Der Stein und sein Geheimnis

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GESCHICHTE. Der Menhir ist das älteste Denkmal der Stadt. Und keiner weiß, wer ihn aufstellte.

KAISERSWERTH. Er verbirgt ein sagenumwobenes und mysteriöses Geheimnis. War er eine kultische Stätte oder ein Begräbnisplatz in der vorgeschichtlichen Zeit? Haben ihn Kelten oder Germanen dort aufgestellt? Woher stammen die seltsamen Kratzspuren auf seiner rauen Oberfläche? Das weiß keiner so genau. Und der Menhir, der Langstein, am Zeppenheimer Weg wird sein Geheimnis nie preisgeben.

Fest steht: Er ist das älteste Denkmal in Düsseldorf. "Der Menhir wurde zwischen 2000 und 1500 vor Christus aufgestellt", versichert Jörg Heimeshoff, Leiter der Unteren Denkmalbehörde. "Noch früher oder zur selben Zeit gibt es nur Bodenfunde." Wer der Errichter des seltsamen, 1,70 Meter hohen Felsens ist, weiß nicht einmal Wilhelm Maier, Gründer und Leiter des Kaiserswerther Museums: "Das kann man heute nicht mehr sagen. Sogar bei Caesar lesen wir mal von den Germanen, mal von den Kelten, die hier gelebt haben sollen."

Mysteriöse Kratzspuren

Seine mysteriöse Ausstrahlung hat der Menhir im Mittelalter nicht verloren. Im Gegenteil: Die Bewohner der Kurpfalz hatten geradezu Angst vor dem heidnischen Hinkelstein. So wurde gegenüber die Kirche des Heiligen St. Georg errichtet, die erstmals 1078 erwähnt und 1689 zerstört wurde. "Dem Heiligen sagte man nach, dass er das Böse abwehre", weiß Maier. Hinter dem Menhir liegt noch heute der jüdische Friedhof. "Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Christen Angst vor dem Felsen hatten. Denn im Mittelalter verbannte man jüdische Friedhöfe an heidnische, ungeweihte Stellen", erklärt Maier.

Woher die seltsamen Kratzspuren auf dem Gestein kommen, bleibt rätselhaft? "Vielleicht hat man im Mittelalter versucht, kleine Höhlen in den Stein zu schlagen, um Kerzen oder Kruzifixe dort hinzustellen", vermutet Maier. "Auf dem Weg zur Hinrichtung wurden die Verurteilten auf den Stein gestoßen", weiß Werner Jacob, Leiter der Bezirksverwaltungsstelle 5. Eventuell können die Spuren daher stammen. "Oder sie entstanden in den 50er-Jahren", schätzt Heimeshoff. "Damals wurde der Stein nämlich um einige Meter versetzt." Die wahre Geschichte des Menhirs von Kaiserswerth wird wohl nie entschlüsselt werden.

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