Toleranz-Projekt

Ein „Bekenntnis für das friedliche Zusammenleben“ in Voerde

Im Eingangsbereich des Helmut-Pakulat-Parks wird am 5. November der „Engel der Kulturen“ in den Boden eingelassen.

Im Eingangsbereich des Helmut-Pakulat-Parks wird am 5. November der „Engel der Kulturen“ in den Boden eingelassen.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Voerde.  Vor dem Helmut-Pakulat-Park wird am 5. November der „Engel der Kulturen“ verewigt. Das Toleranz-Projekt erfährt an dem Tag in Voerde sein Finale.

Der „Engel der Kulturen“ nähert sich dem Finale. In einer Woche wird das von Carmen Dietrich und Gregor Merten erdachte Projekt zur Förderung des interkulturellen und interreligiösen Dialogs in Voerde an prominenter Stelle „verewigt“ und damit im öffentlichen Raum wahrnehmbar gemacht. Das Objekt, in dem die beiden Künstler die Symbole der drei monotheistischen Religionen Christentum (Kreuz), Islam (Halbmond) und Judentum (Stern) in einem Ring vereint und in einer Weise angeordnet haben, dass bei Betrachtung des Ring-Inneren die Umrisse eines Engels erkennbar werden – wird in verkleinerter Form am Dienstag, 5. November, als Bodenintarsie im Eingangsbereich des Helmut-Pakulat-Parks verlegt. Zuvor werden die Teilnehmer sechs Stationen ansteuern.

Startpunkt ist am Bürgerhaus in Möllen

Mit dabei ist die „rollende Stahlskulptur“ mit einem Durchmesser von 1,50 Meter, die während des Fußweges zu den Zielen bewegt wird und mit deren Hilfe – auf dem Boden liegend und als Schablone dienend – die geplanten temporären Sandbilder vom „Engel der Kulturen“ gestaltet werden. Die von den Künstlern gewählte Formation der religiösen Symbole in diesem Ring visualisiert für sie nicht beabsichtigt und damit überraschend die Umrisse dieses Himmelsboten.

Startpunkt des mehrstündigen Programms zum Finale des Projekts „Engel der Kulturen“ in Voerde ist an dem Tag am Bürgerhaus in Möllen, wo die Veranstaltung um 10 Uhr von Seiten der Stadt eröffnet wird. Die Begrüßungsworte erfolgen durch den Hodscha. Die Künstlerin Carmen Dietrich, die wie Gregor Merten am 5. November dabei sein wird, stellt das Projekt im allgemeinen vor. Eine Vertreterin des Organisationsteams wird darauf eingehen, wie es in Voerde mit Leben gefüllt wird. Auf dem Möllener Marktplatz wird ein „vergänglicher“ Engel aus Sand platziert. Eine halbe Stunde nach Beginn startet die Wanderung zu den weiteren Stationen.

Nach einem etwa halbstündigen Aufenthalt am Tennisheim von Rot-Weiß Möllen, wo die Möglichkeit zu einer leichten Stärkung besteht und gesungen wird, ist für 11.45 Uhr die Ankunft am Mahnmal Buschmannshof geplant. Einige Schüler aus dem Auschwitz-Projektkurs „Gegen das Vergessen“ am Gymnasium Voerde werden über die Geschichte des Ortes an der Straße Am Kindergarten sprechen. Auch dort wird der „Engel der Kulturen“ als Sandbild auf den Boden gebracht.

Zur vierten Station, dem Kirchhof der katholischen Gemeinde St. Paulus am Akazienweg, brechen die Teilnehmer gegen 12.15 Uhr auf. Die Ankunft dort ist für etwa eine Viertelstunde später terminiert. Dabei sein werden Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde sowie des Türkischen Kulturvereins. Die Teilnehmer – darunter auch Grundschüler – werden ein Friedensnetz knüpfen. An dieser Station und auch an der sechsten wird der „Engel der Kulturen“ ebenfalls zumindest für kurze Zeit sichtbar Spuren aus Sand hinterlassen.

Kinder der Comenius-Gesamtschule Voerde stellen Kunstprojekt vor

Nach einer kurzen Snackpause am Seniorenheim an der Bahnhofstraße findet sich die Gruppe gegen 13.45 Uhr an der Comenius-Gesamtschule ein. Dort stellt eine sechste Klasse ein Kunstprojekt vor, Wünsche für ein tolerantes Leben werden miteinander geteilt. Ein von einer Schülerin verfasstes Gedicht wird vorgetragen. Schließlich erfolgt der Aufbruch zum siebten und letzten Ziel: dem Helmut-Pakulat-Park.

Im Eingangsbereich wird der „Engel der Kulturen“ in Form eines Rings aus Stahl, blau eingefärbtem Spezialbeton und einem Rahmen aus Aluminium in den Boden eingelassen, wie es in einer Broschüre zu dem Kunstprojekt beschrieben wird. Die quadratförmige Intarsie misst 65 mal 65 Zentimeter. Im Anschluss an die Verlegung wird unter Einsatz eines Schneidbrenners das gleiche Zeichen für die nächste Stadt hergestellt, die an dem Kunstprojekt teilnimmt. „Nach dem Ausbrennen werden die Teile mit dem Vorschlaghammer voneinander getrennt“, heißt es weiter. Der dadurch entstehende Ring werde später im Atelier der Künstler mit blau eingefärbtem Beton ausgegossen und so zur Bodenintarsie weiterverarbeitet. Wohin das in Voerde vorgefertigte Zeichen reisen wird, ist noch offen. Die Bodenintarsie für Voerde wurde in Gelsenkirchen gebrannt.

Die inneren Formen der Ringe, die beim Ausbrennen entstehen, werden am Rand mit dem jeweiligen Ort und Datum der Aktion versehen. Sie werden aufeinander geschichtet und bilden so die nach und nach wachsende „Engel-der-Kulturen“-Säule für Jerusalem, die 2021 dort in der Altstadt aufgestellt werden soll.

Stadt hofft auf rege Teilnahme

Die Stadt Voerde, die in die Umsetzung des Kunstprojektes eingebunden ist, hofft auf eine rege Teilnahme der Voerderinnen und Voerder am 5. November. Die Aktion sei ein „Bekenntnis für das friedliche Zusammenleben“, erklärt Iris Rutert, die bei der Stadt mit Asylangelegenheiten und der Flüchtlingshilfe betraut ist. Dass das eigentliche Finale vom „Engel der Kulturen“ mitten in der Woche stattfindet – was Berufstätigen eine Teilnahme erschwert – begründet sie mit dem „sehr engen Terminplan“ der Künstler.

Der Anstoß, die Kunstaktion „Engel der Kulturen“ nach Voerde zu holen, kam laut Iris Rutert vom Frauenzentrum Voerde mit dessen Frauen-AG Lokale Agenda. Zum Kreis derer, die das Kunstprojekt seit Start in der Stadt vielfältig mit Leben füllten, gehören Schulen, Kirchengemeinden, Türkische Kulturvereine, Jugendzentren, verschiedene Netzwerke, Vereine und Ehrenamtliche.

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