Europawahl

Die Grünen sind klar stärkste Kraft in Düsseldorf

Der grüne Balken wächst und wächst: Landesvorsitzende Mona Neubaur schaut im Café Europa fast ungläubig auf den Bildschirm und die gerade darauf erschienene Hochrechnung, während sie von Spitzenkandidatin Terry Reintke geherzt wird. 

Der grüne Balken wächst und wächst: Landesvorsitzende Mona Neubaur schaut im Café Europa fast ungläubig auf den Bildschirm und die gerade darauf erschienene Hochrechnung, während sie von Spitzenkandidatin Terry Reintke geherzt wird. 

Foto: FOTO: BreTZ

Düsseldorf.   Sensation in Düsseldorf: Die Grünen landen bei der Europawahl am Ende mit 29,25 Prozent klar vor der CDU (24,53 %), Das sind die Reaktionen.

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Um Punkt 18 Uhr platzte das Café Europa aus allen Nähten. Auf dem XXL-Bildschirm, der auf der kleinen Bühne installiert war, wollten die grünen Balkendiagramme gar nicht mehr aufhören, entweder in die Höhe oder in die Breite zu wachsen – Frenetischer Jubel nach dem historischen Wahlerfolg der Grünen in dem Eckladen, in dem die Luft selbst zum Schneiden zu dick war.

Und auf der Bühne: die Landesvorsitzende Mona Neubaur. „ Das ist der Wahnsinn“, schüttelte die Frau ihren Kopf und gab den immer wieder aufbrausenden Applaus in die Menge zurück. „Wir haben bis zuletzt, bis zum frühen Sonntagmorgen um zwanzig nach vier, die Flyer in den Kneipen in der Altstadt verteilt. Dieser Einsatz hat sich gelohnt. Ohne euch alle wäre das nicht möglich geworden.“ Zuvor hatte Terry Reintke, neben Sven Giegold die zweite grüne Spitzenkandidatin, gesprochen. „Wir werden Europa verändern“, hatte sie gesagt. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt gerade erst die bundesweiten Ergebnisse bekannt. Dass die Grünen am Ende laut vorläufigem amtlichen Endergebnis mit 29,19 Prozent klar stärkste Kraft in Düsseldorf vor der CDU (24,68 %) werden, davon hätte selbst aus dem Grünen-Lager zu diesem Zeitpunkt keiner zu träumen gewagt. Die SPD (15,24 %) wurde abgestraft, die Linken (4,81 %) auch, während die FDP (8,47 %) leicht zulegte. Die AfD (6,91 %) spielt keine große Rolle.

"Es war eine Klimawahl"

„Es war eine Klimawahl, die uns großen Rückenwind für die Kommunalwahl geben wird“, sagte irgendwann die Düsseldorfer Grünen-Sprecherin Paula Elsholz mit einem Glas Schampus in der Hand. „Wir werden bei Entscheidungen im Rat künftig noch stärker darauf achten, den Klimaschutz zum Kriterium zu machen.“

Die Düsseldorfer SPD feierte ihre Wahlparty im „Hirschchen“ in Pempelfort. Oberbürgermeister Thomas Geisel kam von einem Schützenfest erst kurz nach 18 Uhr. „Ich habe im Autoradio schon alles gehört“, sagte er. „Begeistert bin ich nicht.“ Das war auch Andreas Rimkus nicht, der Bundestagsabgeordnete und Düsseldorfer SPD-Vorsitzende. Er gab sich, wohl aufgrund des erwarteten Desasters für die SPD, sehr gefasst: „Die tolle Botschaft aus Düsseldorf: Petra Kammerevert bleibt auf jeden Fall im Europaparlament!“ Die Düsseldorferin, die bereits seit 2009 im Europa-Parlament ist, bedauerte, dass die SPD von bisher 27 Sitzen nur noch 15 behalten wird, lobte aber die höhere Wahlbeteiligung: „Das ist ein gutes Signal für die Demokratie und auch für Europa!“

"Eine Tragödie für die SPD"

