Armut

Caritas befürchtet Engpässe bei Düsseldorfer Tafeln

Archivbild. Kunden stehen mit Tüten voller Lebensmittel während der Lebensmittel-Ausgabe in der Derendorfer Zionskirche.

Archivbild. Kunden stehen mit Tüten voller Lebensmittel während der Lebensmittel-Ausgabe in der Derendorfer Zionskirche.

Foto: Caroline Seidel

Düsseldorf.   Die Zahl der Bedürftigen bei den Tafeln nimmt seit Jahren zu – Düsseldorfer Sozialverband kritisiert steigende Lebenserhaltungskosten.

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Angesichts der steigenden Nachfrage Bedürftiger befürchtet die nordrhein-westfälische Landesregierung derzeit Engpässe bei weiteren Tafeln im Land. Die Zahl der Tafeln und ihrer Nutzer sei in den vergangenen Jahren gestiegen. Zwar sei auch die Menge der gespendeten Lebensmittel tendenziell steigend. „Aber nicht in der Geschwindigkeit, in der Nachfrage steigt“, heißt es in einem Bericht von Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) für den am Mittwoch tagenden Gesundheits- und Sozialausschuss des Landtags.

Lebensmittelausgaben und Kleiderkammern nehmen zu, das weist auf strukturell bedingte Armutslagen von Bürgern hin. Dies bestätigt auch die Düsseldorfer Caritas in einer Mitteilung vom Dienstag. Besonders betroffen seien Alleinerziehende, ältere Menschen, Familien mit mehreren Kindern, Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiographien durch Arbeitslosigkeit oder Erziehungszeiten. „In einer Stadt wie Düsseldorf kommen hohe Mieten als zusätzliche Problematik hinzu. Die gestiegenen Energiekosten werden zudem in den Hartz IV-Sätzen und in der Grundsicherung nicht ausreichend berücksichtigt“, heißt es in der Mitteilung weiter. In diesem Bereich sei eine Anhebung der Regelsätze dringend notwendig, damit die höheren Kosten nicht in den Bereichen Kleidung und Lebensmittelverpflegung eingespart werden müssen und so eine Nutzung von Lebensmittelausgaben unausweichlich wird.

Nach Bedürftigkeit verteilt

Hintergrund der Diskussion: Die Essener Tafel nimmt seit dem 10. Januar keine Ausländer mehr als Neukunden an, was für großen öffentlichen Wirbel sorgte. Die Hilfsorganisation in Essen begründete ihr Vorgehen mit einem bereits sehr hohen Anteil an Ausländern unter ihren Kunden. Gerade ältere Menschen und alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt.

Laut Caritas sei auch es auch für die Organisationen in Düsseldorf eine Herausforderung, die vorhandenen Lebensmittel in den Ausgabestellen möglichst an alle und ohne Diskriminierung zu verteilen: „In den Einrichtungen der Altstadt-Armenküche, von Flingern mobil, in der Lebensmittelausgabe St. Bonifatius-Bilk und des Caritasverbandes Düsseldorf werden Lebensmittel und Kleidung nach Bedürftigkeit verteilt – unabhängig von der Herkunft oder der Religion.“

Professionelle Sozialberatung

Von besonderer Relevanz sei dabei die professionelle Begleitung der Ehrenamtlichen in den Ausgabestellen. Weiterführende soziale Beratung sei notwendig, um Rechtsansprüche auf Transferleistungen zu realisieren und die Armut nicht weiter zu verfestigen. Dies könne nur „durch eine professionelle allgemeine Sozialberatung und weitergehende Hilfen sichergestellt werden“. Aber das Ziel der Bemühungen sei es, „ganz im Sinne der christlichen Soziallehre in einer solidarischen Gesellschaft, Armut und soziale Ausgrenzung dauerhaft zu überwinden“, so die Caritas.

Aus diesem Grund wollen sich die Altstadt-Armenküche, Flingern mobil, die Lebensmittelausgabe St. Bonifatius-Bilk und der Caritasverband weiter dafür einsetzen, „dass die sozialen Rahmenbedingungen verbessert, weitergehende soziale Beratung angeboten, die Ehrenamtlichen in den Ausgabestellen professionell begleitet und den betroffenen Menschen mit Respekt und Wertschätzung begegnet wird“.

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