Festival

Ruhrpott Rodeo in Hünxe lockte Besucher auf den Flugplatz

Große Sprünge: Während England ins WM-Halbfinale einzog, hoben Booze & Glory aus London auf der Rodeo-Bühne ab.

Große Sprünge: Während England ins WM-Halbfinale einzog, hoben Booze & Glory aus London auf der Rodeo-Bühne ab.

Foto: Heinrich Jung

Hünxe.   Ruhrpott Rodeo mit seiner Vielfalt von Hardcore bis Funpunk lockte drei Tage lang jeweils 7000 Besucher aufs Gelände am Flugplatz Schwarze Heide.

Schon das Banner an der Einfahrt zu den spätestens am frühen Samstagabend restlos vollen Parkplätzen setzt ein erstes Statement: „Welcome to the Ruhrpott Rodeo – Glück auf!“ Axel Schwers dreitägiges Punkrock-Ereignis ist ein Kind der Region, aber es lockt ebenso Fans und Künstler von überall her auf das Festivalgelände am Flugplatz Schwarze Heide. 7000 pro Tag waren es an diesem Wochenende. Da lachte nicht nur die Sonne. „Alles traumhaft und das Wetter perfekt“, sagte Schwers am Samstagnachmittag strahlend.

Nun, etwas Schwund ist immer. Das von Pennywise, WIZO, The Toy Dolls, Anti Flag und Feine Sahne Fischfilet angeführte Line-up ließ an sich keine Wünsche offen. Aber das ausgerechnet die Flensburger Turbostaat kurzfristig krankheitsbedingt absagen mussten, sorgte doch für etwas Enttäuschung gerade bei denen, die auf geradlinigen Punkrock ebenso stehen wie auf aussagekräftige und lyrisch anspruchsvolle Texte.

Dem Auftritt von WIZO fieberten viele entgegen

Übernachtung auf dem Zeltplatz und am Samstag auf WIZO freuen: Dem Auftritt der Sindelfinger, die seit den 80er-Jahren wie keine andere deutsche Band den Drahtseilakt zwischen Spaß, Provokation und Politik zelebrieren, fieberte jeder entgegen, mit dem man sprach. Die Hitze brennt auf das verdorrte Gras, aber der Rodeo-Bulle dreht sich beständig.

Einerseits sind die Temperaturen schön, um T-Shirts und Tattoos vorzuzeigen, andererseits fordern sie auch ihren Tribut: Erschöpfung, Kreislauf. 480 Hilfeleistungen verzeichnete Martin Götze, Einsatzleiter der DRK-Ortsgruppe Oberhausen allein von Freitag bis Samstag gegen 20.30 Uhr, „von Insektenstichen mit allergischer Reaktion und Alkoholvergiftung bis Knochenbrüche beim Tanzen“.

Beim Pogen bricht so manche Nase

Gebrochene Nasen beim Pogen klingen nach einem harten Festival. Ebenso wie die Wut, die Lou Koller von Sick of it all herausschreit. Aber zwischen Old School Hardcore und Funpunk mit dem Bier in der Hand feiern beim Ruhrpott Rodeo Menschen, für die soziales Denken und Handeln keine leeren Worthülsen in Liedtexten sind.

Auch das bestätigt Martin Götzke und scheut auch keine Vergleiche mit dem Hip Hop-Festival am Wochenende zuvor: „An sich ist es wirklich friedlich und die Leute hier helfen sich gegenseitig. Sie kümmern sich, wenn einer am Boden liegt. Letzte Woche sah man das nicht, dass die Besucher sich gegenseitig ansprachen und fragten, ob alles in Ordnung sei.“ Auch habe der Veranstalter (Axel Schwers, Anm. d. Red.) für mehr Schatten Sorge getragen: „Die Sonnenschirme standen vergangene Woche nicht hier.“

„Kein Bock auf Nazis“ gehört zum Punk-Geist

Solidarisches Handeln. Es gehört zum Punk-Geist ebenso wie die Einstellung gegen Rechts. Am Stand von „Kein Bock auf Nazis“ bietet „der Höhn“ Bändchen gegen Spenden an. „Wir finanzieren damit Infomaterial für Jugendliche.“ Früher galten die klaren Fronten linker Punk gegen Neonazis.

Heute sei die gesellschaftliche Situation angesichts des Erstarkens der AfD eine andere: „Viele, die auf uns zukommen, sind nicht politisch engagiert, aber gegen Rechts. Sie fragen, wie argumentiere ich dagegen in der Schule oder am Arbeitsplatz?“ Es gehe um zivilgesellschaftliches Engagement, im Punk verbunden mit Musik.

Schmeisig sprangen kurzfristig für Turbostaat ein

Auch ein Grund für „Höhn“, am Stand auf dem Ruhrpott Rodeo zu stehen. Seine Favoriten: ZSK, die die Aktion „Kein Bock auf Nazis“ einst ins Leben riefen und die für ihr Engagement gegen Rechts bundesweit bekannten Feine Sahne Fischfilets.

Dass bei alldem der Spaß nicht zu kurz kam, dafür sorgten Sondaschule mit ihrem Überraschungs-Akustikset, Schmeisig, die kurzfristig für Turbostaat einsprangen und die Begründer des Funpunks überhaupt: The Toy Dolls ließen „Nelly the Elefant“ mit großem „Woooh“ durchs fröhlich mitsingende singende Publikum trampeln.

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