Gestaltungssatzung

Denkmalschutz in Lohberg: Dinslaken legt Verfahren auf Eis

Die Gestaltungsvorschriften in Alt-Lohberg entsprechen nicht mehr in Gänze den heutigen Standards und werden überarbeitet.

Die Gestaltungsvorschriften in Alt-Lohberg entsprechen nicht mehr in Gänze den heutigen Standards und werden überarbeitet.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Die Stadt Dinslaken setzt Verfahren wegen Verstößen gegen die Gestaltungssatzung in Lohberg aus. Das Neubaugebiet ist davon aber ausgenommen.

Was ist wichtiger: Der Charakter der denkmalgeschützten Gartenstadt in Lohberg – oder die Lebenswirklichkeit der Bewohner? Diese Interessen sollen nun neu gegeneinander abgewogen werden. Die Stadt will die Gestaltungsvorschriften in Lohberg gemeinsam mit den Bürgern überarbeiten, um den Bewohnern des Stadtteils ein wenig entgegenzukommen. Dabei soll eine Gestaltungsfibel als Grundlage für die künftigen Vorschriften entstehen.

Das ist das Problem

Die 59-seitige „Satzung der Stadt Dinslaken für die Gestaltung der Zechensiedlung Dinslaken-Lohberg“ aus dem Jahr 2004 orientiert sich an der einheitlichen Gestaltung der Bergbausiedlung nach historischen Plänen und Bauakten zum großen Teil aus der Vorkriegszeit. Die Satzung schreibt unter anderem die farbliche und strukturelle und materielle Gestaltung der Fassaden, Treppen, Türen, Fenster und Fensterläden vor und soll auf diese Weise helfen, den Charakter der Bergbausiedlung zu erhalten.

Manche Vorschriften entsprechen allerdings nicht mehr heutigen Standards, wie die FDP in Dinslaken bereits im Frühjahr 2018 kritisierte. So können die Eingänge der Zechenhäuser etwa nicht barrierefrei gestaltet werden. Manche Eigentümer verwandelten die Anbauten hinter den Häusern – ehemals Toiletten – daher in Hintereingänge. Familien, die durch Geburten gewachsen sind, schufen auf ähnliche Weise mehr Wohnraum in den meist kleinen Zechenhäusern.

Damit verstoßen sie aber gegen die Gestaltungssatzung. Die Stadt leitete ordnungsbehördliche Verfahren ein, drohte mit Abriss. Nun wurden die Verfahren auf Eis gelegt. „Die Entscheidung wird ausgesetzt, da wir zunächst den weiteren Prozess im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts abwarten werden“, so Stadtsprecher Marcel Sturm. Nur wenn die Standsicherheit von Anbauten gefährdet war, sei „umgehend“ gehandelt worden.

Ein weiteres Problem sind die Innenhöfe. Dort hätten Eigentümer ihre Grundstücksparzellen eingezäunt. Das aber minimiere die gemeinschaftlich genutzten Flächen und behindere die Durchwegungen, so die Stadtverwaltung in einer Vorlage für die Politik.

So geht es weiter

In intensiver Zusammenarbeit mit den Eigentümern und Bewohnern soll die Gestaltungsfibel erarbeitet werden. Dabei geht es um „die Frage der Vereinbarkeit des Denkmalschutzes mit den Bedürfnissen, das individuelle Wohnumfeld den heutigen Standards anzugleichen“, so Marcel Sturm. Die Fibel soll dann wiederum mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. Das werde in etwa bis Mitte 2021 dauern, schätzt der Stadtsprecher.

Auf dieser Basis sollen modernisierungswilligen Eigentümern – auch an der Hünxer Straße – ebenfalls Fördermöglichkeiten im Rahmen des Hof- und Fassadenprogramms zur Verfügung gestellt werden. Ein „Stadtteilarchitekt“ soll die Eigentümer beraten.

In einem der Innenhöfe – zwischen der Koks-, Zechen-, Stein- und Schlepperstraße – hat die Stadt Dinslaken in Abstimmung mit Vivawest die Verkehrssicherungspflicht übernommen und sorgt dafür, dass der Innenhofcharakter erhalten bleibt. Ein weiterer Innenhof soll folgen.

Ausnahme: Neubaugebiet

Das Neubaugebiet auf der anderen Seite der Hünxer Straße ist von den Plänen ausgenommen. Hier „gelten die gestalterischen Festsetzungen des Bebauungsplans“, so Sturm. Diese sollten eigentlich die Strukturen der historischen Gartenstadt aufgreifen und deren Qualitäten in moderner Form aufnehmen.

Das allerdings sei, wie Planungsdezernent Thomas Palotz jüngst im Ausschuss beklagte, nicht gelungen, weil sich die Grundstücksbesitzer nicht an die Vorgaben halten würden. Diese sehen etwa Grundstückseinfriedungen in Form von Schnitthecken bis maximal 1,60 Metern Höhe oder als Holz-Staketenzaun vor. Stattdessen finden sich reihenweise meterhohe Stabmattenzäune oder Mauern in dem Bereich. Palotz beklagte auch den Bau von Swimmingpools. Anders als im historischen Teil von Lohberg ahndet die Stadt alle Verstöße im neuen Baugebiet. „Wir haben dort mehrere ordnungsbehördliche Verfahren eingeleitet. Zum Teil wurde bereits auch schon zurückgebaut“, so Sturm.

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Die Satzung „Gestaltung Zechensiedlung Dinslaken-Lohberg“ findet sich auf dinslaken.de unter Bürgerservice-Satzungen-Bauwesen.

Die Vorgaben für die Gestaltung im Neubaugebiet sind im Bebauungsplan 303_03 enthalten. Die Stadt hat auf ihrer Seite (Planen/Bauen - Stadtplanung - Bebauungspläne) das Geoportal des RVR verlinkt.

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