Sexismus und Diskriminierung sind in der Werbung offenbar nicht totzukriegen. Derzeit sorgt ein Werbeplakat für Alkohol in der Düsseldorfer U-Bahn-Haltestelle Kettwiger Straße jedoch für allerhöchste Empörung. Dort wirbt die Firma Fernet Branca mit dem Spruch „Mädels quatschen Dich reihenweise an – auf der Charlottenstraße. Life is bitter“ für ihren Kräuterlikör und verharmlost somit den Straßenstrich an der Charlottenstraße. Schon im vergangenen Jahr war Fernet Branca mit provozierender Werbung, in der sich über verschiedene deutsche Städte lustig gemacht wurde, in die Schlagzeilen geraten.

Die Werbung sei sogar falsch

„Ich finde diese Werbung unsäglich“, betont Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner und ergänzt: „Ich begrüße es sehr, wenn Werbung mal witzig, kreativ oder frech ist. Aber auf dem Rücken von jungen, drogenabhängigen Prostituierten Werbung zu machen und daraus Profit ziehen zu wollen, das geht gar nicht. “

Außerdem sei die Werbung sogar falsch, da sich die Situation an der Charlottenstraße sehr verändert habe. „Es ist heute gar nicht mehr so, dass die Mädchen aufgereiht an der Straße stehen. Die Kontaktaufnahme erfolgt meistens per WhatsApp oder über Facebook“, erklärt Spillner.

Gleichstellungsbeauftragte ist über die Werbung empört

Auch Elisabeth Wilfart, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Düsseldorf, ist verärgert. „Diese Werbung ist nicht nur geschmacklos, sondern pervertierend, weil sie die Prostituierten verhöhnt. Für die Männer ist es bestimmt nicht bitter, dort angesprochen zu werden“, erklärt Wilfart. „Ich halte es nicht nur für misslungen, sondern geradezu abstoßend für das Produkt, wenn so geworben wird“, so Wilfart weiter. „Als ich von der Werbung erfahren habe, habe ich direkt bei der Rheinbahn angerufen.“

Das Verkehrsunternehmen sei demnach der Ansicht, dass die Werbung die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet. Sexistische, religiöse und politische Werbung aufzuhängen, sei bei der Rheinbahn verboten. Nun soll das Plakat abgeklebt werden.