Altstadt-Serie

Das älteste Foto von Düsseldorf ist über 150 Jahre alt

Im Vordergrund rechts ist die Hauptwache des Schlosses zu sehen, die in den Jahren 1855 und 1856 abgerissen wurde.

Im Vordergrund rechts ist die Hauptwache des Schlosses zu sehen, die in den Jahren 1855 und 1856 abgerissen wurde.

Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Düsseldorf.   Das älteste Foto Düsseldorfs zeigt den Blick über den Burgplatz vom Hof zwischen dem früheren Düsseldorfer Schloss und dem Galeriegebäude in Richtung Mühlenstraße. Wann das Foto gemacht worden ist, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass es vor 1855 aufgenommen sein muss.

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Etwas unscharf und vergilbt, selbstverständlich schwarz-weiß: Dieses Foto rechts ist ein echtes Zeitdokument. Denn es ist das älteste bekannte Foto Düsseldorfs. Es zeigt den Blick über den Burgplatz vom Hof zwischen dem früheren Düsseldorfer Schloss und dem Galeriegebäude in Richtung Mühlenstraße.

Im Vordergrund rechts ist die Hauptwache des Schlosses zu sehen, die in den Jahren 1855 und 1856 abgerissen wurde. Aufbewahrt wird die Aufnahme im Stadtarchiv. Wann das Foto gemacht wurde, ist dort nicht bekannt. Nur soviel: Auf jeden Fall vor 1855. Es stammt aus dem Nachlass des Fotografen Julius Söhn (1868 bis 1943), der dieses Foto allerdings nicht selbst aufgenommen sondern aus einem Archiv übernommen hatte.

Julius Söhn, der die Bezeichnung „Hoffotograf“ tragen durfte, eröffnete 1893 sein erstes Atelier. Aber bereits ab 1896 ist er mit der Altstadt-Adresse „Hohe Straße 6“ im Düsseldorfer Adressbuch zu finden. Anfänglich hatte Söhn ein reines Porträtatelier. Um 1900 verlegte er sein Atelier in die Kasernenstraße und wendete sich von da ab den Bereichen Kunst, Architektur und Industrie zu. Diese Informationen über Julius Söhn haben Ilsabe und Gerolf Schülke im Jahr 1994 gesammelt. Sie wurden im Rahmen des Berichtes „Düsseldorf und seine Fotografie“ für das städtische Kulturamt veröffentlicht.

Fotograf als Stadtchronist

Daraus geht auch hervor, dass Julius Söhn nicht nur durch seine Rolle als Stadtchronist, sondern auch durch die künstlerische Qualität seines Werkes als einer der wichtigsten Düsseldorfer Fotografen anzusehen ist. Sein Archiv hat beide Weltkriege überstanden und ist als geschlossener Bestand in den Besitz des Stadtarchivs übergegangen. Das Inventar des Nachlasses, so steht es in dem Bericht von Ilsabe und Gerolf Schülke, weist mehr als 1500 Glasnegative auf. Der als „Sammlung Söhn“ bezeichnete Nachlass wurde durch die Erfassung im Stadtarchiv inhaltlich sehr genau erschlossen und datiert. Es zeigt, dass ein kleiner Teil der Aufnahmen aus dem Söhn’schen Nachlass früher zu datieren ist als das Gründungsjahr des Ateliers.

Ältestes Foto ist ein Repro

Und die frühesten Aufnahmen sind teilweise schon um das Geburtsjahr Söhns herum entstanden – so wie Düsseldorfs älteste bekannte Fotografie. Daher kommen Schülks im Bericht zum Ergebnis: „Söhn hat demnach so etwas wie ein Archiv im Archiv angelegt, indem er entweder interessante alte Aufnahmen für sein Archiv reproduziert oder Negative aus einem anderen Archiv übernommen hat.“

Zum ältesten Foto heißt es: „Darauf ist deutlich eine etwas dunklere ovale Form auf dem Bild zu erkennen. Das bedeutet, dass das Originalfoto in ovalem Passepartout gehangen hatte und bereits leicht ausgebleicht war. Es muss sich um einen sehr frühen Salzpapierabzug gehandelt haben, von dem Söhn eine Reproaufnahme angefertigt hatte.“

Das Geschäft „Foto Söhn“ gibt es immer noch. Es wird nach wie vor von Familienangehörigen in Düsseldorf geführt. Es befindet sich seit 1959 in der Flinger Straße.

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