- Ramien Safi bringt Rot-Weiss Essen gegen Hansa Rostock mit einem Treffer der Marke „Tor des Monats“ auf die Siegerstraße. Es war sein erstes Saisontor.
- Nach dem Osnabrück-Spiel wurde Safi von dieser Redaktion scharf kritisiert. Der Verein stellte sich vor den Spieler.
- Für Safi war es der erfolgreiche Abschluss einer emotionalen Woche. Gegen Rostock durfte er starten, zuvor hatte er seinen Stammplatz verloren.
Es gab in dieser Saison deutlich aussichtsreichere Möglichkeiten für Ramien Safi, um sein erstes Saisontor zu erzielen. Gegen 1860 München, den BVB und Alemannia Aachen scheiterte der Offensivspieler von Rot-Weiss Essen freistehend vor dem Tor, am Samstag gegen Hansa Rostock glaubte wohl kaum jemand unter den 19.000 Zuschauern, dass sein Versuch in der 5. Minute im linken Torwinkel einschlagen würde. Im Rückwärtsgang schloss er per Dropkick ab, einen höheren Schwierigkeitsgrad kann es für einen Torschuss im Fußball wohl nicht geben.
+++ RWE: Noch kein Tor – wie der frustrierte Mause Essen dennoch hilft +++
Doch zur Begeisterung aller RWE-Fans war Safi mit diesem Kunstschuss erfolgreich, ein Treffer der Marke „Tor des Monats“, der die Essener auf die Siegerstraße brachte. Drei Tage nach dem harten Abnutzungskampf gegen den VfL Osnabrück (1:1) hat der Revierklub einen solch magischen Moment gebraucht, um zum Ende einer kräftezehrenden Englischen Woche einen wichtigen Adrenalinstoß zu erhalten. RWE gewann hochverdient mit 3:0 (3:0) und Safi konnte sich nach einer überzeugenden Leistung zu Recht feiern lassen.
Rot-Weiss Essen: Ramien Safi verlor seinen Stammplatz
Auch der 25-Jährige hat dieses Erfolgserlebnis gebraucht. Es war für ihn persönlich der traumhafte Abschluss einer emotionalen Englischen Woche. In Regensburg flog der pfeilschnelle Niederländer mit afghanischen Wurzeln erstmals unter Trainer Uwe Koschinat aus der RWE-Startelf. Safi ließ sich im Jahnstadion keinerlei Frust anmerken und bereitete den Essener Siegtreffer vor. Auch Koschinat lobte dessen Reaktion im Anschluss.

Wie diese Redaktion anschließend aus dem Umfeld des Spielers erfuhr, war dieser nach seiner starken Vorstellung in Regensburg fest davon ausgegangen, im Heimspiel gegen den VfL Osnabrück wieder in der Startelf zu stehen. Doch es kam anders. Am Tag vor der Partie erfuhr Safi, dass er erneut nicht starten wird. Das löste beim Offensivmann große Enttäuschung aus.
Rot-Weiss Essen wehrt sich gegen Kritik an Ramien Safi
Gegen Osnabrück kam er in der 66. Minute in die Partie und wirkte nach Auffassung dieser Redaktion in einigen Phasen dieses Spiels lustlos, vor allem in der Nachspielzeit. Dieser Vorwurf veranlasste Marcus Steegmann, Direktor Profifußball bei Rot-Weiss Essen, zu einer Stellungnahme bei der Spieltags-Pressekonferenz vor dem Rostock-Spiel. „Das ist deutlich drüber, was eine faire Bewertung angeht. Da ist eine Grenze überschritten“, sagte Steegmann.
Ramien Safi spielt seit dem Sommer 2024 an der Essener Hafenstraße. Der in der Offensive vielseitig einsetzbare Spieler kam vom Regionalligisten Rödinghausen zu RWE in die 3. Liga und setzte damit den beeindruckenden Aufstieg auf seiner Karriereleiter fort. 2018 spielte er noch in der Landesliga, ein Nachwuchsleistungszentrum hat Safi nie besucht.
Ramien Safi ist der schnellste Spieler der 3. Liga
Nach einem schwierigen ersten Halbjahr bei RWE entwickelte sich Safi unter Koschinat dank seiner atemberaubenden Schnelligkeit als „falscher Neuner“ zu einem Leistungsträger. Der Super-Sprinter, der mit einem gemessenen Top-Speed von 35,99 km/h in der letzten Saison schnellster Drittliga-Spieler war und in der Bundesliga damit zu den zehn schnellsten Spielern gehören würde, entwickelte auch seine Technik und seinen Abschluss weiter. In der Schlussphase der Saison erzielte er wichtige Tore, unter anderem das Siegtor im Pokalfinale in Duisburg.

Mit seinen Leistungen und insbesondere aufgrund seiner Geschwindigkeit hat der Essener das Interesse höherklassiger Klubs geweckt, auch aus der Fußball-Bundesliga und dem Ausland. Ein konkretes Angebot des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern für Safi (Vertrag bis zum 30. Juni 2026) hatte RWE in diesem Sommer abgelehnt. Die Essener bemühen sich seit Wochen um eine vorzeitige Vertragsverlängerung.
- RWE verlängert mit Koschinat: Dieses starke Zeichen hat Essens Trainer verdient
- RWE: Emotionaler Arslan trotz Fehlschuss gefeiert – „Danke an die besten Fans“
- RWE: Top-Transfer wirft Fragen auf – so ist der Stand bei Luca Bazzoli
- RWE: „Nicht nur rasieren“ – neuer Fanvertreter giftet gegen den Vorstand
- Kufen macht RWE-Fans froh: Essen soll ab sofort weiteres Geld einsparen
Durch die Verpflichtung von Stürmer Jannik Mause und weiteren Sommer-Transfers ist die Konkurrenz im Essener Team größer geworden. Auch Safi bekam das zu spüren. Den neuen Kampf um die Plätze in der RWE-Offensive nahm der in Mannschaftskreisen beliebte Angreifer in Regensburg und gegen Rostock voll an. Die Kritik dieser Redaktion bezog sich ausschließlich auf das Osnabrück-Spiel.
Rot-Weiss Essen: Koschinat schützt seinen Spieler
Auf WAZ-Nachfrage griff sein Trainer Uwe Koschinat das Thema nach Safis starker Vorstellung gegen Hansa Rostock auf. Den Vorwurf könne er nicht stehen lassen. „Damit wird ein Statement gesetzt, das dem Spieler gegenüber unangemessen ist“, betonte Koschinat. „Er ist ein fantastischer Junge mit einem riesigen Herz, der sich von ganz unten nach oben gekämpft hat. Ich kann bei diesem Spieler Lustlosigkeit nicht einmal im Ansatz erkennen. Vielleicht muss man einfach akzeptieren, dass ein Spieler, der sich bis in die 3. Liga kämpft, nicht jede Woche seinen besten Tag hat.“



