NRZ Bürgerbarometer

An diesen Orten fühlen sich die Düsseldorfer unsicher

Der Lessingplatz in Düsseldorf-Oberbilk galt lange als Treffpunkt der örtlichen Drogenszene.

Der Lessingplatz in Düsseldorf-Oberbilk galt lange als Treffpunkt der örtlichen Drogenszene.

Foto: STEFAN AREND / WAZ

Düsseldorf.  Angsträume lassen sich selten mit Zahlen belegen sondern sind subjektiv empfunden. Und doch fühlen sich die Düsseldorfer an diesen Orten unsicher.

Zuerst die gute Nachricht: Die wenigsten Bürger fühlen sich abends in ihren eigenen Stadtteilen unsicher. Das ergab eine Umfrage im Rahmen unseres Bürgerbarometers. Dazu kommt, dass sich ein gutes Drittel der Frauen und Männer in Düsseldorf überall vollkommen sicher fühlen. Für eine so weltoffene Großstadt ist das eigentlich ein ganz gutes Zeichen.

Und dann gibt es so Orte wie den Hofgarten, der in diesem Jahr für Schlagzeilen sorgte, weil dort vier Jugendliche, zwischen 14 und 17 Jahre, eine 51-jährige Frau am Pfingstwochenende vergewaltigt haben sollen. 42 Prozent der Düsseldorfer gaben an, sich an Orten unsicher zu fühlen, die nicht als Antwortmöglichkeit vorgegeben waren, darunter ist der Hofgarten einer der am häufigsten genannten Orte.

Hofgarten ein häufig genannter Angstraum

Nur noch häufiger als der Hofgarten wurden allerdings gleich zwei komplette Stadtteile genannt: Oberbilk – ein Stadtteil, der wegen des sogenannten „Maghreb-Viertels“ bekannt geworden ist, und Garath – ein Stadtteil im Süden, der schon seit Jahrzehnten im Verruf ist, abends im Dunkeln ein gefährliches Pflaster zu sein.

Doch auch auf diese beiden Stadtteile trifft das eingangs erwähnte zu: Die dort lebenden Düsseldorfer fühlen sich eben im eigenen Stadtteil nicht unbedingt unsicher. „Die, die in Oberbilk wohnen, haben dieses Gefühl nicht. Die wohnen zum Teil auch ganz bewusst und sehr gerne hier und zwar ohne Unsicherheitsgefühl“, erklärt Marko Siegesmund, Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks 3, zu dem Oberbilk gehört.

Unterführung Ellerstraße

Er kann sich aber gut vorstellen, wie die Unterführung an der Ellerstraße wirkt. Diese würden gerade Frauen durchaus als unangenehm – als so genannten Angstraum – empfinden. Die Unterführung ist vergleichsweise lang, schlecht beleuchtet, gehört aber zur Deutschen Bahn.

Auch die Nähe Oberbilks zum Hauptbahnhof spiele eine Rolle. „Wenn Sie hinten auf dem Bertha-von-Suttner-Platz stehen, sind Sie ja schon in Oberbilk“, erklärt Siegesmund. Tatsächlich wurde der Hauptbahnhof von 40 Prozent aller Befragten genannt. Dort fühlen sich viele Leute abends allein unsicher.

Trotzdem: Rein statistisch gesehen ist Oberbilk genau so unsicher oder sicher wie jeder andere Ort in der Stadt. Allerdings zeigt die Polizei auch viel Präsenz im Stadtteil, wie der Bezirksbürgermeister erwähnt: „Oberbilk ist natürlich ein besonderer Stadtteil. Vielleicht passiert hier auch nicht unbedingt mehr, weil die Polizei oft unterwegs ist.“

Oberbilker fühlen sich nicht unsicher

Siegesmund habe selbst 15 Jahre in Oberbilk gewohnt, unsicher habe er sich dabei nie gefühlt, erzählt er – die meisten Bürger dort stimmen darin mit ihm überein. Das sieht auch der zweite stellvertretende Bezirksbürgermeister und Ratsherr Dietmar Wolf von den Grünen so: „In Oberbilk, gerade auch auf der Ellerstraße, hat sich sehr viel getan. Die gesamte Kriminalität in Düsseldorf geht runter.“

Allerdings kann er durchaus nachvollziehen, wenn sich Frauen an manchen Orten abends unsicher fühlen. „Das ist ein Stigma, es ist aber auch ein subjektives Sicherheitsempfinden und das kriegen sie aus den Köpfen auch nicht so schnell raus“, so Wolf. Wenn dann auch noch tatsächlich so etwas wie im Hofgarten an Pfingsten passiere, fühlten sich einige Leute gleich bestätigt.

Dass Garath ebenfalls unsicher wirkt, erklärt sich die Ratsfrau und Fraktionssprecherin der Linken, Angelika Kraft-Dlangamandla, mit schlechter bis fehlender Beleuchtung an den Fußwegen und wenig Geschäftsbetrieben. „Garath ist ein Wohn-Stadtteil. Das heißt, dass es abends ziemlich leer auf den Wegen ist. Und die Wege führen nicht direkt an den Häusern entlang wie in der Innenstadt, denn es gibt viele Grünzüge mit Bäumen und Büschen, leider oftmals unbeleuchtet.“

Garath hat einfach ein schlechtes Image

Die Kommunalpolitikerin ist ebenfalls Mitglied in der Bezirksvertretung 10 und kennt den Stadtteil gut: „In Garath gibt es laut Polizei weniger Kriminalität als in anderen Stadtteilen. Dass Garath nach wie vor ein schlechtes Image hat, hat meiner Meinung nach mit jahrelangen Vorurteilen zu tun: Garath als Sozialbausiedlung mit Hochhäusern, Beziehende von Hartz-IV, vergleichsweise hoher Anteil an Migrantinnen seit der Entstehung von Garath.“

Als tatsächliches Manko nennt sie aber auch die örtliche rechte Szene, die sich an bestimmten Orten regelmäßig trifft. „Bei einer Befragung von Jugendlichen zu Garath 2.0 wurde das besonders problematisiert.“

Peter Ries von den Freien Wählern und ebenfalls Mitglied in der Bezirksvertretung 10 sagt dazu: „Mit einem schlechten Image kämpft Garath praktisch seit seiner Gründung vor 50 Jahren. Ein Image, was dereinst medial geprägt wurde und offensichtlich bis heute gepflegt wird. Sicher ist, dass die fortwährend mediale negative Darstellungen über den Stadtbezirk Garath und dessen Bewohnern von einer mittlerweile wachsenden Mehrheit schlicht als oberflächlich und geschmacklos gewertet wird.“ Er sagt, die meisten Dinge über Garath stimmten schlichtweg nicht.

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