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„Omas gegen Rechts“ kämpfen in Dinslaken gegen Rassismus

Der harte Kern der Dinslakener Gruppe „Omas gegen Rechts“ (v.li.) : Uschi Schwarz, Sybille Schaal, Dagmar Bergs, Reiner Langer und Helga Niessing.

Der harte Kern der Dinslakener Gruppe „Omas gegen Rechts“ (v.li.) : Uschi Schwarz, Sybille Schaal, Dagmar Bergs, Reiner Langer und Helga Niessing.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Dinslaken.   In Dinslaken haben sich „Omas gegen Rechts“ gegründet. Die Frauen setzen sich gegen Ausgrenzung ein - und haben auch zwei Opas aufgenommen.

Sie sind mutig. Und sie sind frech. Eine Demo gegen Neonazis? Die „Omas gegen Rechts“ stehen in der ersten Reihe. Ein AfD-Stand in der Innenstadt? Die „Omas gegen rechts“ positionieren sich direkt gegenüber. Vor einem halben Jahr haben sich die renitenten Seniorinnen in Dinslaken zusammengetan. „Alter hat etwas mit Lebenserfahrung zu tun. Wir wollen nicht irgendwann gefragt werden: Was habt Ihr dagegen getan?“ Sagt Sybille Schaal, eine der beiden Gründerinnen der Dinslakener Gruppe.

So fanden sie zusammen

Bei der „Demo gegen Rechts“ im November vergangenen Jahres in Dinslaken hatten Sibylle Schaal und Dagmar Bergs den selben Gedanken. Dagmar Bergs ging mit einem „Omas gegen Rechts“-Logo auf der Jacke zur Demo, ärgerte sich noch, „dass wir so weit laufen mussten während die AfD-Leute per Shuttle gefahren wurden. Und plötzlich stand eine mit einem Schild neben mir.“ Das war Sybille Schaal, die von der Initiative aus Österreich auf Facebook gelesen hatte.

„Alt sein heißt nicht stumm sein“

Weil man „zu zweit ja eine Gruppe ist“, hat Sybille Schaal sofort zuhause eine Facebook-Gruppe „Omas gegen Rechts Dinslaken“ eingerichtet – mit Hintergrundinfos und einem Grundsatztext: „Wir setzen uns ein für eine demokratische, rechtsstaatlich organisierte, freie Gesellschaft, wir sind gegen faschistische Tendenzen, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung Behinderter, alter Menschen und Ausländer, Rassismus, Sozialabbau, Frauenfeindlichkeit“ heißt es da etwa -- und dass die „Omas“ solche Missstände öffentlich machen wollen. „Alt sein heißt nicht stumm sein“ ist das Motto der Bewegung.

Eine Oma muss weder alt noch Frau sein

Mittlerweile gehören 26 „Omas“ zu der Gruppe. Wobei: Eine „Oma gegen Rechts“ muss nicht zwangsläufig Oma sein. Auch nicht alt. Die meisten „Omas“ sind in den 60ern, die Jüngste ist 46, die Älteste 69. Sie muss noch nicht einmal weiblich sein. Auch zwei Opas gehören dazu – einer davon ist der Künstler Reiner Langer. „Oma – das ist eine Auszeichnung“, sagt Sybille Schaal.

Gerade junge Leute finden die engagierten „Omas“ mit dem griffigen Namen einfach cool. „Wir sind noch nie so oft fotografiert worden wie bei der Europa-Demo in Köln“, berichtet Sybille Schaal und schwärmt von „jungen Leuten, die uns gewunken und den Daumen gehoben haben.“ Sie weist auf den Button der „Omas gegen Rechts“ – die gingen bei den jungen Leuten weg wie warme Semmeln.

Das ist ihr Anliegen

Vom Krieg und vom Hunger, vom Aufwachsen im Lager und von Buttermilchsuppe erzählen die Omas der Jugend – und vom Schweigen der Eltern zu den Verbrechen der Nazis. „Warum habt Ihr nichts gemacht?“ Das hat nicht nur Reiner Langer seinen Vater gefragt. Das war die Frage seiner Generation. Diese Erfahrungen wollen die Frauen und Männer an jüngere Menschen weitergeben. „Es muss etwas bleiben“, fasst Uschi Schwarz zusammen.

„Noch nie so hohen Werteverlust und so viel Hass erlebt wie gerade“

Nicht einmal bei der ganz jungen Generation Smartphone sondern eher bei den, so Sybille Schaal, „Mittelalten“, die sich vor allem auf sich und ihren Job konzentrieren sehen die „Omas“ die größten Wissenslücken. Und das sei möglicherweise auch ein Versäumnis der Älteren: „Wir haben gearbeitet, damit es den Kindern besser geht.“ Das habe funktioniert – „aber die Unzufriedenheit ist größer denn je“. Und noch nie habe es „so hohen Werteverlust und so viel Hass wie gerade“ gegeben. „Und Respektlosigkeit“, fügt Reiner Langer noch hinzu.

Angst? Niemals! Die „Omas“ haben höchstens einmal Rücken

Wenn die Omas, wie in Dinslaken geschehen, von Rechten angemacht und angepöbelt werden – dann schrecken sie nicht zurück. Sondern eignen sich in einem Seminar an, wie sie Stammtischparolen noch besser wechseln können. Angst? Haben sie nicht. Dass alle anderen Parteien vor der Europawahl ihnen an ihrem Infostand Respekt gezollt haben und dass sogar der stellvertretende Bürgermeister Eyüp Yildiz bei ihnen war, „das baut auf.“

Es könnte höchstens einmal passieren, dass eine bei einer Demo Rücken hat. Oder Rheuma, wie Uschi Schwarz, die deswegen die Demo in Köln absagen musste. Aber sonst hält sie nichts davon ab, Flagge zu zeigen. Auch die nächsten „Fridays for Future“-Demo wollen sie besuchen. Nicht, um die jungen Leute zu kritisieren. Sondern mit Flyern. Text: „Oma ist stolz auf Dich.“

>>Hintergrund und Kontakt

Die Initiative „Omas gegen Rechts“ wurde 2017 in Österreich von Monika Setzer gegründet. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland etwa 50 Gruppen, weitere werden gegründet. Infos: omasgegenrechts.de .

Die Dinslakener Gruppe ist über ihre Facebookgruppe erreichbar und trifft sich jeden zweiten Sonntag im Café Kostbar.

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