Die fünfjährige Amelie sitzt auf der Treppe im Flur des Hauses ihrer Familie. Pflegemutter Mäggy bereitet sie für einen kleinen Ausflug vor die Haustür vor. Amelie hat eine Gehirngefäßerkrankung und eine Zerebralparese. „Sie ist etwas entwicklungsverzögert aber nicht geistig behindert“, erzählt ihre Pflegemutter. Die Fünfjährige lächelt. Und läuft an der Hand ihrer Pflegemutter nach draußen.

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Schon das ist eigentlich ein kleines Wunder. „Die Prognosen, bevor sie zu uns kam, waren ganz schlecht“, erzählt Mäggy Kabacinski. Amelie hat in ihrem kurzen Leben schon viel erlebt. Sie wurde von ihrer leiblichen Mutter verlassen, als sie fünf Monate alt war. Anderthalb Jahre lebte sie in einer Kinderwohngruppe. „Da war sie eigentlich vollkommen falsch untergebracht“, sagt ihre Pflegemutter. Betreuung im Schichtdienst und Probleme. Die Ärzte gingen davon aus, dass Amelie nie lernen würde zu laufen oder zu sprechen. Jetzt geht sie an der Hand ihrer Pflegemutter – und plaudert dabei fröhlich vor sich hin.

„Ich bleibe überall hängen!“

Ganz ohne Unterstützung laufen kann Amelie nicht. Sie ist auf Orthesen und einen Gehwagen angewiesen. Und genau das ist auch ein Problem. „Wir können eigentlich nicht mal normal hier Spazieren gehen“, erzählt Pflegemutter Mäggy. Denn die Bürgersteige in der Umgebung ihres Hauses sind zur Straße leicht abschüssig, so dass Amelie sofort Richtung Straße abdriftet. Auch normale Spielplätze kann die Fünfjährige nicht nutzen. „Erstmal muss man sie mit dem Gehwagen befahren können und auf die Spielgeräte kann ich sie nicht begleiten“, sagt Mäggy Kabacinski.

Deswegen wollte sie für Amelie ein Bewegungsangebot im heimischen Garten schaffen. Bisher kein großes Problem. Doch Amelie wächst – und mit ihr wachsen auch die Geräte, die sie zur Fortbewegung braucht. Wenn sie mit dem Rollstuhl in den Garten fährt, rollen die Reifen schon über die Begrenzung der Wege. Auch mit dem Gehwagen wird es eng – und der Nächste wird noch größer und breiter werden. Oder, wie Amelie selbst es nonchalant zusammenfasst: „Die Wege sind kacke. Ich bleibe überall hängen!“

Garten der Familie muss komplett umgebaut werden

Hier muss also Abhilfe geschaffen werden. Die Wege im Garten der Familie sollen verbreitert werden. Ein Podest vor der Haustür, das Amelie nicht alleine überwinden kann, soll umgestaltet werden, damit die Fünfjährige eigenständig in den Garten kann. Dazu soll eine Rampe geschaffen werden mit Handlauf. Ein Handlauf soll auch an der Terrasse angebracht werden. „Dazu muss erstmal alles abgerissen und neu angelegt werden“, sagt Mama Mäggy. 19.000 Euro soll das Vorhaben einem ersten Kostenvoranschlag nach Kosten. Das Problem: Die Krankenversicherung übernimmt nur 4000 Euro von diesen Kosten. Den Rest müsste die Familie tragen.

Da das nicht machbar ist, startete Mäggy Kabacinski unter dem Motto „Neue Wege für Amelie“ einen Spendenaufruf auf dem Portal Gofundme. „Ich habe mich wirklich schwer getan, das überhaupt zu machen“, erzählt die 39-jährige gelernte Heilerziehungspflegerin. Fast peinlich sei ihr das gewesen, um Spenden zu bitten – schließlich hätten sie und ihre Familie sich für das Leben mit Amelie entschieden. Am Ende tat sie es trotzdem. Und erlebte eine Überraschung. „Ich bin ganz überwältigt“, sagt sie. „Es hat mich berührt, wie viele Menschen etwas gegeben haben und wie viele auch wissen, wie es ist, ein Kind mit Einschränkungen täglich zu betreuen“, sagt sie.

Umbau kann erst mit erreichen des Spendenziels beginnen

Die Spenden, die eingingen reichen bisher von kleinen Beträgen von 5 Euro bis zu einer Großspende von 1.000 Euro. So sind bisher fast 5400 Euro zusammengekommen. Es fehlt also noch ein gutes Stück Geld. „Wir können mit dem Umbau erst anfangen, wenn wir nahe an der Zielsumme sind. Ich kann es mir nicht leisten, auf den Kosten sitzenzubleiben“, sagt Mäggy Kabacinski. Sie kann nicht verstehen, warum so ein Grundbedürfnis, wie das nach Bewegung, nicht ganz finanziert werden kann.

Ähnliches sieht es auch aus, wenn es um den behindertengerechten Ausbau des Badezimmers im Haus geht. Oder auch bei Therapiekosten. Teilweise auf eigene Kosten – und mit Hilfe aus mehreren Fördertöpfen – nahm Amelie in Bremen an der so genannten Neuroaktiven Reflextherapie teil. Eine Teilnahme kostet 4500 Euro. Für eine komplette Behandlung wären vier Teilnahmen nötig. „Welche Familie kann denn mal eben 18.000 Euro aufbringen?“, fragt Pflegemutter Mäggy. Ohne Unterstützung kaum möglich. Aber unglaublich hilfreich für Amelie.

Die sitzt, nach dem kurzen Ausflug nach draußen, auf dem Boden, malt in einem Malbuch Dinosaurier aus oder spielt mit einer Meerjungfrau-Barbie. Und hofft, dass sich bald frei im eigenen Garten bewegen kann – ohne überall hängenzubleiben.

>>>Die GoFundMe-Kampagne

Über den Link auf der Gofundme-Seite (www.gofundme.com/f/neue-wege-fur-amelie ) gelangt man zum Spendenaufruf für Amelie.

Wer spenden möchte, kann das einfach auf der Seite machen und via Paypal, Google Pay, Klarna, GiroPay oder Kreditkarte die Spende überweisen. Dabei kann ein freiwilliger Betrag an die Plattform gespendet werden.

Gofundme wurde 2010 in Kalifornien gegründet. Die Spenden werden hier nach dem Crowdfunding-Prinzip gesammelt, bei dem viele Personen auch kleine Beträge spenden können. In den ersten zehn Jahren seit Gründung verteilte die Plattform mehr als 9 Milliarden US-Dollar von über 120 Millionen Spendern.