Wer hier sitzt, um den ist es wahrscheinlich ohnehin schon geschehen. Seit fünf Jahren bietet die VHS Dinslaken, Voerde, Hünxe den Vortrag „Hühnerhaltung im Garten“ an - und auch diesmal hat sich dazu wieder ein Dutzend Interessierte auf der Anlage des Rassegeflügelzuchtvereins (RGZV) in Voerde eingefunden. Gartenhühner liegen im Trend, sagt Manfred Loick vom RGZV. Und wer noch nicht überzeugt ist, der kann ja mal bei Mia (10) auf der Anlage des RGZV vorbeischauen und sich in ihre Henne mit den frisch geschlüpften, zuckersüßen Küken schockverlieben. Und außerdem, sagt Mia noch, kann man Hühner auf den Arm nehmen - „und sie hören immer zu.“

VHS-Leiter Werner Schenzer und Buchhändlerin Mila Becker sind schon längst überzeugt: Sie teilen sich den Garten mit ein paar Barnevelder Hühnerdamen. Und gerade ist Mila Becker auf bestem Wege, sich außerdem in zwei Zwerg-Lachshennen zu vergucken, die auf der Anlage des RGZV leben und so nett miteinander plaudern. Thomas Guttenberg vom Bürgergarten Hünxe überlegt, ob eine Hühnerschar dort picken darf - das wäre allerdings auch nicht das erste Huhn in der Familie. Und ein Paar ist sogar aus Frankfurt angereist. Extra für den Vortrag. Seine Liebste sei hühnerverrückt, berichtet der junge Mann - und er habe überall nach einem solchen Vortrag am Wochenende gesucht.

So geht es Hühnern in Massentierhaltung

Für diejenigen, die noch nicht hühnerverrückt sind, nennt Manfred Loick Argumente: In der Massentierhaltung legen Hybrid-Hennen bis zum Alter von 15 Monaten 330 Eier. Das gehe „auf die Knochen“, so Loick: Die Tiere seien „ausgemergelt und ausgebrannt. Durch den ständigen Calcium-Bedarf wird das Knochengerüst porös und brüchig.“ Masthähnchen würden im Alter von wenigen Wochen geschlachtet - sie brechen unter ihrem eigenen Gewicht zusammen. Und das, so Loick, kaufe man dann im Supermarkt.

Glückliche Hühner im Garten - auch ohne Hahn

Jürgen Erlemann zeigt den Kursteilnehmern einen Hahn.
Jürgen Erlemann zeigt den Kursteilnehmern einen Hahn.© FUNKE Foto Services | Judith Michaelis

Die Eier der eigenen Gartenhühner seien quasi Bio und würden auch besser schmecken. Und die Hennen legen eben nicht am Fließband. Ein Zwerg-Lachshuhn schenkt seinem Besitzer etwa 100 Eier im Jahr, ein Sulmtaler 140. „Rassehühner sind nicht so sehr auf Leistung getrimmt, können dadurch aber mehrere Jahre alt werden und Eier legen“, so Manfred Loick. Und Hühner „mit Familienanschluss sind immer die glücklicheren Hühner.“ Und für die Menschen sei es einfach schön, der Hühnerbande zuzuschauen.

Kleintiermarkt am 1. Mai

Am Mittwoch, 1. Mai, findet der traditionelle Kleintiermarkt auf dem Gelände des RGZV an der Rönskenstraße 152 in Voerde statt. Von 8 bis 14 Uhr zeigen und verkaufen Züchter hier neben Hühnern verschiedener Rassen auch Kaninchen, Enten und Gänse. Der RGZV lädt die Besucher außerdem zum Rundgang über das Gelände der Alten Schule ein. Der Kleintierverkauf findet zum 46. Mal statt. Es empfiehlt sich, nicht allzu spät zu kommen.

Einen Hahn benötigen die Hennen zum Glücklichsein übrigens nicht unbedingt - und zum Eierlegen gar nicht. Die Eier sind dann eben nicht befruchtet. In ländlicher Gegend sei die Hühnerhaltung als „ortsübliche Nutzung grundsätzlich gestattet“, so Loick, und auch in Wohngegenden sei sie nicht verboten. Der Hahn aber sei „ein Sonderfall“. Der Hahnenschrei „ist und bleibt ein Schrei“. Und kann somit zum Problem werden. „Hühnerhaltung im eigenen Garten geht auch ohne Hahn“, so Loick. Zwar machen auch Hennen Geräusche: Sie unterhalten sich oder feiern sich lauthals, wenn sie ein Ei gelegt haben. Aber „ein Karton frischer Hühnereier hat auch schon manchen Zwist am Gartenzaun besänftigt“, so Loick.

Kleine Hühner für kleine Gärten

„Bei einem kleinen Garten sollte man sich für Zwerghühner entscheiden“, so der Experte. Die legen auch Eier - bloß kleinere. Die Gewichtsunterschiede schaut sich der Kurs vor Ort ein: Eine Züchterin des RGZV zeigt ihre Amrocks - die Hähne wiegen um die fünf Kilo, die Eier rund 60 Gramm. Zwerg-Seidenhühner wiegen dagegen etwa 500 Gramm - und die Eier etwa 40. In Familien mit Kindern sei „auch der Charakter der Hühner entscheidend“. Cochins, Sussex oder Wyandotten seien besonders zutraulich: „Sie fressen aus der Hand, lassen sich streicheln.“ Manche Rassen sind besonders brutfreudig - auch danach sollte man fragen, weil man damit umgehen muss.

Jürgen Erlemann, Vorsitzender des RGZV Voerde, zeigt einen Hühnerstall im Miniaturformat: mit erhöhten Sitzstangen, darunter einem Kotbrett, Legenestern, Tränken, Futtergefäßen. Der Stall sollte möglichst keine Ritzen haben, in denen sich Plagegeister wie Milben verstecken können, er müsse trocken, luftig, aber nicht zugig sein und vor Räubern schützen.

Der Auslauf sollte am besten Bäume oder Sträucher haben - zum Unterstellen. Auch über einen Ausflug in den Garten freut sich das Federvieh. Aber Achtung: Hühner machen Hühnersachen - dazu gehört vor allem Scharren. Also nichts für Freunde englischen Rasens. Hühner mit Federfüßen scharren angeblich weniger. Außerdem liebt das Federvieh ein Bad im trockenen Sandbad. Oder im Beet. Je nach Angebot.

Und abends ein Betthupferl

Zum Futtern sollte es morgens kleingeschrotetes Legefutter (Legemehl) oder Pellets geben - und abends ein paar Körner als Betthupferl. Im Auslauf sollte es Grünzeug, aber kein Körnerfutter geben - um keine Wildvögel oder Ratten anzulocken, so der Experte. Vorgeschrieben ist für Hühner eine Newcastle-Impfung - den Impfstoff gibt es auch für Nicht-Mitglieder alle drei Monate für drei Euro beim RGZV. Und wer Hühner hält, muss sich bei der Tierseuchenkasse anmelden (10 Euro im Jahr für kleine Bestände).

Fragen beantwortet der RGZV gerne beim Züchtertreff jeden Sonntag (11 bis 12 Uhr, Rönskenstraße 152) - oder am Mittwoch bei der Kleintierverkaufsschau (s. Box).