46 FRAGEN

46 Fragen an Comedian Tim Perkovic aus Dinslaken

Comedian Tim Perkovic stellte sich in der NRZ-Redaktion den 46 Fragen.

Foto: Lars Fröhlich

Comedian Tim Perkovic stellte sich in der NRZ-Redaktion den 46 Fragen. Foto: Lars Fröhlich

Dinslaken.   Tim Perkovic ist ein Hans-Dampf-auf-allen-Bühnen. Nun hat ihn der Quatsch Comedy Club verpflichtet. Uns hat er auch seinen Lieblingswitz erzählt.

Angeregtes Gespräch auf dem Redaktionsgang. Tim Perkovic kommt gemeinsam mit dem Sportkollegen herein. Man kennt sich – der 27-Jährige ist Stadionsprecher beim TV Jahn Hiesfeld. Außerdem ist er Comedian und Moderator, Dinslakens Hans-Dampf-auf-allen Bühnen. Nun der nächste Karriereschritt: Der Quatsch Comedy Club in Berlin hat Tim Perkovic ab 19. April für vier Abende verpflichtet. Und er hat nun ein eigenes Management.

1 Ihre Berufsbezeichnung? Ich nenne mich selbst gerne Unterhalter oder Entertainer. Ich möchte mich nicht auf Comedian spezialisieren.

2 Wie wird man Entertainer?
Ich habe früher Theater gespielt und gemerkt: Das ist mein Ding. Ich möchte Leute unterhalten. Ich hatte immer auch die bekloppten, lustigen Rollen. Da wusste ich: Das ist meine Bestimmung. Also kein Beruf, sondern eine Berufung.

3 Warum macht dieser Beruf Spaß?
Von der Bühne sieht man ja das Publikum ganz gut. Das ist immer schön, wenn die Leute abschalten können, den Stress auf der Arbeit, die Alltagssorgen für einen kleinen Augenblick im Leben vergessen können.

4 Wie gefiel Ihren Eltern Ihre Berufswahl? Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Aber sie haben gesagt: Du musst erst eine Ausbildung machen. Ich habe zwei Ausbildungen abgeschlossen: in der Krankenpflege und in der Logistik.

5 Waren Sie in der Schule schon der Klassenclown? Ja, oft. Bisschen auffällig war ich schon (er lacht). Aber die Lehrer haben es nie böse genommen. Die wussten: Der ist halt lustig. Mein Lehrer hat immer gesagt: Du hast so ein bisschen Gesichtskirmes und schon müssen die Leute lachen.

6 Kamen Sie damit besser bei den Mädchen an als andere Jungs? Denen war es ein bisschen zu albern.

7 Ihr aktueller Lieblingswitz?
(Er überlegt kurz). Ich hab einen Viagra-Witz. Darf ich den auch erzählen? (Ähem. Ja).
Kommt ein Mann zum Apotheker und macht so (Er zeigt eine Handfläche mit allen fünf Fingern). Sagt der Arzt: Was brauchen Sie denn? Handcreme oder so? Ne, sagt der Typ, ich brauche fünf Viagra, ich bekomme heute Damenbesuch und da geht’s richtig zur Sache. Am nächsten Morgen: dieselbe Situation. Der Typ kommt wieder zur Apotheke, macht aber allerdings so (zeigt beide Handflächen mit zehn Fingern). Sagt der Arzt: Brauchen Sie jetzt schon zehn Viagra? Hut ab! Ne, ne, sagt der Mann, ich brauche doch die Handcreme, der Damenbesuch kam gestern Nacht nicht. (Er lacht)

8 Wann ist Schluss mit Lustig?
Über Schwächere würde ich nie Witze machen. Humor auf Augenhöhe ist immer cool. Aber ich würde nie über Behinderte Witze machen. Auch beim Thema Flüchtlinge finde ich das nicht so cool, auch wenn andere Comedians das machen.

9 Ihr Bruder macht Politik. Können Sie über politische Witze lachen?
Wir haben ein halbes Jahr keine Koalition hinbekommen – das ist für mich die größte Satire überhaupt. (lacht). Das kann kein Gagschreiber vorhersehen.


