Flüchtlingshilfe

Düsseldorfer Organisation berät 50 Menschen pro Woche

Feierten das zehnjährige Bestehen von Stay!: (v.l.) Oliver Ongaro, Richard Asiedu, Levon Cholakhyan, Varduhi Hayrapetyan und Rajaa Kabtoul.

Foto: Grotjohann

Feierten das zehnjährige Bestehen von Stay!: (v.l.) Oliver Ongaro, Richard Asiedu, Levon Cholakhyan, Varduhi Hayrapetyan und Rajaa Kabtoul.

Zehn Jahre Flüchtlingshilfe in Düsseldorf von Stay! Die Zahlen sind nach oben geschnellt. Und aus Geflüchteten wurden selbst Helfer.

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Ein grüner Hinterhof an der Hüttenstraße, die weißen Decken auf den Holztischen leuchten in der Sonne. Lachen, Gespräche, Umarmungen – die Feier zum zehnjährigen Bestehen der Düsseldorfer Flüchtlings-Initiative Stay! wirkt wie ein großes Familienfest.

„Unsere Initiative ist aus einem Einzelschicksal entstanden“, sagt Oliver Ongaro von Stay! Die damals 15-jährige Semra Idic wollte es nicht hinnehmen, dass ihre Familie nach 15 Jahren in Düsseldorf in ein Elendsdorf nach Serbien abgeschoben wird. Die Idics erhielten Kirchenasyl in St. Lambertus, der Fall erregte bundesweit mediales Aufsehen. Zeitgleich bildete sich eine Gruppe von Düsseldorfer Medizinstudenten, die Flüchtlinge ohne Ausweispapiere behandeln wollten. Bald danach entstand Stay!

Mutter in Düsseldorf wieder gefunden

Der Blick auf ganz unterschiedliche Lebensläufe ist Oliver Ongaro bis heute ganz wichtig: „Hinter den Flüchtlingszahlen stehen immer Menschen und ein individuelles Schicksal.“ So wie das von Richard Asiedu. Er ist 21 und flüchtete als Minderjähriger ohne seine Familie aus der ghanaischen Hauptstadt Accra. „Meine Mutter habe ich erst hier wiedergefunden“, erzählt er. Heute arbeitet Asiedu im zweiten Jahr seiner dreijährigen Lehre zum Maler, wünscht sich, von seinem Betrieb übernommen zu werden – und ist, berichtet Ongaro, „der Beste seiner Ausbildungsklasse“.

Stay! kümmert sich um Flüchtlinge und Migranten mit unsicherem Aufenthaltsstatus, berät sie juristisch und bei der Vorbereitung auf Interviews beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und unterstützt bei der Gewährung von Sozialleistungen. Oft haben sie keine Papiere und im Krankheitsfall Sorge, sich an einen Arzt oder ein Krankenhaus zu wenden. Dann hilft das „Medi-Netz“ von Stay! in einer offenen Sprechstunde mit einem Team aus Fachkräften und Medizinern.

Spezielles Projekt für Kinder

Ongaro: „Seit fünf Jahren bieten wir mit Stay! united auch ein spezielles Projekt für Kinder und Jugendliche an. Wir beraten vor allem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Asylverfahren, unterstützen bei der Vermittlung in Schule und Ausbildung. Und wir machen Freizeitangebote, wie zum Beispiel gemeinsame Besuche bei Spielen von Fortuna oder auf der Kirmes.“

Nach „viel Überzeugungsarbeit“, so Ongaro, finanziert die Stadt Düsseldorf inzwischen mit 100 000 Euro die medizinische Versorgung durch Stay! und auch eine Stelle. Doch der Verein bleibt auch auf Spenden angewiesen. „Als wir anfingen, war Asyl ein Nischenthema und kaum in den Medien“, erinnert sich Ongaro. Heute verzeichnet der Verein durchschnittlich 50 Beratungen in der Woche, viele Hilfesuchende kommen mehrfach. „Wir führen keine Statistik“, sagt Ongaro, doch er weiß, dass sich die Hilfsinitiative mit ihrer kompetenten Unterstützung inzwischen auch überregional einen guten Ruf erworben hat.

Rajaa Kabtoul kam im Januar 2016 aus Syrien nach Deutschland. Sie engagiert sich für den Verein und bangt gleichzeitig um ihre Kinder in Damaskus, um die sich der Opa kümmert. Sie leben in Ruinen, ohne Strom, die Wasserversorgung ist prekär.

Selbst zu Stay!-Helfern in Düsseldorf geworden sind inzwischen auch Levon Cholakhyan und Varduhi Hayrapetyan. Er ist Arzt im Marienhospital, sie arbeitet als Apothekerin. Das Paar flüchtete aus Armenien und fand Hilfe bei der Initiative.

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