verlängerung gewann der Fußball-Drittligist MSV Duisburg das Halbfinale im Niederrheinpokal mit 2:0 (0:0). Vor 3376 Zuschauern am Hünting spielten die Meidericher gegen den Viertligisten 1. FC Bocholt ihre Favoritenrolle mit eher geringer Bühnenpräsenz. Entscheidend ist aber einzig, was Dietmar Hirsch im Pressegespräch nach der Partie sagte: „Wir wollten ins Finale kommen. Das haben wir erreicht.“

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Am 23. Mai, dem Finaltag der Amateure, treffen die Zebras im Endspiel nun auf den Oberligisten SC St. Tönis. Die Tönisvorster setzten sich bereits am Mittwoch im Elfmeterschießen gegen den FC Büderich durch. Die Partie wird voraussichtlich in der Schauinsland-Reisen-Arena ausgetragen. Für Endspiele in den jeweiligen Landespokal-Wettbewerben braucht es fernsehtaugliche Spielstätten. Die Partien werden von den Sendern der ARD übertragen. Der MSV ist – rein zufällig – im Besitz eines Fußballplatzes mit Fernsehanschluss.

Die Bedeutung der Partie hängt vom weiteren Saisonverlauf ab. Der Sieger am Niederrhein ist sicher in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. Das bedeutet eine Antrittsprämie von etwa 250.000 Euro. Es gibt weitere Wege, sich für den Einzug in die erste Runde zu qualifizieren; der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist einer davon. Darüber hinaus sind auch der Drittplatzierte (unabhängig vom Ausgang der Relegation) und das Team auf Rang vier mit dabei. Erreicht der MSV auch sein nächstes Ziel, den Sprung in die zweite Klasse, dann wäre das Finale „nur“ ein netter Saisonkehraus.
Bitter musste passen
Niklas Jessen ist es zu danken, dass solche Gedankenspiele möglich sind. Seine beiden Treffer in der Verlängerung sicherten den Favoritensieg. Das ist eine gute Nachricht für den Matchwinner und mit Blick auf die nächsten Aufgaben für den MSV dagegen nicht. Jessen rückte als Zweitvertretung ins Team, weil sich Joshua Bitter am Freitag mit einer Reizung an der Achillessehne abgemeldet hatte. Hirsch geht davon aus, dass sein Leistungsträger in der kommenden Woche wieder ins Training einsteigt und dann gegen Rot-Weiss Essen spielen kann. Ohnehin fehlten dem Spielverein in der Vorschlussrunde die Stammkräfte Ali Hahn und Rasim Bulic. Joker Jesse Tugbenyo muss mit einer Knieverletzung lange pausieren.
Der 22-jährige Jessen war am Samstag mehr als ein Bitter-Ersatz. Der Coach nannte seine Leistung „herausragend“ und ernannte ihn zum „Spieler des Spiels“. Jessen resümierte sachlich und selbstbewusst: „Heute ist mir relativ viel gelungen. Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte.“ Freimütig räumte er ein, dass er beim 1:0 davon profitierte, dass sein Gegenspieler, der Ex-Meidericher Arnold Budimbu, im entscheidenden Moment ausrutschte und so die Tür für einen Sololauf weit aufmachte. Gut möglich, dass sich die Bocholter und ihr Trainer René Lewejohann da ein klein wenig selbst überlistet hatten.

Die schwierigen Platzverhältnisse waren ein Vorteil für den Außenseiter. Die Gastgeber legten deshalb nur geringen Wert auf Rasenpflege. Hirsch erzählte dann: „Ich habe Lewe vorhin gefragt, ob er gestern noch auf dem Platz trainiert hat. Er hat verschmitzt gelächelt.“ Ein solcher Platzfehler ließ dann Budimbu entscheidend ausrutschen. Da denkt man an das Sprichwort von dem einen, der dem anderen eine Grube gräbt. Man muss aber Jessen recht geben, wenn er sagte, dass er den Ball „sehr gut weggemacht“ habe. Den finalen Treffer zum 2:0 nannte Jessen „ein Tor des Willens“. Der eingewechselte Dominik Kother hatte den Konter ganz am Ende des Spiels bis in den Fünf-Meter-Raum der Hausherren getrieben und dann mit gutem Auge den noch besser stehenden Kollegen gesehen.
1. FC Bocholt – MSV Duisburg 0:2 (0:0) n.V.
1. FC Bocholt: Grave – Donner, Lanius, Mensah – Frey – Dörfler (70. Hot), Euschen (117. Jansen), Kurzen (61. Seidel) – Budimbu, Herrmann (117. Akritidis), Lorch (102. Adamski).
MSV: Braune – Jessen, Fleckstein, Schlicke, Göckan – Casar (118. Egerer), Müller – Noß (86. Kother), Meuer (55. Viet), Sussek (62. Symalla) – Lobinger (73. Töpken).
Tore: 0:1, 0:2 Jessen (104., 120./+1).
Schiedsrichter: Scheer (Essen).
Gelbe Karten: Kurzen, Donner, Lanius – Meuer, Lobinger, Braune, Casar.
Zuschauer: 3376.
So geht‘s in der Liga weiter: Rot-Weiss Essen – MSV (Sa., 4. April, 16.30 Uhr, Hafenstraße).
Vergessen war da, dass die Bocholter lange mindestens gleichwertig waren und durchaus zu Chancen kamen. Auch an die Rettungstat von Torhüter Max Braune in der zweiten Halbzeit nach einem Schuss von Cedric Euschen dachte da keiner mehr. Didi Hirsch durfte den Sieg unwidersprochen als „verdient“ beschreiben. Auch wenn es länger dauerte als geplant: Das Zebra übersprang die Hürde von ordentlicher Höhe. Mehr war nicht verlangt.
Nachzutragen ist, dass der Nachmittag für Florian Egerer ausgesprochen bitter endete. Der Sechser spielt eigentlich in den Planungen der Trainer keine Rolle mehr. In der Rückrunde stand der 28-Jährige nicht einmal im Kader. Am Samstag bekam er wie Tim Heike nicht nur einen Bankplatz. In der 118. Minute wechselte ihn Hirsch ein. Kaum zwei Minuten später musste Egerer mit einer Achillessehnenverletzung wieder vom Platz. Wie schwer die Verletzung wiegt, konnte Hirsch nachher nicht sagen. Was man sehen konnte: Egerer verließ auf Krücken den Hünting. Sein nächstes Ziel war das Krankenhaus.