10 Ihr Lieblings-Politiker-Witz? (kurze Denkpause) Ich hatte mal einen über die FDP, das hatte irgendwas mit Milch zu tun und fünf Prozent. Ich kann das nicht mehr zuordnen. Aber den fand ich früher ganz lustig.

11 Warum machen Sie kein Kabarett? Das kommt noch, dafür muss man älter sein. Ich glaube, die Leute kaufen dir nicht ab, selbst wenn du dich für Politik interessierst, dass du mit 27 da so drüber reden kannst.

12 Wann ist ein Gag gut? Wenn das Publikum lacht. Nein, das hat auch immer mit Impuls zu tun, wie man einen Gag verpackt. Auch, wenn ein Gag gar nicht so gut ist, kannst du viel mit Grimassen wettmachen. Es gibt viele Comedians, die physical Gags echt gut beherrschen. Nick Schmid etwa. Der war jetzt bei mir auf der „Spielwiese“ (Talentshow in der Halben Treppe Lohberg, die Perkovic moderiert). Wie Jim Carey. Da konnte ich lachen, weil der einfach Grimassen so perfekt beherrscht.


13 Wann ist jemand für Sie ein Talent? Ich hab da so ein Gespür für, wie jemand auf der Bü hne wirkt. Bei mir sind ja schon viele junge Leute aufgetreten, die jetzt durch die Decke gegangen sind. Salim Samatou etwa oder Thomas Schmidt – die sind jetzt bei der „1Live Generation Gag“. Florian Schröder war oft bei mir, und 2016 war Markus Krebs noch beim Comedy Rodeo. Der will ja jetzt ein neues Solo spielen. Ich habe meine Fühler schon ausgestreckt, ob er das hier testet.

14 Bei wem testen Sie ihre Gags? Familie und Freunde – die müssen aufpassen. (Zwischenfrage: Und die sind auch ehrlich?) Meine Mutter ist am ehrlichsten. Wenn die lacht, dann weiß ich: Das ist gut.

15 Welchen Gag haben Sie zuletzt aussortiert?
Ich hatte mal einen am Anfang, mit 19 oder 20: Wisst Ihr, was Mut ist? Wenn man Durchfall hat und dann trotzdem furzt. Das war ein Einstiegsgag, kam immer gut an, bringe ich aber nicht mehr. Irgendwann wird man auch älter, seriöser.

16 Können Sie über sich selbst lachen? Nur! Ich finde es immer schlimm, wenn Leute nicht über sich selbst lachen können. Man kann über mich Gags machen, aber dann will ich auch über mein Gegenüber Gags machen können. Aber immer auf Augenhöhe. Wenn ich jemanden im Publikum ein bisschen hochnehme und der sehr schüchtern ist, mache ich da nicht weiter.

17 Sie werden in Dinslaken gerne Moderationsmaschine genannt. Ist das positiv oder negativ?
Ich finde es positiv! Die Leute sehen: Der ist fleißig dabei. Das ist in Münster entstanden. Da hat man mich so angesagt: Jetzt kommt einer aus Dinslaken, der ist eine Moderationsmaschine. Dann hab ich auch noch ein T-Shirt bekommen, wo Moderationsmaschine drauf steht.
18 Waren Sie schon mal sprachlos auf der Bühne?
Da gab es mal eine ältere Frau in Oberhausen, die mir ein bisschen die Show gestohlen hat. Da war ich platt. Ich weiß gar nicht mehr, was sie gesagt hat, aber alle haben ultrastark gelacht. Dann hab ich gefragt, ob sie auf der Bühne weitermachen will. Denn mehr Gags hab ich jetzt auch nicht.


19 Und außerhalb der Bühne? (Jetzt ist er wirklich kurz sprachlos, schaut auf den Parkplatz hinter der Redaktion): Ich bin immer sprachlos, wie schnell man hier Knöllchen kriegt Ich habe mal beim Geldabholen die Brötchentaste gedrückt, 16 statt 15 Minuten gebraucht und dann ein Knöllchen gekriegt. Da war ich sprachlos. Ich konnte auch die Frau ja nicht angiften, die macht ja nur ihren Job.

