Europawahl

Düsseldorfs Grüne spüren „Rückenwind für 2020“

Gehen jetzt mit Rückenwind in die Kommunalwahl 2020: (v.l.) NRWs Grünen-Chefin Mona Neubaur (mitte) sowie die beiden Düsseldorfer Sprecherinnen Mirja Cordes (li.) und Paula Elsholz.

Gehen jetzt mit Rückenwind in die Kommunalwahl 2020: (v.l.) NRWs Grünen-Chefin Mona Neubaur (mitte) sowie die beiden Düsseldorfer Sprecherinnen Mirja Cordes (li.) und Paula Elsholz.

Foto: FOTO: NRZ

Düsseldorf.  Fast 30 Prozent der Düsseldorfer Wahlberechtigten haben ihr Kreuzchen bei den Grünen gemacht. Nun ist eine eigene OB-Kandidatur für 2020 geplant.

Mehr als 76.000 Stimmen der Düsseldorferinnen und Düsseldorfer gingen an den Klimaschutz: Fast 30 Prozent der Wahlberechtigten in der Rheinmetropole haben ihr Kreuzchen am Sonntag bei der Europawahl bei den Grünen gemacht. Erst freuten sich NRW-Spitzenkandidatin Terry Reintke, Landeschefin Mona Neubaur und Parteifreunde über den bundesweiten Erfolg, und je später der Abend wurde, desto mehr kristallisierte sich heraus: Die Grünen sind klar stärkste Kraft in der NRW-Landeshauptstadt. Das gab’s noch nie.

„Guck’ mal, meine Hände zittern immer noch“, sagte Mona Neubaur am Abend vor dem Café Europa am Marktplatz, wohin die Düsseldorfer Grünen zur Wahlparty eingeladen hatten.

2014 waren es „nur“ 28.099 Stimmen für die Grünen

Insgesamt haben am Sonntag 263.187 Bürgerinnen und Bürger ihr Kreuzchen gemacht. Fast jede dritte aller Düsseldorfer Stimmen ging an die Grünen, insgesamt waren es 76.394. Zum Vergleich: Bei der Europawahl vor fünf Jahren wurde für die Partei gerade noch 28.099 Mal gevotet.

„Sensationell“, nannte auch am Montag noch Paula Elsholz die Tatsache, dass ihre Grünen offenbar nun die Pole Position in der Gunst der Düsseldorfer Wähler haben. „Das gibt uns nicht nur Rückenwind für 2020, sondern auch für grüne Politik auf allen Ebenen“, so die Kreisverband-Chefin. Und was die Kommunalwahl betrifft, „wollen wir unseren Mitgliedern in den nächsten Monaten den Vorschlag machen, dass wir mit einer eigenen OB-Kandidatur ins Rennen gehen“.

In einigen Stadtteilen kamen die Grünen gar bis an die 40 Prozent-Marke heran. Friedrichstadt (38,56 %) und Unterbilk (37,20 %) sind Stadtteile im Bezirk 3, dort macht Dietmar Wolf seit vielen Jahren grüne Politik. „Mich hat dieses Ergebnis völlig überrascht, also in dieser Höhe“, sagte der Ratsherr am Montag zur NRZ. Und: „Mir macht das sehr viel Mut, mich weiter in der Kommunalpolitik einzusetzen wie bisher.“ Düsseldorfer Themen wie Klimaanpassung und Verkehrswende scheinen, so Wolf, „noch intensiver als bisher bei den Wählern angekommen zu sein. Das ist ein gutes Zeichen für die Kommunalwahl.“

In einigen Bezirken gab es fast 40 Prozent

Sensationell gut auch das Ergebnis in Flingern-Nord (37,59 %), das ist der Beritt (Stadtbezirk 2) von grünen Lokalpolitikern wie Tobias Reichelt, Harald Schwenk (Kiefernstraße) oder Sabine Adamski. „Wir freuen uns natürlich, dass sich der große Einsatz unserer kleinen Mannschaft im Wahlkampf so gelohnt hat“, sagt Adamski. Die 62-Jährige glaubt, dass die Menschen die „Kernkompetenz der Grünen“ nun anerkennen. „Wir können zuhören, die Menschen ernst nehmen und auf ihre Wünsche eingehen.“

Bei den Wählern unter 30 Jahren waren es bundesweit rund 33 Prozent der Stimmen für die Grünen. Die Partei wurde somit auch eindeutig stärkste Kraft bei den Jungwählern. NRW-Landeschefin Neubaur richtete am Sonntagabend Grüße an die Grüne Jugend NRW, die auch in der „Fridays for Future“-Bewegung in Düsseldorf eine treibende Kraft ist. „Ihr seid die Allergeilsten!“ Michael Röls, Landessprecher der Grünen Jugend NRW: „Diese Europawahl war eindeutig eine Klimawahl. Die Jungwähler haben ein eindeutiges Zeichen gesetzt, dass unsere Generation keine Politik mehr dulden wird, die unsere natürlichen Lebensgrundlagen aufs Spiel setzt.“

Glückwünsche in den sozialen Medien

Die sozialen Medien liefen über mit Gratulations-Posts. „Das ist ja Wahnsinn! Die Grünen werden mit knapp 30 Prozent stärkste Europapartei in Düsseldorf und zweitstärkste Kraft in Deutschland“, freute sich etwa Günter Karen-Jungen, vor gar nicht langer Zeit noch grüner Bürgermeister in Düsseldorf. „Unser Jahrzehnte langer konsequenter Kampf für eine bessere Klima- und Umweltpolitik wird belohnt.“ Landtagsabgeordneter Stefan Engstfeld postete Montagfrüh: „Die Grafik ändert sich auch am Morgen danach nicht! Wir sind in Düsseldorf stärkste Partei! Wahnsinn!“

Übrigens: Das schlechteste Stadtteil-Ergebnis erzielten die Grünen im Hafen (13,33 %) – der einzige Stadtteil, in dem die SPD mit 23,33 Prozent der Stimmen stärkste Kraft wurde.

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