Neubau

Fleher Brücke: Das Gutachten überrascht Düsseldorfer Politik

Die Fleher Brücke in Düsseldorf mit ihrem charakteristischen Pylon muss neugebaut werden. Wie der Neubau aussehen wird, muss nun geprüft werden.

Die Fleher Brücke in Düsseldorf mit ihrem charakteristischen Pylon muss neugebaut werden. Wie der Neubau aussehen wird, muss nun geprüft werden.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Düsseldorf.  Die Neubau-Ankündigung der Fleher Brücke löst Forderungen nach Sanierungen der Düsseldorfer Infrastruktur aus. Kritik an der Landesregierung.

Die Nachricht der notwendigen Neubaus der Fleher Brücke überraschte viele Düsseldorfer. Für den Austausch der Brücke gibt es viele Ideen. Aber auch Stimmen werden laut, die der Landesregierung Vorwürfe machen.

„Ich weiß, wie wichtig die Brücke ist und wie störend die Sanierungsarbeiten sind. Deswegen muss man bei einem Neubau darauf achten, dass es keine langen Ausfallzeiten gibt“, betont der stellvertretende Bürgermeister in Stadtbezirk 3, Marko Siegesmund, in dessen Wirkungsbereich auch der Stadtteil Flehe liegt. „Die Brückensituation in Düsseldorf ist schwierig. Es gibt daher auch bereits die Idee, eine Brücke vom Hafen nach Neuss zu bauen. Diese Überlegungen sollte man fortsetzen.“

Schnell Entscheidungen treffen

Walter Schmidt, CDU-Ratsherr und Mitglied im Ordnungs- und Verkehrsausschuss, ist ähnlicher Meinung. „Die Brücke auszutauschen, ist eine wirtschaftliche Frage“, sagt das ehemalige Mitglied der BV 3. „Wie genau man das macht, wird sich zeigen. Aber logistisch werden die nächsten Jahre entscheidend. Denn man muss sich fragen, was man zuerst macht.“

Es brauche Ausweichmöglichkeiten für den Verkehr, wenn die Fleher Brücke abgerissen wird, erklärt Schmidt. „Die Brücke vom Hafen nach Neuss wäre eine Idee. Aber für mich wäre es auch wichtig, zuerst die Südbrücke über den Aderkirchweg zu erneuern. Dann kann eine neue Brücke gebaut werden“, meint der Unionspolitiker. „Die Fleher Brücke ist nun zwar nicht mehr sanierungsfähig, aber man kann den Bestand erhalten, bis eine neue Brücke gebaut werden kann.“ Wichtig sei auch, dass nicht zu lange um eine Entscheidung gerungen wird.

Mehr Verkehr im Düsseldorfer Süden befürchtet

„Einerseits befürchte ich, dass künftig mehr Verkehr durch den Stadtbezirk 3 fließt, da die neue Brücke nur noch zweispurig sein soll“, sagt Dietmar Wolf (Grüne), Bürgermeister im Bezirk 3. „Aber beim Bau der Fleher Brücke wurde versäumt, den Lärmschutz zu bauen. Das kann nun nachgeholt werden“, meint er. „Die Idee einer Hafenbrücke dauert wohl noch sehr lange, bis tatsächlich etwas gebaut werden könnte. Das wird bereis seit 36 Monaten geprüft. Ob man die Fleher Brücke durch einen Tunnel ersetzt oder ob man darüber den ÖPNV verlängert, muss man ebenfalls prüfen“, so Wolf. „Denn wenn man etwas neu baut, muss man auch neu denken.“

Tempolimit und Lärmschutz

Der Düsseldorfer CDU-Landtagsabgeordnete Olaf Lehne teilt mit, die Entscheidung die Brücke neu zu bauen, sei richtig und vorausschauend: „Schädigungen an den Querrahmen, grundsätzliche Material- und Fertigungsmängel der Stahlkonstruktion, nicht prüfbare Seilverankerungen des Haupttragwerks sowie Stahl, der nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht, machen einen Neubau auf lange Sicht unumgänglich.“

Einen „Behördenskandal“ nennt indes Jürgen Borrmann von der Fleher-Bürger-Interessengemeinschaft den notwendigen Abriss der Brücke. „Sie hätte viel länger halten müssen. Wir fordern seit langem, für LKWs ein Limit auf Tempo-60 auf der Brücke einzuführen, um den Schaden an der Konstruktion zu verringern. Die Landesregierung wollte das nicht“, kritisiert er. In den frühen 70ern, als die Brücke geplant wurde, habe man nicht gewusst, wie stark der LKW-Verkehr zunehmen würde und auch nicht, wie schädlich die Schadstoffe für den Stahlbeton seien, erklärt Borrmann.

Zudem seien beim Bau minderwertige Materialien verwendet worden, „denn die damalige Landesregierung wollte die Gesamtkosten unter 90 Millionen D-Mark halten.“ Wenn die Brücke neu gebaut wird, müsse der Lärmschutz mit eingeplant werden, fordert Borrmann. „Man muss aus den Fehlern, die hier gemacht wurden, lernen.“

Linke will mehr Güterverkehr auf der Schiene

Andreas Rimkus, SPD-Bundestagsabgeordneter ergänzt: „Die Brücke hätte 100 Jahre halten sollen. Dass sie jetzt nach 50 Jahren nicht mehr sanierungsfähig ist, liegt auch daran, dass der Güterverkehr stark zugenommen hat. Eine Lösung dafür wäre, dass LKWs und PKWs nicht mehr auf der äußeren Spur fahren dürfen“, schlägt er vor. „Damit schaden sie der Brücke weniger. Die äußere Spur könnte dann für Busse und E-Fahrzeuge frei gehalten werden.“

Die bisherige Politik habe auf vielen Feldern versagt, kritisiert Anja Vorspel, Fraktionschefin der Linken. „So kam es zu einem Verkehrswachstum, das keine Brücke auf Dauer übersteht. Der Rückbau des Güter-Schienenverkehrs hat dazu geführt, dass Waren mit immer größeren LKWs über die Brücken donnern.“

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