Adipositas

Adipositas operieren - Betroffene berichten von Erfahrungen

Patient Dirk Obermann (li.) berichtet über seine Erfahrungen nach der Magenoperation.

Foto: Lars Fröhlich

Patient Dirk Obermann (li.) berichtet über seine Erfahrungen nach der Magenoperation. Foto: Lars Fröhlich

Dinslaken.   Betroffene und Ärzte standen bei der Adipositas-Veranstaltung im St. Vinzenz-Hospital den Zuhörern Rede und Antwort zum Thema Magen-Operationen.

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Übergewicht ist in Deutschland zu einem ernsten Problem geworden, denn die Adipositas, das krankhafte Übergewicht, birgt Risiken für zahlreiche Erkrankungen wie Diabetes, Krebs, Bluthochdruck. Zudem ist die Lebensqualität deutlich eingeschränkt. Das musste am Dienstagabend im Vinzenz-Hospital selbst Dirk Obermann zugeben, der einst 285 Kilogramm auf die Waage brachte. „Ich bin bis zum Schluss meiner Arbeit nachgegangenen, auch wenn die Kondition schwächelte.“

Der 46-Jährige ist Patient des neuen Chefarztes der Viszeralchirurgie Dr. Klaus Peitgen. Trotz seines Übergewichtes sei er kerngesund gewesen, wie er einer interessierten Öffentlichkeit im Medienzentrum mitteilte. Eines Tages aber habe sich sein Zustand geändert, alle Werte spielten verrückt, er entschloss sich zu einer Schlauchmagen-Operation. Bei dieser Operation wird der Magen so verkleinert, dass nur noch ein schlauchförmiger Magenrest verbleibt. Der restliche Magen wird entfernt.

Betroffene erzählen von ihren Erfahrungen

130 Kilogramm habe er seit dieser Operation vor zwei Jahren verloren und fühle sich bestens. Keine Schmerzen, keine Probleme, nicht einmal auf Cola und Süßigkeiten müsse er verzichten, erzählt Dirk Obermann. Dabei seien eigentlich säurehaltige Getränke für die Patienten tabu. Doch er habe keine Probleme damit.

Nur einmal, als er ein wenig über seinen Hunger aß, sei ihm übel geworden. Sein Bauchumfang, sagt er stolz, sei von 250 cm auf 107 cm zurückgegangen. Seine Blutwerte seien wieder in Ordnung, seine Kondition habe sich enorm verbessert.

Männer verlieren leichter an Gewicht als Frauen

Nicht immer ginge es so leicht, dämpft Christel Moll vom Adipositas-Verband Deutschland die Erwartungen der Zuhörer. Marion, 51, und Anja, 48, hatten sich ebenfalls zur Operation entschlossen, nachdem sie eine wahre Diät-Karriere hinter sich hatten, mit entsprechendem Jo-Jo-Effekt. Erst die jeweilige Operation half, die Kilos purzelten, die Lebenslust stieg.

Doch ganz so leicht wie es Dirk fiel, ging es bei den Damen nicht. Männer würden schneller an Gewicht verlieren als Frauen, das hänge mit den vielen Diäten der meisten Frauen zusammen, so Moll. Auch ändere sich das Essvolumen bei den meisten Betroffenen nach einer Operation, man könne nur noch einen Bruchteil der Nahrung aufnehmen, anfangs nur schluckweise trinken. Auch das Essverhalten ändere sich oft. Was heute noch schmeckt, kann nach der OP nicht mehr verträglich sein.

Patienten sollten sich Operation gut überlegen

Eine Operation sollte gut überlegt werden, mahnt auch Chefarzt Dr. Peitgen. Auch wenn er der Meinung ist, in Deutschland würden zu wenig Adipositas-Patienten operiert. Vor der OP müsse nachgewiesen werden, dass man alle konventionellen Maßnahmen ergriffen habe, Sport inbegriffen, sonst genehmige die Kasse den Eingriff nicht.

Erst bei einem Body-Mass-Index von mehr als 50 kg/m² verzichteten die Krankenkassen auf den Nachweis eines multimodalen Konzeptes. In diesem Falle müssten nur Chirurg, Psychologe und Internist den Eingriff befürworten, so Klaus Peitgen. Auch sei eine Operation erst ab einem BMI von 30 kg/m² plus zusätzlicher Diabetes mellitus Typ 2 kassenärztlich vertretbar. Und dies bis zu einem Alter von 65 Jahren, eigentlich, doch Peitgen habe auch schon ältere Patienten operiert.

Lebensqualität gewinnen

Magenballon, das Magenband, die Magenschlauchbildung und der Magen-Bypass seien bei der Adipositas-Chirurgie die gängigen OP-Methoden. Welche für den Patienten die beste Methode sei, entscheide der Chirurg. In den meisten Fällen liefe dies auf den Magenschlauch heraus, bei stark adipösen Patienten seien oftmals zwei Operationen nötig – erst der Magenschlauch, dann nach Abnahme von 100 Kilo der Magen-Bypass, bei dem nur noch ein kleiner Magenrest verbleibt und auch die Darmpassage verkürzt werde.

Über eines müssten sich die Betroffenen klar sein – der Prozess einer Magenverkleinerung kann nicht rückgängig gemacht werden, man müsse sein Leben lang medizinisch kontrolliert werden, könne nur kleine Portionen, aber die mit Genuss, zu sich nehmen, gewinne dafür seine Lebensqualität zurück. Dies aber stellte ein Zuhörer am Ende der Tagung infrage: „Wirklich? Geht nicht auch ein Stück Lebensqualität verloren, wenn ich nicht mehr alles essen kann?“

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