Luftfahrt

Investoren aus NRW wollen Airline Germania retten

Noch heben die Germania-Flieger ab. Das soll auch so bleiben. Eine nordrhein-westfälische Investorengruppe um den früheren Air Berlin-Chef Joachim Hunold will der Fluggesellschaft mit 15 Millionen Euro helfen.

Noch heben die Germania-Flieger ab. Das soll auch so bleiben. Eine nordrhein-westfälische Investorengruppe um den früheren Air Berlin-Chef Joachim Hunold will der Fluggesellschaft mit 15 Millionen Euro helfen.

Foto: Christoph Schmidt

Düsseldorf/Berlin.   Eine Gruppe um den ehemaligen Air Berlin-Chef Joachim Hunold will der klammen Fluggesellschaft Germania 15 Millionen Überbrückungshilfe gewähren.

Eine nordrhein-westfälische Investorengruppe unter anderem mit Managern aus der Luftfahrt-Branche will die finanziell ins Trudeln geratene Fluggesellschaft Germania retten. Nach Informationen der NRZ arbeitet die Gruppe unter Koordination der ehemaligen Airline-Manager Joachim Hunold (Ex-LTU, ex-Air Berlin), Udo Stern und Jörn Hellwig (beide Ex-Blue-Wings) mit Hochdruck an einer Rettung.

Nach einem Besuch in der Berliner Germania-Zentrale und Blick in die Unterlagen soll kurzfristig ein zweistelliger Millionen-Betrag bereit gestellt werden. Der Germania fehlen derzeit 15 Millionen Euro.

Überbrückungshilfe bis zum Beginn des Sommerflugplans

Den Investoren, alle aus Nordrhein-Westfalen, geht es um die Überbrückung der Liquiditätslücke bis zum Beginn des Sommerflugplans Ende März. Dann geht es mit den Buchungen saisonbedingt wieder aufwärts. Die Reiseveranstalter halten der Airline die Treue und haben noch keine Plätze storniert. Die Auslastung der Germania-Flieger soll im Sommer bei etwa 70 Prozent liegen. Lediglich bei dem für Germania weniger wichtigen Einzelplatzverkauf gab es in den vergangenen Wochen aufgrund der Angst vor einer Pleite einen Einbruch.

Die Investoren begründen ihr Engagement damit, dass Germania die „letzte größere von einem Reiseveranstalter unabhängige deutsche Fluggesellschaft ist“. Durch die Rettung der Germania werde die „Konkurrenzsituation in der Luftfahrt-Branche zum Vorteil der Konsumenten gesichert“, heißt es.

Die beiden großen Mitbewerber auf dem Chartermarkt gehören Reisekonzernen: Condor zu Thomas Cook, Tuifly zur Tui. Und der deutsche Platzhirsch Eurowings ist Tochter der größten europäischen Airline Lufthansa. Konzernunabhängige Reiseveranstalter wie Alltours aus Düsseldorf buchen ihre Gäste ungern auf Flugzeugen der Veranstalter-Konkurrenz. Alltours würde eine Pleite der Germania hart treffen.

Januar-Gehälter konnten nicht ausgezahlt werden

Germania konnte aufgrund der finanziellen Probleme die Januar-Gehälter an die 1100 Mitarbeiter nicht auszahlen. Eine bereits im Januar in Aussicht gestellte Finanzspritze von 15 Millionen Euro ist bisher nicht geflossen. Wird der Germania nicht schnell geholfen, droht der Entzug der Lizenz durch das Luftfahrtbundesamt: Mit sofortiger Wirkung müssten alle Germania-Flieger auf dem Boden bleiben.

Besonders bitter: Viele Germania-Flugbegleiter haben bereits Airline-Pleiten mitgemacht, weil sie von Blue Wings (Insolvenz 2010) oder Air Berlin (Insolvenz 2017) zur Germania gekommen waren.

Germania startet von zwei Flughäfen in NRW

Germania mit Sitz in Berlin, hat 37 Flugzeuge und fliegt in NRW von Düsseldorf und Münster. Bestärkt durch den Ausfall der Air Berlin und der damit entstandenen Lücken hatte Germania vergangenes Jahr ihr Flugangebot um fast 40 Prozent ausgeweitet, zahlreiche Ziele wurden neu in den Flugplan aufgenommen.

Germania hat derzeit 37 Flugzeuge und machte vergangenes Jahr einen Umsatz von 537 Millionen Euro. Erst im Juli 2018 hatte Germania eine Absichtserklärung für den geplanten Kauf eines Grundstücks am neuen Flughafen Berlin Brandenburg unterzeichnet. Hier will Germania auf 16.400 Quadratmetern ihren neuen Hauptsitz bauen.

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