20 Wie lange gilt der Parkschein heute?
Zwei Stunden. (Dann hat er nach dem Interview noch eine gut.) Das macht aber nichts, ich habe noch einen Termin bei Thomas Termath (städtischer Fachbereich Kultur). Wir wollen „Dinslaken lacht“ machen. Das ist ein interessantes Format, das ich jetzt in Gronau gesehen habe: In vier Kneipen stehen parallel um 20 Uhr vier Künstler auf der Bühne und die rotieren dann. Wenn sie nach 15 Minuten fertig sind gehen sie zum nächsten Standort. Das würden wir am liebsten 2018 machen. (Die Frage nach dem nächsten Projekt hat sich ja nun erledigt).


21 Ihr Vorbild? Stefan Raab! Weil der Sachen gemacht hat, die keiner für möglich gehalten hat und Fernsehen damit nachhaltig revolutioniert hat. Wenn ich mir heute das Fernsehprogramm angucke, dann ist das lieblos, hingeklatscht. Ich vermisse den wirklich. (Er erzählt lachend von einem von vier Besuchen bei TV Total. Die Show dauerte bis 1.40 Uhr und das Publikum durfte so lange nicht zur Toilette. Perkovic erzählt, wie anschließend 120 Männer an 30 Pissoirs standen).

22 Ihr erster Auftritt?
Im Kindergarten mussten wir ein Gedicht aufsagen. Das ging mehr oder weniger in die Hose. Aber wir waren halt süß und deswegen hat man trotzdem gelacht.

23 Wann ist ein Abend erfolgreich? Wenn es voll ist oder wenn alle lachen?
Mein größer Auftritt war einmal vor 850 Zuschauern in Wuppertal. Das war sehr cool. Aber ich hatte auch mal einen Auftritt vor drei Zuschauern in Köln. Dann hat sich noch die Reinigungskraft dazu gesetzt, weil sie Angst hatte, dass keiner lacht. Das waren nur vier Zuschauer, aber wir hatten Spaß für 10. Es war grandios, das werde ich nie vergessen. Die Show wurde dann aber, glaube, ich eingestellt.

24 Sie haben bald ein Management. Hat man es dann geschafft?
Ja, würde ich sagen. Vor allem haben die noch bessere Kontakte und du hast weniger Arbeit.

25 Wie ist der Quatsch Comedy Club auf Sie aufmerksam geworden?
Die haben ein Video gesehen und mir eine Mail mit konstruktiver Kritik geschickt, was man verbessern kann und was gut ist. Das fand ich sehr gut. Die Mail habe ich mir aufgehängt. Wenn es gut läuft buchen die mich nochmal und dann bin ich bei der TV-Sendung dabei.

26 Waren Sie schon mal im Fernsehen? Ja, beim Familienduell. Und bei Nightwash. Kurz bei TV Total – als Zuschauer.

27 Wo würden Sie gerne einmal spielen? Nuhr ab 18, das wäre ein Traum.

28 Sind Sie privat lustig?
Privat bin ich auch lustig, aber auch sehr nachdenklich. Ich finde man kann viele Sachen verbessern in der Welt.

29 Haben Sie Lampenfieber?
Ich werde im Quatsch Comedy Club sicher Lampenfieber haben, aber in normalen Shows geht es mittlerweile. Früher habe ich mir echt in die Hose gemacht.

30 Was machen Sie in der Stunde vor dem Auftritt? Ich gucke immer ein bisschen auf Facebook und Instagram, unterhalte mich mit den anderen Künstlern. Aber viele wollen dann nicht reden. Zehn Minuten vor dem Auftritt ist jeder angespannt.

31 Das beste Bühnenoutfit?
Ich zieh mich immer leger an, so wie ich mich wohlfühle (Bei uns trägt er kariertes Hemd und Jeans). Anzug und Krawatte ist zwar schön, das kann man aber beim Firmenevent machen.


