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Der Traum von großen Wänden

Foto: Judith Michaelis

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Bruno Stane-Grill aus Erkrath ist Künstler, Beuys-Schüler und Lebens-Philosoph. Seinen 80. Geburtstag hat er bereits gefeiert.

Meditative Musik und Verse aus der Passionsgeschichte begleiteten den künstlerischen Kreuzigungsakt im Evangelischen Gemeindehaus. Vor dem Gottesdienst in anderer Gestalt, der den Abschluss der vorösterlichen Aktion „Glaube und Kunst” bildete, ließ Bruno Stane-Grill die Gemeindemitglieder in der Sandheide teilnehmen an seiner Gestaltung des Leiden Christi.

Der Standort auf einer hohen Leiter schien dem 80-Jährigen Künstler keine Mühe zu bereiten. Er war versunken in seine Arbeit, ließ mit ruhiger Hand auf dem hohen weißen Kreuz Hände und Antlitz des Gekreuzigten entstehen. „Das war etwas Neues für mich”, schwärmt der in Kroatien geborene Stane-Grill. „Erstmals arbeitete ich nicht auf breiter Leinwand, sondern auf einem Kreuz.”

Seit den 70er Jahren lässt sich der Künstler auf öffentliche Zeichenaktionen mit Musikbegleitung ein. In Kirchen, auf Bühnen, in öffentlichen Räumen und bei Ausstellungen. Musikalisch begleitet meist von seinem Künstlerfreund Bernd Wiesemann. Für sein Publikum schwer nachzuvollziehen seine Gewohnheit, die großformatigen Werke anschließend wieder zu löschen. Zuerst das Nebensächliche. Sorgfältig wie sie entstanden sind, verschwinden die Darstellungen unter seinem weißen Pinselstrich. „Es sind die Erinnerungen, die lebendig machen für Neues”, versucht er dieses Auslöschen zu erklären. Das jetzt entstandene Kreuzigungswerk ist nicht ganz abgeschlossen. Bis zum nächsten Jahr soll es einen Platz im Paul-Schneider-Haus finden.

Bruno Stane-Grill ist Zeichner, Maler, Bildhauer - und Philosoph. Kennt sich aus in Bibelversen und der klassischen deutschen Literatur. Inspirationen geben ihm Natur und Kultur - vor allem die Musik. Dabei fordern ihn besonders Darstellungen von Menschen heraus. Dass die Jesus-Gestalt in seinen Werken einen breiten Raum einnimmt, begründet er mit dessen „ungeheurer Ausstrahlung von Güte und Kraft”.

1957 ist Bruno Stane-Grill nach Düsseldorf gekommen. Seit dreißig Jahren lebt und arbeitet er in der Erkrather Wasserburg Haus Brück, seinem „Kleinod”. Studiert hat er an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er war Meisterschüler von Joseph Beuys, der auch sein Freund und Trauzeuge wurde. Neben seinen vielseitigen künstlerischen Aktivitäten war Stane-Grill über dreißig Jahre Kunsterzieher am Gymnasium in Langenfeld. „Ich habe zu vielen Schülern noch Kontakt und werde regelmäßig zu den Abiturfeiern eingeladen”, freut er sich. Und obwohl er sich künstlerisch und geistig in „Germania” zu Hause fühlt, pflegt er seine kroatischen Wurzeln. Auch dort ist er eine bekannte Persönlichkeit. So hat er in den 80er Jahren die Kirche in seinem Heimatort Mlini bei Dubrovnik ausgemalt und im Jahr 2000 nach einem Brand renoviert.

Wie seine Pläne für die Zukunft aussehen? „Ich plane eine große Ruhepause”, verrät der Künstler und lässt gleich erkennen, dass er dabei nicht an Nichtstun denkt: „Am liebsten möchte ich große Wände bemalen.”

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