Recht

Düsseldorfer Polsterer nutzt Auto in Polizei-Look - ist das erlaubt?

Der Firmenwagen von Lothar Gläser dient als Werbegag. Die Schriftzüge sind dabei völlig legal.

Der Firmenwagen von Lothar Gläser dient als Werbegag. Die Schriftzüge sind dabei völlig legal.

Foto: Privat

Düsseldorf  Lothar Gläser fährt mit einem Auto in Polizei-Optik durch Düsseldorfer Straßen. Statt "Polizei" hat es den Schriftzug "Polsterei". Selbst Gesetzeshüter finden das witzig. Doch ist das eigentlich erlaubt?

Kürzlich geriet der Polizei in Hüllerup, im hohen Norden nahe Flensburg, ein pinkfarbenes Auto mit dem Aufschrift „Pozilei“ in eine nächtliche Fahrzeugkontrolle - die Halterin musste eine Strafe zahlen. Die Polizisten beanstandeten nicht die Aufschrift als solches - sondern die Reflektoren an der Seite des Wagens. Die sind nicht erlaubt. Auch Lothar Gläser hat seit drei Jahren ein Auto, mit deutlichen optischen Referenzen zum staatlichen Exekutivorgan. Ärger hatte er noch nie.

Sein blau-silberner Skoda trägt die Aufschrift „Polsterei“. Ein Blaulicht oder Reflektoren befinden sich nicht am Auto. Im Unternehmen des Sattlermeisters wird Innenausstattung für Fahrzeuge und Boote gefertigt und repariert. Zum Betrieb gehört auch eine Möbelpolsterei, wie Lothar Gläser erzählt.

Das Namenspiel bot sich also an und dient als Werbegag für die Auto- und Bootsattlerei in Düsseldorf, die er vor 25 Jahren gründete. „Es kommen schon viele Leute auf mich zu, wenn sie den Wagen sehen. Die Reaktionen auf mein Auto waren aber bis jetzt durch die Bank weg positiv. Ich kann auch definitiv sagen, dass es dadurch mehr Kunden gab“, sagt Lothar Gläser.

Dienstauto in Firmenfarben blau und silber

Der Einfall zum „Polsterei-Auto“ kam ihm, als die Polizeiwagen von grün-weiß auf eine blau-silberne Lackierung umgestaltet wurden. „Da kam mir die Idee, das Auto zu verändern; denn das sind seit Ewigkeiten unsere Firmenfarben.“ Die richtige Polizei hat indes kein Problem mit seinem ungewöhnlichen Skoda und sieht es mit Humor. „Ich habe sehr viele Polizisten im Freundeskreis. Viele Polizisten kommen auch als Kunden zu mir. Letztens habe ich noch selber Arbeiten für die Polizei durchgeführt und parkte mit meinem Wagen zwischen 20-30 Polizeiautos.“

Stellenweise konnte Lothar Gläser auch ohne Blaulicht auf dem Wagendach feststellen, dass Bürger beim Anblick seines Wagens langsamer fuhren. Dies dürfte bei dem pinkfarbenen „Pozilei“-Wagen, der in Hüllerup in eine Kontrolle geriet, nicht so schnell passieren. Das Vorhaben, seinem Auto etwas mehr amtliche Autorität zu geben, ist jedoch kein Einzelfall.

Solche Späße sind nicht strafbar - anderes schon 

Der Brauer Jürgen Hopf aus dem Fichtelgebirge ließ seinen silbernen Firmenwagen auch in Polizei-Optik bekleben. Branchengerecht steht bei ihm in Großbuchstaben „Brauerei“ statt „Polizei“ auf dem Wagen. In Münster fuhr längere Zeit ein Auto, das auf dem ersten Blick von Mitarbeitern des Ordnungsamts geführt wurde. Der Begriff wurde jedoch in „Ordnungsland“ umgewandelt.

Diese Späße sind nicht strafbar. Anders ist dies aber, wenn sich eine Zivilperson eine Polizeiuniform anzieht, sich als Polizist ausgibt und dann eine polizeiliche Maßnahme in der Öffentlichkeit durchführt – also etwa den Verkehr regelt oder Personenkontrollen durchführt. Das wäre Amtsanmaßung, auf die laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe steht.

Wenn ein Kunde zu der Auto- und Bootsattlerei in Düsseldorf gelangt, geraten aber eher Fahrzeuge als Menschen in die Inspektion. „Es kam aber auch schon vor, dass man mich fragte, ob dies ein alter Polizeiwagen sei. Das kann aber natürlich nicht sein. Die Polizei in Deutschland fährt ja bekanntlich keine Skoda-Streifenwagen.“

Blaulichter bleiben Einsatzfahrzeugen vorbehalten

Generell sind der Kreativität bei der Umwandlung der Autos Grenzen gesetzt. „Reflektorstreifen sind nicht zulässig", so der Leiter des Zulassungsbereichs der Zulassungs- und Fahrerlaubnisbehörde Essen, Harald Lohmann. „Auch dürfen nur bestimmte Fahrzeuge ein Blaulicht führen."

Geregelt wird dies in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, die lediglich besonderen Einsatzfahrzeugen, etwa von Polizei, Rettungsdienst, Militärpolizei oder Zoll, die Ausrüstung mit einem Blaulicht erlaubt. Würde Lothar Gläser also mit Blaulicht zu seinen Kunden fahren, wäre dies nicht gesetzeskonform.

Generell darf weiterhin keine zu große Ähnlichkeit mit einem Polizeifahrzeug bestehen. "Verwechslungsgefahr darf nicht bestehen", so Harald Lohmann. Doch er bekräftigt, dass die "Nicht-Polizei-Polizeiautos" entgegen von Reflektorstreifen und Auto-Tuning ein absolutes Nischenphänomen sind. Das Team der vermeintlichen Ordnungshüter im Straßenverkehr dürfte demnach also überschaubar sein.

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