Die Düsseldorfer Linke feierte ihre Wahlparty im Parteibüro an der Corneliusstraße. „Das ist nicht das Ergebnis, das wir erhofft hatten“, sagte der Düsseldorfer Linken-Chef Udo Bonn. „Aber es ist auch keine Katastrophe.“ Während seine Partei bei der Europawahl verloren hat, legte sie dagegen bei der Bremen-Wahl zu. Das Abschneiden der SPD bezeichnete Bonn als „Tragödie“ und „den Durchmarsch der Rechten auf europäischer Ebene als das Schlimmste dieser Wahl“. Udo Bonn lobte das grandiose Ergebnis der Grünen: „Sie haben als einzige von der großen gesellschaftlichen Diskussion zum Klimawandel profitiert!“

„Wir sind nicht euphorisch, aber wir sind sehr zufrieden“, sagte Marie-Agnes Strack-Zimmermann zum Wahlergebnis. Mit ihren Parteikollegen hatte sie das Ergebnis beim Tennisclub 1913 an der Grunerstraße im Zooviertel auf dem Bildschirm miterlebt. Aus europäischer Sicht begrüßte die Bundestagsabgeordnete und Düsseldorfer FDP-Vorsitzende, dass die Liberalen die drittstärkste Fraktion im neuen Europäischen Parlament werden und ihre Sitze verdoppelt haben. Aus Düsseldorfer Sicht begrüßt sie, dass die Liberalen in der Landeshauptstadt wieder über dem Bundesschnitt ihrer Partei liegen. Sie bedauert jedoch den Absturz der SPD, den sie „mega-bedenklich“ findet, während sie für den Grünen-Erfolg die Friday for Future-Demos junger Menschen gegen den Klimawandel verantwortlich macht. Trotz des gestrigen starken Abschneidens der Grünen sagte Strack-Zimmermann: „Die Grünen sind nicht stärkste politische Kraft in Düsseldorf. Das war eine Europawahl - und keine Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahl…“

CDU-Stadtchef will die Grünen "stärker im Auge behalten"

Enttäuschend auch das Abschneiden der CDU, auch das in der NRW-Landeshauptstadt. Die Union lud am Abend zur Wahlparty an die Wasserstraße am Schwanenspiegel, das ist der Sitz der Landesparty. Die war allerdings schon vor dem Tatort vorbei. Düsseldorfs CDU-Chef Thomas Jarzombek hatte ohnehin „andere Verpflichtungen“, hieß es, und blieb in der Hauptstadt Berlin. „Wir haben zwei, drei Jahre lang fast nur über Zuwanderung diskutiert, ehe der Klimaschutz zum großen Thema wurde“, sagte Jarzombek der NRZ am Telefon. „Das hat die Grünen natürlich stark voran gebracht. Das war auch schon einmal nach Fukushima so. Es zeigt aber auch, dass wir als CDU beim Thema Klimaschutz stärker positionieren müssen.“ Was Düsseldorf betrifft, schielt Jarzombek natürlich auf die SPD. „Für uns ist der Abstand zur SPD noch größer geworden, das ist für kommende Vorhaben schon einmal gut“, so der CDU-Chef. „Aber das Ergebnis zeigt auch, dass wir künftig die Grünen stärker im Auge behalten müssen.“

Uta Opelt, AfD-Kandidatin und Ratsfrau in Düsseldorf, sagte: „Die AfD konnte ihr Ergebnis in Düsseldorf leicht steigern und hat ihr Potenzial nach oben nicht ausgeschöpft, so dass ich zuversichtlich für die kommenden Kommunalwahlen bin.“

Bessere Stimmung am Marktplatz. Die Nacht ging noch lang im Café Europa. Mirja Cordes zeigte sich trotz des Erfolgs am Ende ziemlich erschöpft. „Wir haben im Vorfeld gearbeitet wie vor einer Bundestagswahl“, sagte Cordes, die mit Paula Elsholz die Doppelspitze der Düsseldorfer Grünen bildet. „Wir haben plakatiert, Flyer verteilt, informiert wie nie zuvor. Das hat zum Erfolg beigetragen. Dass wir jetzt stärkste Kraft in Düsseldorf sind, davon sind wir aber selbst total überrascht.“

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