Abokonzert

Adam Fischer erschüttert die Düsseldorfer Tonhalle

100 Minuten voller Klangwunder: die Symphoniker und ihr Chefdirigent Adam Fischer beim Abokonzert in der Tonhalle.

Foto: Susanne Diesner - Photography for Art and Music

100 Minuten voller Klangwunder: die Symphoniker und ihr Chefdirigent Adam Fischer beim Abokonzert in der Tonhalle. Foto: Susanne Diesner - Photography for Art and Music

Düsseldorf.   For Gustav Mahler-Fans ein Muss: Die Düsseldorfer Symphoniker und ihr Chefdirigent bauen beim Konzert in der Tonhalle berstende Eruptionen auf.

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Gustav Mahler war in seinen Symphonien weniger ein Welten-Deuter denn ein Erzähler. In seiner „Dritten“ berichtet er musikalisch von der rohen Materie, von Blumen und Tieren, von Menschen und Engeln bis zur „göttlichen Liebe“. „Symphonie heißt mir eben: mit allen Mitteln der vorhanden Technik eine Welt aufbauen“, schrieb er.

Und eine Welt voller Farben, Spannung und berstenden Eruptionen bauen jetzt die Symphoniker und ihr Chefdirigent Adam Fischer beim Abokonzert in der Tonhalle auf. Die große Orchester-Besetzung, der Frauenchor des Musikvereins, der Mädchenchor der Clara-Schumann-Musikschule und die Altistin Anna Larsson mit wunderbar samtigem Timbre bescheren ein gewaltiges, dann wieder lyrisch feinnerviges, am Ende mitreißendes Klangerlebnis. Die Zuhörer in der voll besetzten Tonhalle werden das so schnell nicht vergessen.

Die Symphoniker sind seit einiger Zeit in Bestform

Die Symphoniker sind seit einiger Zeit an allen Pulten (nicht nur bei den hier extrem geforderten Blech- und Holzbläser-Gruppen) hoch motiviert, präzise und in Bestform. Die Konzentration ist enorm, zumal schwebende Mikrophone darauf deuten, dass auch dieses Konzert aufgenommen und später als Live-CD erscheinen wird. Kaum zu glauben, dass vor einigen Jahren noch der frühere GMD Boreyko mal meinte, das Orchester sei Mahler nicht gewachsen

In knapp 100 Minuten breiten hohe und tiefe Streicher nicht nur verschwenderischen Schönklang aus, elektrisieren nicht nur die Schlagwerke, acht Hörner, vier Posaunen, vier Trompeten und ein Posthorn (aus der Lichtregie-Kabine) gewaltige Klangausbrüche und zart tendelnde Folklore – sie halten außerdem die Spannung bis zum finalen Groß-Akkord. Sie bestechen zudem durch einen balancierten Sound, der selbst in den extremen Tutti-Ausbrüchen differenziert bleibt und fern von laut schepperndem Fortissimo.

C-Moll-Monolit entfacht kindliche Bimbam-Heiterkeit

In sechs Sätzen führt dieser gewaltige C-Moll-Monolit (1902 in Krefeld uraufgeführt) in die Tiefen der Erde, beleuchtet mit einem Weckruf von acht Hörnern menschliche Existenz, entfacht aber auch naiv kindliche Bimbam-Heiterkeit. Die Atmosphäre schwankt zwischen Wagnerscher Schwere und heiter schwingender, manchmal grell aufspielender Volksmusik. So reich an Facetten und Stimmungen, die in Sekundenschnelle wechseln können, sind nur wenige Werke. All’ das gelingt Fischer und seinen Musikern erstaunlich sicher, ohne vordergründige Effekte oder plakativen Nervenkitzel.

Sehr langsam, „misterioso“ dann das Mitternachtslied. Die königliche Hofopernsängerin Anna Larsson aus Stockholm thront wie eine Majestät auf dem Rang und umhüllt den Hörer mit dem Gesang „O Mensch, gib acht!“ Wie ein rufender Engel, der vor Unheil bewahren will, schickt sie ihren tiefen, weichen und weit ausschwingenden Wagner-Alt von oben in das Parkett und in die Tonhallen-Kuppel. Großes Welttheater, das kurz später übergeht in das „Bimm bamm“ des ‚Armen Kinder Bettlerlied“.

Fazit: Ein musikalisches Ereignis. Für Mahler-Fans ein Muss.

Am Montag noch einmal: Nur noch Restkarten verfügbar, Informationen und Tickets unter Telefon: 0211/899 612.

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