Samstag gegen 20.45 Uhr – Stadt, Polizei und Feuerwehr ziehen angesichts des Riesenandrangs auf der Martinikirmes die Reißleine: Alle Zugänge zu dem beliebten Rummel an der Trabrennbahn werden gesperrt. Keiner wird mehr auf das Gelände gelassen. Alle Parkflächen auf der Trabrennbahn inklusive Innenbereich sind belegt, die Situation wird dadurch noch erschwert, dass die eigens in Höhe der Straße Am Pollenkamp aufgestellte mobile Fußgängerampel über die L 1 zerstört wurde, beschrieb gestern Stadtsprecher Horst Dickhäuser auf NRZ-Nachfrage, wie sich die Lage am Samstagabend darstellte.

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Damit die Situation nicht aus dem Ruder läuft und um kein Risiko einzugehen, seien die Zugänge für etwa eine Stunde gesperrt worden, fügte Dickhäuser hinzu. Und betonte: „Sicherheit geht vor.“ Auch mit Blick auf die Loveparade-Katastrophe, in deren Folge die Sicherheitsbestimmungen verschärft wurden. Gestern wurde Besuchern zeitweilig erneut der Zugang zur Kirmes versagt, auch für heute schloss der Stadtsprecher dies nicht aus.

Vor und nach der Sperrung hatten am Samstag die Kirmesbesucher jede Menge Spaß. „Jaa, endlich Martinikirmes“, rief am Samstagnachmittag ein kleines Mädchen an einem der Eingänge, ehe es im Gedränge verschwindet. Das Mädchen war nicht die einzige, die sich auf den lang erwarteten Rummel freute. Die Martinikirmes ist fast so etwas wie ein Pflichtprogramm für jeden Dinslakener. Die Kleinen gehen erst zum Martinszug und dann auf die Kirmes, um Opas Kirmesgeld „auf den Kopp zu hauen“. Als Dankeschön kriegt der Spender ein Lebkuchenherz: „Opa Du bist klasse.“ Auch ohne Satzzeichen. Auf der Kirmes herrschen andere Regeln.

Die Schausteller wollen den Menschen glücklich machen, aber sie wollen auch Geld verdienen. Drei mal Werfen kostet drei Euro. Wer abräumt, hat freie Wahl und kann zwischen Minions und Plastik-Knarren wählen. Um die angemessene Begrifflichkeit haben sich die Budenbesitzer längst gekümmert. Es heißt jetzt korrekt Ballwerfen. Mit Dosen schmeißt hier ja keiner.

Wer es weniger mit dem Glück hat, kann zum richtigen „Schießeisen“ greifen. Für kleines Geld kann man John Wayne spielen und sich mit dem gewonnenen Sekt selbst beglücken.

Davon sollte man allerdings die Finger lassen, wenn man später noch ins Spiegelkabinett geht. Oder ins XXL-Fun-House, das den Besuchern direkt ihre Meinung vorwegnimmt. „Der Wahnsinn!“ „Großartig!“ Die Besucher reihen sich in die lange Schlange ein. Was auf der Martinikirmes jedoch wirklich großartig in diesem Jahr ist, ist die Haunted Mansion von Johan Hinzen.

Eigentlich bräuchte kein Waggon mehr durch das Geisterschloss fahren. Der Anblick dieses detailverliebten Gemäuers ist schon schaurig-schön genug. Und da oben, in der ersten Etage lauern die Erschrecker. Ist das nicht Cro, der da mit der Maske tanzt? Nein, das muss ein Irrtum sein.

Die alte Dame der Kirmes darf natürlich nicht fehlen. Das Riesenrad Roue Paradisienne ragt über allem. Da werden romantische Träume gelebt. Der Betreiber wahrt die Liebesgeheimnisse und möchte auch ansonsten über nichts sprechen. „Da gebe ich kein Interview.“

Hoch hinaus geht es auch auf dem Booster Maxxx. Aber viel, viel schneller als mit dem Riesenrad. In schwindelerregender Höhe wirbeln Kapseln die angehenden Astronauten durch die Luft. Gestiftet von der Nasa, vermutlich. Besucher, die keine Angst vor der Höhe und schnellen Drehungen haben, können alternativ auf der Schaukel Looping the Loop Platz nehmen.

Später am Samstagabend wurden die Zugänge zum ersten Mal gesperrt: „Entschuldigung, die Martinikirmes ist aus Sicherheitsgründen geschlossen. Zu voll“, hieß es.