Der flauschige Kragen an der Jacke oder der Bommel auf der Mütze: Tierschützer beklagen, dass in den Filialen und dem Online-Shop der Textilkette Breuninger noch immer Echtpelz verkauft wird. Regelmäßig stehen die Tierschützer mit Plakaten und Megafonen vor den Filialen – auch vor dem Kaufhaus im Kö-Bogen wird regelmäßig protestiert. Neuerdings verschicken sie auch Päckchen mit Kuhfladen an die Filiale.

Vor vier Monaten startete das Deutsche Tierschutzbüro die Kampagne „Breuninger – Leid und Tod im Angebot“, um die Textilkette dazu aufzufordern, ihren Echtpelz aus dem Sortiment zu nehmen. Seitdem protestieren regelmäßig Aktivisten vor den Filialen in ganz Deutschland. „Das Ziel der Kampagne ist klar. Wir möchten, dass Breuninger pelzfrei wird“, so Jan Peifer, Vorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros. Denn nur so könne man die Tierquälerei beenden.

Pelze aus dem Ausland

Die Recherchen der Aktivisten hatten ergeben, dass Breuninger sein Pelz-Sortiment aus dem Ausland bekommt – vor allem aus Ländern wie Finnland und China. „Gerade diese beiden Länder sind bekannt dafür, so genannte Pelztiere wie Füchse und Marderhunde besonders tierschutzwidrig zu halten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Tiere würden in engen Käfigen gehalten und würden nach wenigen Monaten ihres Lebens brutal getötet, um ihnen das Fell abzuziehen.

Die Aktivisten halten den Druck auf Breuninger weiterhin hoch: Vor kurzen schickten sie ein Paket an die Düsseldorfer Filiale im Kö-Bogen. Darin befand sich ein Stück Pelz, auf dem ein Kuhfladen liegt, mit der Botschaft „Echtpelz ist echt Scheiße“. In einem beigelegten Schreiben forderten sie das Unternehmen auf, im Sortiment auf Echtpelz zu verzichten.

Breuninger „wird nicht leicht einknicken“

Doch das Unternehmen ignoriert die Aktion. „Das ist äußerst kontraproduktiv“, so Peifer auf Nachfrage der NRZ. „Wir wissen, dass Breuninger nicht so leicht einknicken wird, aber uns kriegt man nur zur Ruhe, wenn man mit uns redet.“ Ziel sei es, sich zumindest mal gemeinsam an einen Tisch zu setzen und über die Pelzfreiheit zu reden. Beim Deutschen Tierschutzbüro ist man jedenfalls zum Dialog bereit.

Zwiegespalten wird die Aktion von der Fraktion Tierschutzpartei/Freie Wähler gesehen. „Proteste und Demonstrationen, um über das Tierleid aufzuklären, finden wir sehr gut und sie kommen auch gut an – doch Tierkot zu schicken ist die falsche Maßnahme“, so Fraktionssprecherin Claudia Krüger. Das treffe die falschen Leute, da das Paket „nur“ in den Händen der Mitarbeiter landet, nicht aber bei den Firmenchefs. „Da wäre es besser, direkt an die Leute heranzutreten und ins Gespräch zu kommen.“ Für sie ist die Aktion ein Zeichen, dass die Tierschützer „verzweifelt“ sind – was sie allerdings auch verstehen kann.

Tierschutz-Vorsitzende ist für mehr Aufklärung

Ähnlich sieht das Monika Piasetzky, Vorsitzende des Düsseldorfer Tierschutzvereins. Zwar ist sie ebenfalls gegen Pelz, dennoch sagt auch sie, dass sie den Protest „anders gemacht hätte“. „Flugblätter und Demos sind ein besserer Weg“, so Piasetzky. Solche Aktionen entstehen aus „Frust“, ein Stück weit kann sie das verstehen. „Ich bin ja selbst Tierschützerin und merke, dass immer nur geredet, aber selten was gemacht wird, weil die Leute einfach stur sind.“ Es sollte zudem auch um Aufklärung gehen. „Viele denken bei dem Bommel nicht, dass er aus Pelz ist.“ Man sollte den Bürgern zeigen, wie Tiere dafür „maßlos gequält werden“. „Das ist mit nichts zu entschuldigen.“

Von Breuninger gab es auch nach mehrmaligem Nachfragen keine Stellungnahme.

Den Bogen machen - Kommentar von Stephan Wappner 

Tierschützer verschicken einen Haufen Kacke an Breuninger. Das kann man gelungen finden oder nicht. Definitiv geschmacklos und anachronistisch ist es allerdings, extremes Tierleid in Kauf zu nehmen, nur um seinen Kunden Echtpelz anbieten zu können.

Breuninger ist noch eines der wenigen Häuser in Deutschland, die Echtpelz im Sortiment haben. Und: Breuninger schaltet auf stur, will das Thema totschweigen. Sicher auch, weil die Gegenargumente fehlen.

Die Tierschützer sollten daher nicht nachlassen und weiter – friedlich – gegen Breuninger mobil machen. Und an die eher gut betuchten Düsseldorfer kann man an dieser Stelle nur appellieren, den Kö-Bogen in Sachen Breuninger wörtlich zu nehmen und den Bogen um das Edelkaufhaus zu machen. Jedenfalls, solange dort noch mit Echtpelz gehandelt wird.