Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat sich für eine Frauenquote innerhalb der Partei ausgesprochen. Denn nur durch Appelle würden Positionen nicht vermehrt mit Frauen besetzt. Daher müsse es die Quote geben. Auch Sylvia Pantel, Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Frauen Union Düsseldorf, begrüßt eine Frauenquote in ihrer Partei: „Es gibt ja mittlerweile für alles eine Quote, warum nicht auch da?“

Die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel kann sich eine Frauenquote in der CDU sehr gut vorstellen.
Die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel kann sich eine Frauenquote in der CDU sehr gut vorstellen.© NRZ

Es wäre für sie wünschenswert, wenn „jeder dritte Platz mit einer Frau besetzt wäre, jeder zweite Platz wäre ein Traum“. Das geht allerdings nur, wenn sich genügend Frauen finden. „Wir müssen uns mehr Mühe geben, Frauen zu motivieren.“

Frauen sind selbstkritischer als Männer

Auch bei der FDP keimt das Thema immer mal wieder auf. „Wir arbeiten daran, mehr Frauen zu gewinnen“, erklärt die Düsseldorfer FDP-Vorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Dennoch sei es schwierig für Frauen sich parteipolitisch zu engagieren.

FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann
FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann© NRZ

„Sie sind viel selbstkritischer als Männer, reflektieren mehr, was das für Auswirkungen auf die Familie hat.“ Es brauche zwar aber Vorbilder, dennoch sprechen sie und die FDP sich gegen eine Frauenquote aus. „Mit Quotierungen tun wir uns schwer“, so die FDP-Frau, „wir wollen gerne mehr Frauen, aber eine Frauenquote würden wir nur ausprobieren, wenn alle anderen Versuche, sie zu engagieren, gescheitert sind.“

Bei den Jungen Grünen sind viele Frauen

Bei den Grünen indes setzt man auf Frauenpower. So greift bei der Vergabe von Listenplätzen oder etwa bei der Wahl von Delegierten die Frauenquote. Mindestens die Hälfte der Plätze ist für Frauen reserviert. Auch bei der Doppelspitze achtet man darauf.

Der Vorschlag, bei der CDU eine Frauenquote einzuführen, ist für die Düsseldorfer Grünen-Sprecherinnen Mirja Cordes und Paula Elsholz „eine erfreuliche Entwicklung“. Dennoch müsse man abwarten, was aus dem Vorschlag wird, so Cordes. Für die Grünen würde sich dadurch nichts ändern. In den eigenen Reihen gibt es viele Frauen. „Vor allem bei den Jungen Grünen haben wir viele engagierte junge Frauen. Das gibt Hoffnung“, so Cordes weiter.

Linke wollen „50/50 besetzen“

Bei der Linken gibt es „seit ihrer Entstehung die Quote“, so die Düsseldorfer Linke Angelika Kraft-Dlangamandla. „Wir wollen immer 50/50 besetzen. Das sieht man ja auch im Düsseldorfer Rat.“ Dennoch sei es manchmal eben auch schwierig, gerade auf Kreisebene gebe es dann manchmal doch mehr Männer. Man lässt aber auch Plätze frei, wenn es zu viele Männer sind. „Wir versuchen dann über eine Nachwahl Frauen zu gewinnen, ihnen Mut zu machen.“

Allerdings haben Frauen neben den Beruf „oft noch Kinder zu versorgen oder sich um die Familie zu kümmern. Das ist dann schon eine ziemliche Belastung“, so Kraft-Dlangamandla, „Frauen werden nicht unterdrückt, aber sie finden oft nicht die Zeit.“

„Willkommen in der Wirklichkeit“

Der Düsseldorfer SPD-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Andreas Rimkus begrüßt, dass die CDU über eine Frauenquote nachdenkt.
Der Düsseldorfer SPD-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Andreas Rimkus begrüßt, dass die CDU über eine Frauenquote nachdenkt.© NRZ

Bei der SPD gibt es eine Geschlechterquote und 40 Prozent Frauen, so der Düsseldorfer SPD-Chef Andreas Rimkus. Dass die CDU erst jetzt über eine Quote nachdenkt, zeigt für Rimkus das sie „ein bisschen gestrig“ ist, aber er begrüßt, dass sie das nun ändern wollen. „Willkommen in der Wirklichkeit“, so der SPDler.

Frauen-Power unterschätzt – Ein Kommentar von Götz Middeldorf 

SPD, Grüne und Linke haben es längst erkannt: Ohne eine Geschlechterquote ist es für Frauen schwer, Karriere zu machen – in Unternehmen und Parteien. Angela Merkel, Andrea Nahles oder Ursula von der Leyen auf Bundesebene, Sylvia Pantel oder Marie Agnes Strack-Zimmermann auf Stadtebene sind wohltuende Ausnahmen.

Schade, dass viel zu viel Potential von starken Frauen nicht erkannt wird oder nicht erkannt werden will. Daher ist es gut, dass nun auch in der CDU über eine Frauenquote diskutiert wird. Schlimm ist aber, dass wir so etwas im Jahr 2018 überhaupt noch brauchen!