32 Und wenn Sie Karnevalsveranstaltungen moderieren?
Verkleidet hab ich mich nicht, nur einen Cowboyhut aufgezogen.

33 Und als Stadionsprecher? Immer mit Hiesfeld-Schal. Den habe ich vom Hülsemann (Dietrich Hülsemann, Vorsitzender des TV Jahn Hiesfeld) geschenkt bekommen.

34 Haben Sie Ahnung von Fußball? Ja. Schon. Ich bin auf jeden Fall Fußballbegeistert.

35 Erklären Sie mal die Abseitsregel?
(Atmet tief ein, räuspert sich) Das müsste ich dann aufzeichnen. (Kein Problem, hier ist ein Zettel). Obwohl, da kann man sich auch blamieren. Können wir die Frage offenlassen? Abseits ist, wenn nicht das Tor fällt.

36 Haben Sie selbst mal Fußball gespielt? Ja, beim SuS. Bis ich 12 oder 13 war.

37 Warum haben sie aufgehört? Irgendwann merkt man ja, ob man noch mithalten kann. Und dann hab ich nicht mehr auf meiner Position gespielt, links außen, wie Reus, sondern in der Abwehr. Da habe ich aufgehört. Lag also am Trainer. (Ist natürlich ein Witz).

38 Ihr Lieblingsverein? (Er zeigt auf meine Schalke-Tasse) Das kann ich jetzt nicht sagen. (Nur zu) Ich sympathisiere mit Borussia Dortmund. Wobei: Die brauchen dringend einen neuen Trainer. Und auf jeden Fall Hiesfeld. Das ist ‘ne sympathische Truppe.

39 Welcher Bundesligaclub hat den größten Comedy-Faktor?
Wolfsburg – wie die mit den Trainern umgehen, das ist schon lustig. Und Hamburg bietet sehr viel für Comedy, weil die immer um die Relegation mitspielen und es dann trotzdem immer wieder schaffen. Ich glaube,die werden es diese Saison auch wieder schaffen. Ist für die vielleicht wie die Champions League.

40 Sie moderieren auch wieder das WM-Public Viewing in Dinslaken. Wievielter wird Deutschland?
Wenn man überlegt, wer alles nicht mitspielt ... Ich prognostiziere, dass wir Weltmeister werden.

41 Ist Ihnen heute schon etwas Lustiges passiert? Ich habe heute eine Nachricht von einem Veranstalter bekommen: Du bekommst noch eine Dispo von mir. Ich glaube, die meinte Info, oder? Ich bin sehr gespannt.

42 Ihr Mittel gegen schlechte Laune? Lustige Sachen angucken. Ich sehe gerne Mr. Bean. Der redet nicht und man muss trotzdem lachen.
43 Ist es komisch, wenn man als Moderator wie jetzt Fragen beantworten muss?
Nö, das gehört ja auch zum Job dazu.

44 Was hätten Sie einen wie sich gefragt? Das finde ich ja immer lustig: Was sind Ihre Ziele in den nächsten fünf Jahren?
45 Und was sind Ihre Ziele in den nächsten fünf Jahren? Ich will wachsen. In NRW bekannt sein. Ein Traum ist, bundesweit bekannt zu sein. Aber man muss bescheiden bleiben.

46 Möchten Sie noch etwas loswerden? Ja! Lest mehr Zeitung, vor allem die jungen Menschen.


(Am Ende haben wir noch die Abseitsregel aufgemalt. Oder es versucht.)

HINTERGRUND

  • Im etwas anderen Interview-Format stellen wir 46 Fragen an Menschen, die aus Dinslaken, Voerde oder Hünxe kommen oder hier arbeiten. 46 Fragen deshalb, weil so die Postleitzahlen in Dinslaken, Voerde und Hünxe beginnen.

  • In den Einschüben in Klammern meldet sich der Autor zu Wort.

  • Alle 46-Fragen-Interviews sind zudem online zu finden auf: www.nrz.de/46fragen.

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