„Kunst statt Leerraum“

KSL-Künstler beziehen ihr Wochenquartier in Dinslaken

Künstlerin Stella Juliano von „Aus Kinderhand“ bereitet ein Atelier vor. Thomas Baumann unterstützt sie.

Künstlerin Stella Juliano von „Aus Kinderhand“ bereitet ein Atelier vor. Thomas Baumann unterstützt sie.

Foto: Markus Joosten

Dinslaken.   Die fünfte Auflage von KSL startet. Während die Kreativen ihre Ateliers vorbereiten, beseitigen Organisatoren unter anderem Schutt und Scherben.

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Schutt und Scherben – die Spuren der Verwüstung, die Einbrecher irgendwann in den vergangenen Wochen auf der Suche nach Kupfer hinterlassen haben, sind am Montagmittag noch auf dem ersten Treppenabsatz zu sehen. Es hallt; irgendwo oben hämmert jemand.

Immer den Geräuschen nach, geht es hinauf in die erste Etage des Hauses des Handwerks, das bereits im vergangenen Jahr als Wirkungsstätte für die Künstler bei „Kunst statt Leerraum“ (KSL) diente und eigentlich längst hätte abgerissen sein sollen. Ben Perdighe, der Organisator von „Kunst statt Leerraum“, ob der irgendwo hier zu finden ist? Nein, dafür aber Susanna Perdighe, seine Tante. „KSL ist in diesem Jahr ganz in Familienhand“, sagt sie, lacht und bietet einen herzlichen Händedruck sowie das Du an. „Ben? Der ist grad nicht da. Er ist am Flughafen, holt einen Künstler ab“, sagt sie und offeriert trotz Viel-zu-Tuns einen Rundgang.

Die Besichtigung beginnt im Erdgeschoss

Gemeinsam geht es hinunter, die Besichtigung beginnt im Erdgeschoss. Im Eck des an Friedrich-Ebert- wie Kolping-Straße grenzenden Hauses hat Nikita Golubev aus Moskau bereits sein künstlerisches Quartier für diese Woche bezogen. Malereien mit Wasserfarben will der Autodidakt hier verwirklichen; auf Wänden, vielleicht auch auf den großen Schaufenstern. „Hier muss etwas Einzigartiges entstehen, etwas, das diesem perfekten und einzigartigen Raum gerecht wird“, sagt der russische Künstler und blickt auf seinen Schaffensbereich. Insgesamt 48 weitere Künstler werden im Laufe des Tages hinzukommen und bis Ende der Woche die anderen Räume mit ihrer Kunst beleben.

Dabei bleibt ihnen offen, ob sie das im Haus des Handwerks 2017 begonnene Werk fortführen – oder komplett auf den Kopf stellen. „Farbe zum Übermalen steht bereit“, sagt Susanna. Sie geht voran, zurück in Richtung des Treppenhauses, hinauf in die erste Etage.

„Wie die Villa Kunterbunt – alles ist möglich“

Von der Farbe zum Übermalen macht Martin Piekarski von „Escape Stuff“ in seinem „Atelier“ keinen Gebrauch: Er tapeziert stattdessen mit Backpapier und wird anschließend Teile seiner Foto- und Messing-Arbeiten in dem Raum ausstellen. „Total geil hier“, sagt der 29-jährige Duisburger. „Wie die Villa Kunterbunt – alles ist möglich.“ Piekarski nimmt zum ersten Mal an KSL teil, Künstlerkollege Maik Rokitta hat ihn geworben. Auch der 45-Jährige ist am Mittag damit beschäftigt, sein Zimmer vorzubereiten – als „Formwechsel“ schafft der Gelsenkirchener Kunstwerke aus alten Skateboards. Die und seinen Hund hat er mit dem Wohnmobil angekarrt, das im Hinterhof stehen und die Woche über als Bleibe dienen darf. „Die Anreise aus Gelsenkirchen ist schließlich nicht ohne“, sagt er und lacht.

Susanna führt durch weitere Räume des Hauses: Mal zieren die Wände dort noch Kunstwerke aus dem Vorjahr, mal sind sie schlicht gehalten. Immer wieder liegen Schutt und Scherben auf dem Boden, viele Fußleisten haben die Einbrecher gar herausgerissen. „Wir haben es noch nicht geschafft, alle Spuren zu beseitigen“, sagt Susanna. Mit Aufräumarbeiten hat das Organisationsteam nicht gerechnet. „Immerhin fließt wieder Strom.“ Auch zwei intakte Toiletten gibt es im Haus (mit Wasserkanister), die Stadtbibliothek gegenüber sowie das Museum Voswinckelshof in fußläufiger Nähe bieten den Künstlern die „nette Toilette“. Diejenigen, die im Haus – im „Hotel KSL“ wie Organisator Ben Perdighe es im vergangenen Jahr liebevoll nannte – übernachten, dürfen zudem im Hexenhaus daneben duschen.

>> WEITERE TERMINE

  • Retrospektive – Fünf Jahre KSL: Im ersten künstlerischen Rückblick werden Werke teilnehmender Künstler der vergangenen Jahre gezeigt. Ausstellungseröffnung im Dachgeschoss des Museums Voswinckelshof, Elmar-Sierp-Platz 6, ist am morgigen Mittwoch, 16 Uhr. Die Ausstellung ist jeweils von Dienstag bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr, zu sehen – und zwar bis Sonntag, 24. Juni.
  • KSL-Kurzfilmpreis: Musik-Video, Doku oder Arthouse-Film – beim KSL-Kurzfilmpreis ist alles erlaubt, einzig die Dauer von acht Minuten pro Beitrag darf nicht überschritten werden. Der Eintritt ist frei, Besucher werden aber gebeten, Stuhl, Kinosessel oder Picknickdecke sowie Kleingeld mitzubringen. Donnerstag, 14. Juni, 18 Uhr, Haus des Handwerks, Friedrich-Ebert-Straße 90.
  • „Nerd Nite“: Eine Ausstellung lokaler Talente und Ideen. Jeder der fünf Vorträge handelt von einem Thema persönlichen Interesses. Die Themenfelder sind nicht festgelegt. Freitag, 15. Juni, 19 Uhr, im Haus des Handwerks, Friedrich-Ebert-Straße 90.

Programmhefte und Poster gibt es in der Stadtinformation am Rittertor sowie im Haus des Handwerks. Sie kosten 3 Euro. Mehr Info zu KSL gibt es außerdem im Netz auf www.ksl-dinslaken.de sowie auf Facebook .

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