Gaststätte Maaß

Pont Neuf: Russische Lieder und Dinslakener Mädchen

Pont Neuf mit Volker Bellingröhr, Thomas Baumann und Stefan Lücking (v.l.) begeisterten am vierten Adventssonntag in der Gaststätte Maaß wieder das Publikum beim alljährlichen „Folk am Fierten“.

Pont Neuf mit Volker Bellingröhr, Thomas Baumann und Stefan Lücking (v.l.) begeisterten am vierten Adventssonntag in der Gaststätte Maaß wieder das Publikum beim alljährlichen „Folk am Fierten“.

Foto: Jochen Emde

Dinslaken.   „Folk am Fierten“ bei Maaß. Das Trio Pont Neuf zelebrierte das traditionelle Weihnachtskonzert mit Mitmachliedern in Dinslakens Traditionskneipe.

Wer sich immer mal gefragt hat, wo Menschen ihre Weihnachts-Strickpullover mit merkwürdigen Motiven, Röcke mit Zuckerstangen-Aufdruck oder gar Rentiergeweih-Kopfschmuck mit Glöckchen tragen, wurde am Sonntag bei Maaß fündig. Getreu dem Motto, dass besondere Konzerte auch besondere Kleidung von den Gästen verlangen, hatten sich einige Damen im Publikum in stilecht britische Party-Kleidung geworfen.

Denn englische Weihnachtslieder gehörten im letzten „Folk am Fierten“ vor dem Brexit natürlich dazu. Genau wie Lieder aus Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Polen und ganz neu – Russland. Und etwas anders als andere Dinslakener Weihnachtkonzerte ist das Traditionskonzert bei Maaß auch. Dafür sorgen Pont Neuf – Thomas Baumann, Volker Bellingröhr und Stefan Lücking – nicht nur musikalisch, sondern auch mit ihrer Show, die trotz oder gerade wegen ihrer streng ritualisierten Mitmachnummern und verlässlichen kommenden Gags auch immer wieder Überraschungen zu bieten hat.

Derer gab es in diesem Jahr reichlich. Politische Anspielungen zum Beispiel: Stefan Lücking sang nicht nur russisch, er trug dazu eine stilechte Fellmütze. „Wir haben einen neuen input – oder war es andersherum, putin“ kalauerte Thomas Baumann, während Volker Bellingröhr es mehr auf die Grenzproblematik auf der irischen Insel nach dem Brexit abgesehen hatte: Im Publikum gab es einen Gast aus Belfast. Aber als dieser die Aufmerksamkeit des Trios erhielt, war dann auch wieder alles beim Alten, so wie es sein soll: Bei der „Belle of Belfast City“ wird in die Pause auf der vierten Zählzeit geklatscht und für den Gast aus der Stadt zum Lied gab’s Einzelunterricht für „die linke und die rechte Hand, die zusammen eine große Koalition eingehen“.

Klatschen ist eine Sache, bedauernde „oohs“ die andere. Diese kommentieren in der Regel Schicksale wie das von Molly Malone. „Wir erfassen hier an dieser Stelle die Tragik der Situation“, pflegt Thomas Baumann zu sagen und das Lied für einen Moment zu unterbrechen.

Aber gestern sagte er den Satz schon viel früher. Eigentlich als man glaubte, Volker Bellingröhr würde nach den einleitenden Worten über die Veränderungen des sich dem Ende neigenden Jahres den Toten des Jahres bekannt geben. Aber tatsächlich ging es um die Trennung von Helene Fischer und Florian Silbereisen. „Helene soll schon einen Neuen haben – Stefan wird uns später mehr dazu sagen...“ Doch Stefan sagte nichts, er sang lieber: Für ihn und Thomas Baumann war der Tote des Jahres natürlich Charles Aznavour: Die beiden hatten Pont Neuf ursprünglich als Chanson-Duo gegründet, es gehört zu den bemerkenswerten Merkwürdigkeiten, dass dieses Duo dann vom ersten Auftritt an mit Volker Bellingröhr als Trio Folk spielte.

Und eben jener Volker Bellingröhr hielt dann auch die Würdigung seines Toten des Jahres dagegen: Ingo Insterburg. Ihm zu Ehren sang er eine neue Version von „Ich liebte ein Mädchen in...“, eine Version, die es verdient hätte, Teil des „Folk am Fierten“-Kanons zu werden wie es die „Twelve days of Christmas“, „Star of the County Down“, das kölsche Dreikönigslied und so manch anderes altes Weihnachtslied „elke jaar“ (jedes Jahr) sind. Volker Bellingröhr beginnt mit „Ich liebte ein Mädchen in Dinslaken, das hatte ein Piercing mit Widerhaken“ und reimt sich dann auf diese Weise zunächst durch alle Stadtteile und dann durch alle einschlägigen Gaststätten der Stadt. Der Kreis schließt sich dann vor Ort: „Ich liebte ein Mädchen bei Maaß, ja das war’s.“

„Das war’s“ gilt in diesen Tagen auch für den deutschen Bergbau. Und deshalb gab es eine letzte Überraschung bei der Zugabe. Zum Intro von „Guantanamera“ zog das Trio nicht Instrumente fürs Publikum, sondern eine Bergmannsfigur aus dem Koffer: Der Moment, an dem alle in der Gaststätte gemeinsam das „Steigerlied“ anstimmten.

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