Historisches

Als Gerresheim noch eine Synagoge hatte

Die alte Synagoge.

Die alte Synagoge.

Foto: Mahn- und Gedenkstätte

Düsseldorf.   Stadtteil-Serie: Die Reichspogromnacht überstand das Gotteshaus unbeschadet, fiel aber 1984 einem Anschlag zum Opfer.

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Hätte es die schicksalhafte Nacht im Februar 1984 nicht gegeben, die Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte hätte ihren Sitz heute womöglich in Gerresheim. Denn die alte Synagoge am Wallgraben, so hatte man damals diskutiert, wäre ein guter Standort für die neue NS-Gedenkstätte gewesen, die Jugendliche Anfang der 80er Jahre vehement für Düsseldorf eingefordert hatten. Doch es kam anders.

„Der Brandanschlag im Februar 1984 kam dem zuvor“, sagt Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, die ihren Sitz stattdessen an der Mühlenstraße in der Altstadt erhielt. Der Dachstuhl der Synagoge brannte vollständig aus, die Backsteinmauern wurden mit Runen und Hakenkreuzen beschmiert. „Das Gebäude war nur noch ein trauriges Häufchen Stein, weshalb die jüdische Gemeinde einem Abbruch nicht mehr im Weg stand“, so Fleermann weiter. Wenige Monate später wurde die Synagoge abgerissen. Dabei hatte sie eine andere verheerende Nacht, die Reichspogromnacht am 9. November 1938, bei der hunderte jüdische Gotteshäuser, tausende Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe von den Nationalsozialisten zerstört wurden, noch völlig unbeschadet überstanden.

Schon bald überflüssig

Der wahrscheinliche Grund dafür war allerdings kein schmeichelhafter. Die im Sommer 1875 für 5100 Taler fertiggestellte Synagoge wurde nur wenige Jahrzehnte für Gottesdienste genutzt. Zur Zeit des Nationalsozialismus war sie bereits ziemlich heruntergekommen; ein christlicher Kaufmann hatte sie 1917 erworben und zu einem Unterstelllager umfunktioniert. „Deshalb hatte man in der Pogromnacht wohl gar nicht in Betracht gezogen, sie anzuzünden“, vermutet Historiker Fleermann.

Schuld an der wenig ruhmreichen Geschichte war die um 1900 einsetzende Landflucht. Immer mehr Menschen zog es damals in die Städte. Da die jüdische Gemeinde in Gerresheim ohnehin nicht so groß war – etwa 50 bis 60 Einwohner waren damals jüdischen Glaubens –, wurde es schon bald schwierig, überhaupt noch Gottesdienste abzuhalten. „Aus der Thora wird nur vorgelesen, wenn mindestens zehn Religionsmündige, also erwachsene Männer, die so genannte Minjan, zusammenkommen“, sagt Fleermann. „Mit neun Männern darf man beten, aber keine Liturgie abhalten.“

Der Todesstoß der Gerresheimer Synagoge sei dann die Eingemeindung 1909 gewesen. „Von da an haben die Gläubigen vor allem die große Synagoge genutzt, die 1904 an der Kasernenstraße errichtet worden war.“ Anders als das Gotteshaus in Gerresheim war diese Synagoge prunkvoll. „In der Peripherie hatte man in der Regel keine repräsentativen Bauten, sondern sehr pragmatische Landsynagogen, schlicht in der Ausstattung“, so Fleermann. Wohl auch deshalb gibt es keine Fotos vom Innern der Gerresheimer Synagoge, wohl aber Außenansichten und auch Baupläne, die in der Mahn- und Gedenkstätte einzusehen sind. „Wir zeigen die Entstehungsgeschichte, die Ruine und erinnern auch daran, dass die Gedenkstätte einst in Gerresheim hätte platziert werden können.“

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