Rosenmontagsstreit

Düsseldorfer Karnevalswagen erzürnt Polens Regierung

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Der Polen-Wagen von Jacques Tilly.

Der Polen-Wagen von Jacques Tilly.

Foto: kk / FFS

Düsseldorf.  Eine Karikatur von Wagenbauer Jacques Tilly soll polnische Diplomaten zu einem Protestbrief veranlasst haben. Der Satiriker ist zufrieden.

Der Polen-Wagen von Jacques Tilly, auf dem das Abtreibungsrecht wie ein Vampir mit einem Pflock getötet wird, hat offenbar für Empörung im Nachbarland gesorgt. Die Karikatur soll polnische Diplomaten zu einem Protestbrief veranlasst haben.

Das polnische Generalkonsulat in Köln hat laut Nachrichtenagentur PAP einen Brief an das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC)geschickt. Der Wagen sei „verletzend“ gewesen, heißt es darin. Und: „Wir verstehen und achten den Charakter des rheinischen Karnevals, aber er sollte keine religiösen Werte und Gefühle verletzen, die nicht nur für die Polen, sondern für Menschen auf der ganzen Welt eine herausragende Bedeutung haben“, heißt es demnach in dem Schreiben.

Kruzifix und Holzpflock

Der Motivwagen der Düsseldorfer Karnevalisten zeigt Polens Vize-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski, wie er einer Frau mit einem Kruzifix einen Holzpflock ins Herz treibt. Die Frau ist als „Abtreibungsrecht“ bezeichnet. Gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechts war es in Polen zu Protesten von Frauengruppen gekommen, gegen die die Polizei sehr hart vorgegangen sein soll.

"Verletzt werden eher die Frauen in Polen, denen das Recht auf eine Abtreibung genommen wird“, sagte Tilly am Mittwoch auf Anfrage dieser Redaktion. Dass seine Satire erneut zu hohe Wellen schlägt, ist für Tilly „ja auch der Sinn der Sache“. Es sei gut, dass seine Karikaturen „da gesehen werden, wo sie gebraucht werden“. Tilly hatte den Polen-Wagen am Rosenmontag trotz narrenfreier Straßen „als Symbol für die Narrenfreiheit“ auf die Straßen geschickt.

Immer wieder Zoff mit den Polen

Übrigens: Beim Veranstalter CC wusste man lediglich aus den Medien vom Brief des Konsulats. „Wir haben nichts bekommen“, sagte ein Sprecher.

2016 hatte der Düsseldorfer schon einmal großen Ärger mit der polnischen Regierung. Da hatte er am Rosenmontag einen Wagen gebaut, der Polen als misshandelte Frau unter dem Stiefel des nationalkonservativen Parteichefs Kaczynski darstellte.

Hass-Mails wegen Trump-Karikatur

Tilly hat aber aktuell nicht nur mit den Polen Ärger. „Es kommen die üblichen Hass-Mails“, verrät er. Vor allem der Trump-Wagen, auf dem der Ex-US-Präsident als aufgespießtes Spanferkel zu sehen ist, erzürnt die Leute. „Ich muss dann immer erklären, dass das nur eine Metapher ist“, meint der Künstler. „Wir wollen niemanden aufspießen, selbst Trump nicht.“ (mit dpa)

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