Gärtner in der Stadt – der neue Trend

Dinslaken.   Tomaten oder Pfirsiche auf dem Balkon anbauen, ein Gemüsebeet auf dem Dach der Kathrin-Türks-Halle oder ein Gewächshaus im Kreisverkehr? Warum nicht? Gärtnern in der Stadt liegt im Trend und bringt durchweg positive Aspekte mit sich.

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Tomaten oder Pfirsiche auf dem Balkon anbauen, ein Gemüsebeet auf dem Dach der Kathrin-Türks-Halle oder ein Gewächshaus im Kreisverkehr? Warum nicht? Gärtnern in der Stadt liegt im Trend und bringt durchweg positive Aspekte mit sich.

Immer häufiger wird gegärtnert – und zwar ökologisch, oft auch gemeinschaftlich. Zum „urban gardening“ gehört das Pflanzen in Reissäcken und Milchtüten, auf Brachflächen oder auf Dächern. Ungenutzte Fläche umwandeln, darum geht es beim „städtischen Gärtnern“. Wichtig ist dabei auch der regionale und saisonale Aspekt der Selbstversorgung: Eigenanbau schont Klima und Ressourcen. Was umfasst „urban gardening“ genau? Und welche Vorteile hat das städtische Gärtnern?

„Wir sind sehr an gesunder Ernährung interessiert, pflanzen daher unser eigenes Gemüse an“, erzählt Gert Lettgen. Der gebürtige Dinslakener ist Diplom-Ingenieur für Gartenarchitektur und freiberuflicher Gutachter von Pflanzen für das Qualitätsmanagement deutscher Baumarktketten. „Der ökologische Aspekt ist uns sehr wichtig. Wir haben unser Gemüse direkt vor der Haustür und durch kurze Wege keinen Qualitätsverlust, außerdem wissen wir, woher es stammt.“

Vor zwei Jahren nahm er an einem Kongress der TU-München zum Thema „urban gardening“ teil und folgte als Zuhörer vielen Vorträgen zur nachhaltigen Nahrungsversorgung der Menschheit in der Zukunft. „Zur Zeit leben etwa 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde, etwa 50 Prozent davon in Städten, in 2050 werden es 11 Milliarden sein, davon dann 70 Prozent in Städten“, so der Experte, „es ist Zeit, sich über nachhaltige Ernährung unter ökologischen Aspekten Gedanken zu machen.“ Die Grünflächen in den Städten würden weichen, Alternativen müssten her.

Sein Interesse führte Lettgen, der mittlerweile seit 30 Jahren in der „grünen Branche“ tätig ist, im Herbst letzten Jahres in die USA, dem Ursprungsland des „urban gardening“. Neben vielen Dachgärten gibt es dort, beispielsweise in Los Angeles und New York City, Restaurants, die auf Wolkenkratzern ihre eigenen Gewächshäuser betreiben, um ihre Gäste mit frischem Gemüse zu versorgen. In Pasadena, Kalifornien, trifft er eine Familie, die vor einigen Jahren begann, Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen. „Mittlerweile ziehen sie auf 320 Quadratmetern Obst und Gemüse für die benachbarte Schule mit 200 Schülern. Diese Art von Anbau wird „urban farming“ genannt, da es mehrere Abnehmer gibt“, erzählt er. In Long Beach, einem Ortsteil von Los Angeles, befindet sich in einem alten Flugzeughangar die größte Obdachlosenunterkunft an der Westküste der USA. Dort wurde, um den Obdachlosen eine sinnvolle Aufgabe zu geben, in 2011 die „non-profit“ Gesellschaft „Grow Good“ aufgebaut. 2016 produzierte diese 4500 Pfund frisches Gemüse für das anliegende Obdachlosenheim. Auch gute Ideen haben sie, die Amerikaner.

Gärtnern in der Stadt wirkt sich positiv auf eine nachhaltige Stadtentwicklung sowie die Sensibilisierung nachhaltiger Lebensstile aus. Und wenn man es gemeinsam angeht, begegnen sich die Menschen, es entstehen Gemeinschaften und somit Engagement für die Stadtteile.

Viel braucht man dazu nicht, der gute alte Balkonkasten reicht schon aus, um einen kleinen Balkon in ein grünes Kräuterparadies zu verwandeln. Übrigens, die Farbe des Jahres heißt „greenery“. Vielleicht ein Wink, umzudenken und zu beginnen. Dunja Vogel

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