Zirkus

Circus Roncalli ist jetzt tierfrei - und Veganer-freundlich

Bernhard Paul, Direktor vom Circus Roncalli: Sein Zirkus ist jetzt tier- und plastikfrei - und hat auch gastronomisch ein neues Konzept.

Bernhard Paul, Direktor vom Circus Roncalli: Sein Zirkus ist jetzt tier- und plastikfrei - und hat auch gastronomisch ein neues Konzept.

Foto: dpa/Holger Hollemann

Düsseldorf.   Der Circus Roncalli hat ein neues Konzept - nicht nur was das Geschehen in der Manege angeht. Vorführungen mit Pferden werden virtuell.

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Der Zirkus wird dieses Jahr 250 Jahre alt. Alles hat angefangen mit einem militärischen Pferde-Einsatz in London – daraus ist eine Tradition entstanden, die heute noch junge und alte Menschen gleichermaßen begeistert. Das möchte auch der „Circus Roncalli“, der seit der ersten Tournee 1976 nun zum 13. Mal in Düsseldorf gastiert. Doch Roncalli-Chef und Mitbegründer Bernhard Paul will die Menschen ohne Tiere in seinen Bann ziehen. „Wir haben ein neues Programm und damit auch ein neues Konzept“, sagt Paul. „Wir sind in diesem Jahr zum ersten Mal tierfrei.“ Das Unternehmen, das früher auch mit Raubtier-Nummern unterwegs gewesen ist, verzichtet sogar auf Pferde als klassische Zirkus-Tiere in der Manege: „Pferde kann man sich auch woanders anschauen.“

Bernhard Paul betont, dass dies kein „Kniefall vor Peta oder anderen Tierschutzoraganisationen“ sei: „Wir machen das aus Überzeugung.“ Gleichzeitig jedoch griff er die Tierrechtler an, die seiner Meinung nach viel zu allgemein und oft unberechtigt Kritik üben: „Wer sagt, Zirkus sei Tierquälerei, der kann auch sagen, alle Ausländer sind kriminell.“ Für Bernhard Paul war „Roncalli“ übrigens nie ein „Tier-Zirkus“: „Unsere Stärke waren immer unsere Clowns.“

„Wir sind jetzt ein Plastik-freies Unternehmen“

Weitere Neuerungen gibt es bei der aktuellen Tournee, die in Recklinghausen gestartet ist und derzeit in Köln läuft: „Wir sind jetzt ein plastikfreies Unternehmen.“ Popcorn gibt es in Papiertüten, Getränke aus biologisch abbaubaren Bechern, ebenso gibt es keine Plastik-Teller für die Speisen, die in der Pause verkauft werden. Die Umstellung des Unternehmens auf „plastikfrei“ sei gar nicht so einfach gewesen, wie es sich anhört. Alternativen mussten gesucht und gefunden werden. Politiker oder Behörden, die das stets fordern, konnten laut Paul weder Tipps noch Hilfe bei der Umstellung geben.

Doch damit nicht genug der Änderungen im „Circus Roncalli“: Auch das Angebot an Speisen, Getränken und Süßwaren wird umgestellt. Vegetarisches, Veganes und Biologisches gibt es – bei Speisen und Getränken. „Die normale Cola gibt es nur noch unter der Ladentheke“, lacht der Zirkus-Chef.

Pferdevorführungen sind bei Roncalli jetzt virtuell

Zu den Neuerungen gehören auch ein rundes Hologramm, das für die Zuschauer virtuell Pferde durch die Manege reiten lässt. „es ist das erste runde Hologramm weltweit und wurde von uns entwickelt“, freut sich Bernhard Paul.

Ihm ist wichtig, dass bei allen Neuerungen das Publikum nicht verschreckt wird. Das Alte muss bewahrt werden und das Neue muss einfach gut sein...

Im Programm treten Artisten aus vielen Nationen auf. Daniel Paul hat sie selbst rekrutiert. Besonders stolz ist er auf „Chistirrin“. Den 27-jährigen Mexikaner hat er in einem Zirkus im spanischen Santander entdeckt und verpflichtet. Chistirrin, der eigentlich Marco Antonio Vega heißt, ist Sänger, Akrobat, Clown – und derzeit der absolute Publikums-Liebling. „Er hat sogar eigene Fanclubs“, erzählt Paul. „Chistirrin ist eines der größten Talente, das ich je entdeckt habe.“ Auch die Düsseldorfer Zuschauerinnen werden von dem kleinen Charme-Bolzen begeistert sein. Doch es bringt nichts: Er heiratet im Januar seine Verlobte. Eine Chilenin, die ebenfalls bei Roncalli arbeitet.

>>> Info: Bahn zwingt Roncalli sein Tour-Konzept zu ändern

Circus Roncalli hat sein Tournee-Konzept umgestellt. Künftig kommt das Unternehmen alle zwei Jahre nach Düsseldorf. „Wir konzentrieren uns nur noch auf die Städte, die uns unterstützen und nicht bei Gastspielen behindern“, sagte Chef Bernhard Paul. „Dazu gehören neben Düsseldorf und Köln auch München oder Hamburg. In anderen Städte bremse Bürokratie das Unternehmen aus. Paul: „Wir haben eine Liste mit Städten, die wir nun alle zwei Jahre besuchen.“ Andere Städte werden nicht mehr angefahren. Das bedeutet, dass Roncalli öfter in die Orte kommt und das Programm nun öfter, also alle zwei Jahre wechseln muss. „Schon jetzt bereiten wir das Programm vor, mit dem wir 2020 auf Tour gehen.“

Roncalli ist bekannt dafür, seine Wagen per Bahn zu transportieren. Vom derzeitigen Spielort Köln nach Düsseldorf geht es über die Straße. Und auch sonst muss Roncalli immer öfter diesen Transportweg wählen: „Die Bahn baut den Frachtverkehr ab und damit auch Verladerampen.“ Dadurch werde man gezwungen, auf der Straße zu fahren. Paul: „Die Bahn kümmert sich wohl lieber um ihre Verspätungen...“

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